Über den Albtrauf von Bad Urach zur Burg Teck – Albsteig-Etappe 8

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Auf dieser Etappe führt uns der Albsteig über den Albtrauf, der spektakulären Abbruchkante der Schwäbischen Alb. Es geht von Bad Urach, mit einem malerischen Marktplatz, zur bemerkenswerten Festung Hohenneuffen, bis in die schwäbische Whisky-Hochburg nach Owen. Dort besichtigen wir nicht nur das Schloss Owen, sondern dürfen auch Whisky in der Destillerie Tecker verkosten, bevor wir noch auf den Teckberg zur Burg Teck aufsteigen. Geschichtlich, kulturell und landschaftlich eine abwechslungsreiche und spannende Etappe!

Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Bad Urach / Burg Teck
  • Distanz: 25,5 km
  • Reine Gehzeit: 6:30 h
  • Höhenmeter: ↑ 1.080 m • ↓ 840 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Burg Hohenneuffen • Burg Teck

Etappen & Gehzeiten

  • Hülbener Brille (2:35 h)
  • Burg Hohenneuffen (3:10 h)
  • Brucker Fels (4:45 h)
  • Whisky Destillerie Gruel (5:35 h)
  • Burg Teck (6:30 h)

Sehenswürdigkeiten

Residenzschloss Urach • Albtrauf Felsformationen • Burg Hohenneuffen • Keltisches Zangentor (Erkenbrechstweiler) • Schloss OwenBurg Teck

Frühstück in Bad Urach

Am nächsten Morgen pudern wir uns kurz das Näschen, packen zusammen und sind schnell auf dem Weg, zurück nach Bad Urach. Ich möchte hier nicht dem Albsteig folgen, der leider leider um die Altstadt herum führt und nicht durch die schönen Gassen und über den malerischen Marktplatz. Wir gehen also bis zum Residenzschloss Urach. Das Schloss wurde um 1443 auf den Resten einer vorangegangenen Wasserburg aus dem 11. Jahrhundert erbaut und fasziniert aufgrund seines markanten Fachwerkbaus. Gegenüber befindet sich ein Bäckerladen mit Namen Brezelbäck. Wir stürmen den gemütlichen und modernen Laden und bekommen ein fabelhaftes Frühstück: Ich wähle vorsichtshalber ein Fitness-Frühstück. Da ich aber schon Hummeln im Hintern habe, bleiben wir nicht lange. Wir wollen noch unbedingt im Reformhaus am Marktplatz vorbeischauen. Frau Göth, die Inhaberin, hat uns im Vorfeld auf Facebook Unterstützung versprochen. So werden wir jeder mit einer Tube Fußbalsam für unsere lange Tour versorgt: Ganz tolle Geschichte – herzlichen Dank!!!

Bad Urach hieß im Übrigen bis 1983 “nur” Urach. Dann wurde es als Luftkurort mit Thermenbad anerkannt und darf sich fortan Bad Urach nennen. Eine Besiedlung der Gegend um Bad Urach reicht sogar bis in die Spätantike zurück. Auf dem nahen Rundberg hat man konkrete Spuren einer alamannischen Höhensiedlung gefunden. Urach wurde erstmals im 11. Jahrhundert als Urach an der Elsach bei Reutlingen erwähnt. Allerdings um 1225 von den Grafen von Urach neu angelegt – unterhalb der Burg Hohenurach. Herausragend ist der spätmittelalterliche Marktplatz mit Rathaus und die angrenzenden Fachwerkhäuser aus dem 15./16. Jahrhundert. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Warum der Albsteig seine Wanderer hier nicht durchführt ist mir ein Rätsel. Wir verlassen Bad Urach und steigen über das Mauchental hinauf zum Rappenfels. Als wir aus dem Wald heraustreten stehen wir in der morgenlichen Herbstsonne und können gleich unsere Jacken ausziehen. Es ist einfach herrlich warm und wir wandern jetzt auf der Hochebene nach Hülben weiter.

