Bergtour

Der Watzmann im Berchtesgadener Land – 2014

Im Berchtesgadener Land, da liegt der Watzmann: Schicksalsberg, um den sich Geschichten und Mythen ranken. Zudem zählt der Watzmann zu den schönsten Bergen der Welt. Das zumindest kam bei einer Umfrage des Bergsteiger-Magazins 2014 heraus. Auch gilt er als Wahrzeichen im Berchtesgadener Land und beeindruckt schon alleine wegen seines außergewöhnlichen Erscheinungsbildes. Und wer einmal oben war, auf dem Watzmann, der wird nicht nur die beeindruckende Aussicht über das ganze Berchtesgadener Land in Erinnerung behalten, sondern auch eine Bergtour, die ein wahres Abenteuer ist.

DIE TOUR IM ÜBERBLICK

Tourensteckbrief:

  • Charakter: Alpinwandern (T4)
  • Anforderungen: Gute Kondition, gute Orientierung, Trittsicherheit, Alpine Erfahrung
  • Start/Ziel: Wanderparkplatz Wimbachbrücke/Ramsau (geb.pfl.)
  • Distanz: 26 km • Gehzeit:  11,5 Std. (in 1,5 Tagen)
  • Höhenmeter: 2.550 m •  2.550 m
  • Übernachtung: Watzmannhaus
  • Einkehr unterwegs: Mitterkaser-Alm, Kührointalm
  • Wichtig: Klettersteigausrüstung und trockenes Wetter sind notwendig

Etappen (Gehzeiten kumuliert):

Tag 1 • 7,3 km •  1.350 m •  60 m:

    • Mitterkaser-Alm (1:30 h)
    • Watzmannhaus (2:30 h)

Tag 2 • 19 km •  1.200 m •  2.490 m:

  • Gipfel Hocheck (2:20 h)
  • Kührointalm (5:50 h)
  • Archenkanzel (6:10 h)
  • Gipfel Grünstein (7:30 h)
  • Parkplatz Wimbachbrücke/Ramsau (9:00 h)
Download

Der Watzmann iM Berchtesgadener Land

Watzmann im Berchtesgadener Land - Blick auf den Watzman vom Gipfel des Grünsteins

Das Watzmannmassiv vom Grünstein aus gesehen

Das Watzmannmassiv ist der zentrale Gebirgszug der Berchtesgadener Alpen: ein Kalkstein-/Dolomitmassiv. Und er lässt es sich nicht nehmen, der höchste Punkt im Berchtesgadener Land zu sein: Die Mittelspitze mit 2.713 m ist dabei der höchster Gipfel des Watzmanns.

Seine drei höchsten Gipfel sind das Hocheck – 2.651 m, die Mittelspitze – 2.713 m und die Südspitze – 2.712 m. Die berüchtigte Ostwand fällt zum Königsee ab und ist mit 1.800 m Wanderhöhe die höchste Felswand der Ostalpen. Seine Erstbesteigung wird um das Jahr 1799 datiert. Zumindest wurde sie 1999 bei einer fetten 200-Jahrfeier zelebriert.

Aber es wird auch allerorts im Berchtesgadener Land die Sage vom König Watzmann, oder auch Waze, erzählt. Ein rauher und wilder König war er, der Watzmann. Lebte vor Urzeiten mit seiner Frau und seinen sieben Kindern im Berchtesgadener Land und war ein rechter Wüterich. Am Ende brachte ihm sein Herz aus Stein ein Schicksal aus Blut und Fels ein. Denn die ganze Königsfamilie wurde zu Stein und ihr Blut sammelte sich in zwei Seen zu ihren Füßen.

Ja, und so wild und rauh kann der Watzmann heute noch sein, hört und liest man nicht die Zeichen am Berg und der Natur! Denn ungestüme Draufgänger gehen nicht nur in den Berg, sie bleiben auch dort – für immer. Seit der Erstbesteigung forderte die Watzmann-Ostwand bis heute um die 100 Todesopfer und damit sogar mehr als die Eiger-Nordwand es bisher tat. Darum sollte man nie seine Fähigkeiten und Möglichkeiten überschätzen: Es ist eben oft so viel schwerer Nein zu sagen, als in Schwierigkeiten zu rennen.

TAG 1 – VON DER WIMBACHBRÜCKE ZUM WATZMANNHAUS

Watzmann im Berchtesgadener Land - Auf der Falzalm

Ankunft an der Falzalm.