Auf der Hochebene des Rappenfelses geht es in der Herbstsonne weiter nach Hülben. | Albsteig HW1 - Albtrauf

Auf der Hochebene des Rappenfelses geht es in der Herbstsonne weiter nach Hülben.

Das macht so richtig Spaß und ich kann mir gut vorstellen, dass es auch im Frühling herrlich sein muss, wenn die Welt in frischem Grün steht und “neues Leben” erfrischt. Wir erreichen Hülben, einen kleinen Ort, der erstmals 1137 urkundlich erwähnt wurde. Er ist sauber und scheint nicht weiter auffällig. Der Albsteig führt uns an dem markanten Bau der “Alten Schule” vorbei. Erwähnenswert ist dabei, dass Wilhelm Busch hier seine Ferien verbrachte. Seine Mutter stammte aus Hülben. Busch spricht von dem alten Schulhaus, das ihm wie ein altes Schloss erschien. Tatsächlich war es Schule, Lehrerwohnung und Bauernhof in einem. Eine andere Anekdote ist recht amüsant: Es wurde den Hülbenern im Mittelalter ein eher nicht so schicklicher Lebenswandel nachgesagt. Es findet sich nämlich im Stammbuch von Hülben im Jahr 1278 folgender Eintrag: “Ein gar eigenbrötlerisches, zuweilen auch störrisches Bergvolk, das der Trunkenheit und der Weiberei nicht abgeneigt ist.“!

Albtrauf und Albsteig

Wir müssen weiter und verlassen Hülben am nördlichen Ortsausgang, um kurz darauf nach Westen abzubiegen. Hier treffen wir auf ein nettes Ehepaar aus Reutlingen, mit dem wir teilweise immer wieder gemeinsam bis zur Burg Hohenneuffen wandern und quatschen werden. Wir treffen hier auch auf den Flugplatz von Hülben, der dem Verein Fliegergruppe Hülben e.V. untersteht. Aktuell ist hier aber nichts zu los und wir lassen den Flugplatz schnell hinter uns. Der Weg führt uns bald durch den Wald, bald am Waldsaum weiter voran durch die Kernzone des Biosphärengebiet Schwäbische Alb. An einem recht ungewöhnlichen Kunstobjket aus Metall halten wir dann inne: Die Hülbener Brille ist eine überdimensionale und verdrehte Brillenstruktur, die uns den ersten Blick auf die Burg Hohenneuffen ermöglicht. Die Brille stammt aus dem Jahr 2000 und ist von dem ortsansässigen Künstler Karl Schwarz. Sie wurde auf einem ehemaligen Steinbruchgelände direkt am Albtrauf platziert. Der Albtrauf ist schlicht gesagt die nördliche Abbruchkante der Schwäbischen Alb. Die Alb hat eine Ausdehnung von ca. 180 km Länge und bis zu 40 km Breite. Während sie im Süden eher sanft ansteigt, fällt sie an ihrer nordwestlichen Begrenzung in steilen Fels(Schicht)stufen ab: der Albtrauf. Der verläuft von südwest nach nordost. Entlang der mal mehr mal weniger zerklüfteten Abbruchkante des Albtraufs, führt der sogenannte Nordrandweg – der Albseig HW1. Die Landschaft, mal sanft, mal wildromantisch, die markanten Burgen, die die Geologie des Albtraus zu ihrem Vorteil nutzten – wie z.B. Hohenneuffen, Burg Teck und Reußenstein – und die Natur mit ihrem Pflanzen- und Tierreichtum machen den Wanderweg zu einem spannenden Abenteuer ohne Risiko. Und sind wir mal ehrlich: Nordrandweg – das klingt doch schon richtig nach Abenteuer, oder?

So wandern wir entlang der Abbruchkante des Albtraufs und können auch die Felsabbrüche, Gesteinstufen und -falten aus nächster Nähe betrachten. Kurz vor der Burg Hohenneuffen machen wir einen kurzen Abstechter zu einem ehemaligen Vulkanschlot, dem Molach. Auf der Hochebene der Schwäbischen Alb gibt es viele solcher trichterförmigen Mulden wie das Molachermaar, die aus der Tertiärzeit stammen und vor rund 15 Millionen Jahren durch rege Vulkantätigkeit entstanden. Wir bekommen eine buschbestandene große Mulde zu sehen, die zugewachsen und wässrig mitten auf einer Wiesenfläche in der Sonne liegt. Wer würde da einen feuerspeienden Vulkanschlot vermuten? Da die mächtige Burg Hohenneuffen aber in unmittelbarer Nähe auf uns wartet, halte ich es nicht lange an dem ehemaligen Vulkan aus. Wir gehen zügig weiter und treffen auf einen von vielen Startplätzen für Gleitschirmflieger, die sich beinahe am Albtrauf wie Perlen auf einer Kette auffädeln. Der Blick von dem Startplatz über den Ort Neuffen und zur Burg Hohenneuffen ist grandios. An der Burg angekommen, gibt’s erst einmal eine Stärkung: Spätzle und Linsen mit Saitenwürstle – lecker! Das denkt sich auch der Burgherr, seines Zeichens Riesenschnauzer, und legt sich einfach zu uns geduldig unter den Tisch, in der Hoffnung einen Happen abzubekommen. Die Burg Hohenneuffen liegt auf 743 m Höhe und überragt die Orte Neuffen und Beuren. Hohenneuffen war schon im Altertum besiedelt, als eine Art Außenposten der keltischen Heidengraben-Schanze. Erste Bauten einer Burg werden auf das  6. bis 8. Jahrhundert datiert. Die Burg Hohenneuffen selbst wurde um 1110-1120 gegründet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie bis hin zur Festung ausgebaut. Im Jahr 1801 gab man sie für den Abbruch frei. Der Ausblick von der Burg reicht weit ins Land, bis nach Stuttgart. Bei guter Sicht ist der erste Funkturm der Welt, der Stuttgarter Funkturm, gut erkennbar.

Blick vom Brucker Fels über Owen und zur Burg Teck hinüber. | Albsteig HW1 - Albtrauf

Blick vom Brucker Fels über Owen und zur Burg Teck.

Wir lassen die Burg Hohenneuffen hinter uns.  Vom Wilhelmfelsen, ein Aussichtsfels am Albtrauf, schauen wir ein letztes Mal auf die Festung. Jetzt wandern wir auf Erkenbrechtsweiler zu.Nachdem wir die Ortschaft durchschreiten und hinter uns lassen, treffen wir auf Spuren der Kelten. Die halbinselartige Hochebene Erkenbrechtsweiler wurde durch Pfostenschlitzmauern mit vorgelagerten Gräben gesichert – genannt Heidengraben. Bei Erkenbrechtsweiler passieren wir eine Rekonstruktion eines sog. Zangentors einer solchen Keltenschanze. Eine Info-Tafel erklärt die Bauweise dieser keltischen Konstruktionen im Süddeutschen Raum. Im weiteren Verlauf führt uns der Albsteig dann auch durch den eigentlichen Heidengraben hinab. Wir steigen im Wald erneut auf den Albtrauf hinauf. Dieser fällt nach Norden hin in einem steilen Felsabbruch ab – die sog. Bassgeige. Dort ist auch der Brucker Fels. Ein weiterer erwähnenswerter Aussichtsfels auf dem Albtrauf, der uns unser heutiges Tagesziel zeigt: Owen und darüber die Burg Teck. An dem Felssporn des Brucker Fels’ finden sich Reste zweier Steingebäude, die mittelalterlichen Urspungs sein sollen. Naja, Reste wäre zuviel gesagt: Es sind nur noch Bodenunebenheiten sichtbar. Es wird vermutet, dass sie Teil einer mittelalterlichen Wehranlage auf der Bassgeige waren. Genaueres ist allerdings nicht bekannt. Wir unterhalten uns noch mit einem alten Herrn in den 80ern, der den Brucker Fels regelmäßig erklimmt und viel erzählen kann, bevor wir den Abstieg nach Owen antreten. Es wartet noch ein kleines Highlight in Owen auf uns!