Ich glaub, es war auf der Tour im Elbsandsteingebirge mit den Minimulis, als wir den Entschluß fassten, dass wir gemeinsam den Watzmann erobern wollten. Ein halbes Jahr später, mitten im hochsommerlichen August, war es dann soweit: Wir starten gegen Spätmittag von der Wimbachbrücke bei Ramsau und wollen am ersten Tag zum Watzmannhaus hinauf, das auf 1.930 m Höhe auf uns wartet.

Los geht’s und schon zu Beginn wandern wir auf einem bequemen aber steilen Spazierweg bergauf. Der gut ausgebaute Weg führt uns durch den Hangwald und schließlich zur Stubenalm, deren Almhütte bewirtschaftet ist. Wir gehen aber weiter und sehen bald das erste Mal das Watzmannhaus, wie es auf der Nordwand, unterhalb des Hocheck, thront.

Im weiteren Verlauf treffen wir auf die Hütte der Mitterkaser-Alm. Da machen wir einen Einkehrschwung, stärken uns mit frischer Buttermilch und Saftschorle und warten dabei den leichten Regen ab. Der lässt aber kaum den restlichen Weg nach. Nach der Mitterkaser-Alm passieren wir noch die Talstation des Versorgungsliftes des Watzmannhauses. Von da geht es schließlich auf einem Pfad weiter bergauf: steinig und wurzeldurchzogen. Der leichte Steig erfordert allerdings bei Regenwetter durchaus etwas mehr Konzentration und Trittsicherheit. Nachdem wir die Falzalm erreicht und hinter uns gelassen haben, tauchen wir dann auch noch in Nebel- und Wolkenfetzen ein. Bis zum Watzmannhaus bleibt es dann nass und ungemütlich. Wir sind froh, als wir abends endlich in der Stube  des Watzmannhauses, bei Speis und Trank und beim Würfeln mit unseren Tischgenossen, sitzen.

Bilder zum ersten Tag

TAG 2 – Auf’s Hocheck und zum Grünstein

Watzmann im Berchtesgadener Land - Biwakschachtel am Hocheck

Die Biwakschachtel am Hocheckgipfel – 2.651m und die Mittelspitze noch in Wolken gehüllt

Der zweite Tag bricht früh an. Die ersten Wanderer aus unserem 20-Betten-Lager sind schon unterwegs, als wir uns nach einem kleinen Frühstück auf den Weg machen. Den Tag früh zu beginnen, will man den Watzmann überschreiten, ist eine sehr gute Entscheidung. Ich glaube, der Faktor Zeit ist neben dem richtigen Wetter sehr ausschlaggebend für dieses Unternehmen. Die unruhige Nacht sitzt mir noch in den Knochen. So lasse ich Claudia und Jörg ihr Tempo gehen und ich bleibe bei meinem. Am Ende sind sie ca. 20 Minuten schneller als ich am Hocheck angelangt. Meine Begleiter bis zum ersten Gipfel, werden indes zwei Jungs aus Hessen sein. Das ist ganz gut, wenn jeder so sein Tempo gehen kann und niemand alleine bleibt – am Berg.

So soll das auch sein. Vor allem, wenn der überwiegende Teil der Etappe im Schnee liegt. Am Watzmann ist das mit Vorsicht zu genießen: Da sind dann umso mehr Konzentration, Orientierung und Trittsicherheit gefragt. Bis zum Hocheck kommen wir so ganz gut hin. Am Gipfel angelangt, genießen wir das Wolken-Sonnen-Schauspiel im Hochgebirge, mit Eis und Schnee – mitten im August.

Was man im Berchtesgadener Land nicht machen sollte? Die Überschreitung des Watzmanns bei Regen oder bei Eis und Schnee, gehört mit Sicherheit dazu! Während man die Überschreitung bei gutem und trockenem Wetter, mit Alpiner- und Klettersteigerfahrung sicher gut bewältigen kann, bei Nässe oder Eis rät der DAV vehement davon ab! Nach kurzer und demokratischer Beratung, geben wir unsere Überschreitung auf und machen uns an den Abstieg zurück zum Watzmannhaus. Das erfordert abermals Konzentration und Trittsicherheit, gerade bei Schnee und Eis. Nach ca. zwei Stunden sind wir zurück am Watzmannhaus und beschließen, über den Falzsteig zur Kührointalm zu gehen. Der Falzsteig ist ein Abschnitt, der bisweilen steil und felsig ist. Hier ist besonders bei Nässe Vorsicht angebracht. Ich bin zweimal ordentlich auf den Hintern geknallt, weil es rutschig war.