Whisky gut, alles gut – in der Schwäbischen Whisky-Hochburg!

Der Abstieg nach Owen führt zuerst entlang der Felswände der Bassgeige steil bergab. Danach wird es flacher und wir laufen kurz vor dem Ort durch einen Apfelhain. Wir lassen die Felswände des Albtraufs hinter uns. Der HW1 führt uns zwar nicht am alten Schloss von Owen vorbei  – es wurde 1332 erbaut und beherbergt seit 1990 eine Musikschule – und auch nicht an den drei Whisky-Destillerien in Owen, aber wir machen den kleinen Umweg gerne. Owen gilt als schwäbische Whisky-Hochburg mit Qualitätswhisky und wir haben uns mit einem der drei Whisky-Brenner verabredet. Immanuel Gruel ist ein junger Whiskybrenner, der mit viel Leidenschaft sein Handwerk betreibt. Das spüren wir spätestens, als wir im Lager mit vielen neuen und alten Fässern stehen. Immanuel hat viel interessantes zu erzählen. Das macht auch richtig Lust auf eine Verkostung und die bekommen wir dann auch. Nach kleinen Kostproben seiner Tecker, wie sein Whiskymarke heißt, bekommen wir leicht rote Bäckchen. Da sind wirklich erlesene Tropfen dabei! Nach knapp zwei Stunden müssen wir uns aber wieder trennen, denn wir haben noch den Teckberg zu erklimmen. Unser Ziel ist die Burg Teck, das Wanderheim.

Sehr feine Tröpfchen: Bei der Verkostung des Tecker Whiskys. | Albsteig HW1 - Albtrauf

Sehr feine Tröpfchen: Bei der Verkostung des Tecker Whiskys.

Draußen ist die Dämmerung schon in vollem Gange und wir bahnen uns den Weg zurück auf den Albsteig und durch Owen hindurch. Immanuel hätte uns auch ein Stück gefahren. Das lässt aber unser Wandererstolz nicht zu. Den werde ich eine halbe Stunde später auch ordentlich verfluchen! Wir steigen über einen alten Wanderweg des Albvereins den Teckberg hinauf. Der Teckberg ist ein langgezogener Bergsporn des Albtraufs. Der Weg versprach uns, dass er kürzer sei. Dummerweise verfransen wir uns bald, da irgendwann die Markierungen fehlen. Und so müssen wir uns einen Steilhang hinauf und durch Dickicht schlagen, bis wir im Dunkel des Abends endlich wieder auf eine Straße treffen. Von dort geht es über einen Parkplatz weiter entlang eines markierten Wanderwegs. Es ist stockdunkel und wir haben immerhin eine Stirnlampe dabei. Eigentlich wäre jetzt ja alles gut: Wir sind auf einem markierten Weg und haben Licht. Aber wir haben gar keinen Bock mehr auf Abenteuer in der Finsternis! Wir haben Hunger und wollen endlich ankommen. Das tun wir auch schließlich und schreiten kurz nach 20 Uhr durch das Burgtor: geschafft – aber halt eine Stunde später als geplant! So beschließen wir den Tag mit Zwiebelkuchen und einem Bier. Vor dem Einschlafen kommt auch noch das Fußbalsam zum Einsatz. Und auch diese Nacht hören wir den Ruf des Käuzchens aus dem Wald unterhalb der Burg.

Bilder zur Tour

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Oben auf dem Auchtert mit Blick zum Breitenstein und dahinter die Burg Teck auf dem Teckberg. | Albsteig - Biosphärengebiet Schwäbische Alb
Über den Albsteig durch das Biosphärengebiet Schwäbische Alb – Albsteig-Etappe 7
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