Watzmann im Berchtesgadener Land - Auf dem Gipfel des Grünsteins

Auf dem Gipfel des Grünstein mit Blick auf den Hohen Göll, das Hohe Brett mit Jenner und den Schneibstein.

An der Kührointalm machen wir einen Einkehrschwung und stärken uns. Der einfache Abstecher zur Archenkanzel, mit einem wirklich tollen Blick über den Königssee, hinunter zu St. Bartholomä und rüber zum Funtensee-Gebiet, ist es allemal wert und dauert nicht lange: Hin und zurück ca. 30 Minuten. Das machen wir auch und was soll ich sagen: Der Blick ist einfach genial. Die Archenkanzel ist deswegen allerdings auch immer gut besucht. Und so brechen wir von dem Aussichtspunkt bald wieder auf. Unser nächstes Etappenziel ist der Grünstein. Von dem wird behauptet, er wäre einst der wahre Gipfel des Watzmannmassivs gewesen. Als er aber ins Tal stürzte, hinterließ er den Watzmann so wie wir ihn heute sehen. Der Weg dorthin ist einfach und wird in der zweiten Hälfte zur spannenden Kammwanderung, über Stock und Stein. Am Fuße des Gipfels ist das Grünsteinhaus und hält alles Wünschenswerte zur Stärkung bereit. Wir gönnen uns das erste Bier an diesem Tag und das schmeckt nach der bisherigen Tour einfach göttlich. Der Abstecher auf den Gipfel des Grünsteins ist von hier ein kurzer Anstieg und wird mit einem tollen Rundumblick belohnt. Beispielsweise zum Kehlsteinhaus hinüber, oder zum Untersberg und der benachbarten Kneifelspitze, die ich schon auf einer Wintertour erklommen habe. Vom Grünstein geht es nun wieder zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour: die Wimbachbrücke. Der Weg dorthin ist einfach und führt einen Stück über den Salzalpensteig. Wir brauchen ca. eineinhalb Stunden zum Auto zurück und erreichen den Parkplatz dann mit den letzten Sonnenstrahlen, mit müden Beinen und einem Herzen voller hochalpinen Eindrücken aus dem Berchtesgadener Land – und sind einfach zufrieden.

Bilder zum zweiten Tag

Und Alles auf STart

Ja so ist das mit dem Watzmann: Man bricht nicht einfach nur auf  und überschreitet dieses Gebirgsmassiv. Man versucht es. Manche haben Glück und schaffen es beim ersten Mal. Andere unternehmen zwei oder mehrere Versuche, bis die Bedingungen eben passen. Und so nährt sich dieser Mythos des Schicksalsberges. Aber sind wir mal ehrlich: Ist man mit Leib und Seele Alpinist, dann zieht eine Sehnsucht regelrecht zu diesem Berg, in das Berchtesgadener Land: Spätestens, wenn man einmal Blut geleckt hat! Diese Tour, diesen Versuch, den Watzmann zu überschreiten, habe ich mir jedenfalls wieder fest vorgenommen.

Mich hat das Watzmann-Fieber gepackt! Mein zweiter Versuch wird kommen und vielleicht habe ich ja Glück und dann klappt es auf Anhieb? Wieder mit den beiden lieben Freunden – den Minimulis – wäre mir am liebsten. Deren Bericht könnt ihr übrigens auf deren Blog lesen. Bis dahin jedenfalls, bleibt mir nur zu sagen: Alles auf Start und schnürrt die Schuhe! Watzmann, wir kommen wieder! Die Tourenvielfalt im Watzmanngebiet ist jedenfalls beeindruckend und der DAV hat eine handvoll davon für Euch in einem Flyer/PDF zusammengefasst. Ach ja, wir waren dann irgendwann um Mitternacht zurück bei mir im München-Basecamp. Da gab’s dann den Absacker und den wohlverdienten Schalf.

 

Schlagwörter:

Alex ist Münchner, Wahl-Landsberger und bloggt auf Luftschubser.de. Mit Vorliebe beschreibt er seine Touren und deren historische und kulturelle Hintergründe. Bereits seit 2003 schreibt er schon über Burgen - sein Steckenpferd - im Netz und führt das nun in seinem Blog fort. Das Bergsteigen, Wandern, die Natur, die Burgen als steinerne Zeitzeugen und der Austausch - unterwegs - mit anderen Menschen sind nicht nur Hobby, das ist seine Lebenseinstellung.

Website: http://www.luftschubser.de

1 Kommentar

  1. Pingback: Alex vom Outdoorblog Luftschubser im Interview

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.