Bergtour

Auf den Osterfelderkopf

Wir wollten ja bereits zwei Wochen zuvor eine Schneeschuh-Tour machen. Kamen von dem Vorhaben allerdings ab, da im aktuellen Bericht des bayerischen Lawinendienstes von der Stufe 2 die Rede war, mit steigender Tendenz. Wir buchten kurzer Hand eine geführte Schneeschuh-Tour mit Einführung in die Grundlagen der Lawinenkunde.

Zu dritt fahren wir um kurz nach sieben in München los: Karo, Philipp und ich. Laut Navi sollen wir um viertel nach acht in Garmisch ankommen und haben damit noch eine Dreiviertelstunde Zeit, in der ich uns mit Kaffee und einem süßen Teilchen im Café an der Talstation sehe. Der Bergführer der Vivalpin Berg- und Skischule – mit der wir im Vorfeld einen Klasse Kontakt hatten – ist allerdings schon da und wartet auf uns. Wir kommen nämlich zwanzig Minuten nach neun an. Stau am Ende der A95. Um die Zeit? Jepp und zwar dann, wenn Fasching ist und die Winter-Urlauber einfallen. Hatte ich völlig verdrängt.

Die Tour im Überblick

Tourensteckbrief:

  • Charakter: Schneeschuhwanderung (WT2)
  • Anforderungen: Kondition, Grundkenntnisse im Beurteilen der Lawinensituation
  • Start/Ziel: Kreuzeckbahn – Bergstation
  • Distanz: 6 km • Gehzeit: 2,5 h
  • Höhenmeter: 615 m •  615 m
  • Einkehr: Restaurant Alpspitz

Etappen:

  • Gipfel Osterfelderkopf (1:45 h)
  • Kreuzeckbahn Bergstation (2:30 h)
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Auf los geht’s nicht gleich los

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Eindrucksvolle Winterlandschaft

Unser Bergführer verpasst uns die Ausrüstung: Schneeschuhe von Tubbs und Leki Teleskopstöcke. Dann noch die Lawinen Notausrüstung. Wenig später sind wir auch gleich in der nächsten Gondel. Oben angekommen, sammeln wir uns ein wenig abseits des Trubels. Erstmal ein Foto schießen und wie ist das noch mal mit der Schneeschuh-Bindung? Ich krieg den Leki nicht aufgedreht, muss den doch auf 125 stellen.

Dann noch das GPS anstellen. „Sorry, hab’s gleich. Das ist für unseren Blog“, sage ich zu Alex. So heißt unser Bergführer, der mit seinen Bergführungen Bergträume wahr werden lässt. Mit einer Seelenruhe wartet Alex auf uns, schaut uns zu, hilft uns mit ein paar Handgriffen hier und da. Anschließend sind wir doch endlich abmarschbereit. Alex gibt uns noch einen Überblick zur Tour und dann geht es los. Der Schnee knirscht so herrlich unter unseren Füßen und wir haben blauen Himmel und Sonne. Das wird super!

Der innere Schweinehund

Bei Lawinenstufe 4 steigen wir bald in Serpentinen auf. Alex meint, er musste die Tour leider etwas näher an die Pisten legen, da die abgelegene Route heute zu gefährlich sei. Vernünftig! Wir sind sowieso damit beschäftigt, zu stapfen, zu schnaufen und die herrliche Winter-Sonnen-Berglandschaft zu bewundern. Zwischendurch vermittelt uns der Lawinenexperte immer wieder häppchenweise Grundlagen zur Lawinenkunde: Wie ist die aktuelle Beschaffenheit des Schnees, wie beurteile ich die Hangsteigung und das Gelände i.V.m. dem Lawinenbericht und auf was ist zu achten. Mehr zu dem Thema gibt es übrigens hier beim DAV. Wir haben die Hochalm bereits hinter uns gelassen, als es wirklich steiler wird. Den Osterfelderkopf können wir noch nicht sehen, dafür beherrscht die beeindruckende Alpspitze das Panorama.

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Anstieg im Steilgelände

Das ist echt anstrengend. Kann das denn sein, dass ich im Sommer hier hochgehe und damit gut zurecht komme, aber jetzt habe ich das Gefühl, ich bin nicht fit genug dafür? Ja, vielleicht liegt es halt nur am Tiefschnee. Hab auch schon länger keinen Berg mehr erklommen. Das sind so Momente, in denen ich mir denke: Wieso tun sich andere immer so leicht und ich hab das Gefühl, ich bin total unsportlich? Wenn ich jetzt drüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass ich sicher sportlicher werden kann. Auch mache ich diesen immer wiederkehrenden Vergleich mit „anderen“. Der bringt weiter – Ehrgeiz darf sein. Andererseits verliere ich dadurch vielleicht manchmal den Blick auf das, was ich geschafft habe, auf was ich auch mal stolz sein kann. Kennt ihr das?

Auf dem Osterfelderkopf

Alex führt uns hinauf zum Gipfel des Osterfelderkopfes. Obwohl die Sonne scheint, pfeift es uns ziemlich zapfig um die Ohren. Hier ist ein kleiner Hund unterwegs, der seinem Ball nachjagt und dabei in voller Fahrt in den Tiefschnee rauscht, dass eine Schneefontäne aufspritzen und er nicht mehr zu sehen ist, bis er dann doch wieder zu Frauchen zurück rennt. Damit unterhält der Kleine eine Reihe Gipfelbesucher und uns. Bevor es weitergeht, muss ich natürlich noch ein paar Bilder schießen. Sattsehen an einem so schönen Panorama kann man sich irgendwie ja nie.

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Skigebiet unterhalb der Alpspitz

Unser Abstieg beschreibt einen weiten Bogen Richtung Süden, bevor es dann wieder Richtung Hochalm zurück geht. Der Osterfelderkopf ist schnell verschwunden und es geht steil bergab im unberührten Tiefschnee. Unser Guide und Philipp – unser dritter Mann – rauschen regelrecht runter. Karo und ich sind da etwas verhaltener und purzeln dann auch ein paar mal in den Tiefschnee. Das mit dem Tiefschnee-Surfen üben wir dann noch mal. Aber es macht einfach jede Menge Spaß und der Schnee ist einfach perfekt.

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Lawinenkunde Teil 3: Blocktest für den Blog

Kurz vor dem Ziel der Bergstation der Kreuzeckbahn macht Alex für unseren Blog den Blocktest, die sog. systematische Schneedeckendiagnose. Inzwischen ist die Sonne weg und es schneit wieder. Wir erreichen so gegen 15:00 Uhr die Bergstation und haben noch Zeit für eine Demonstration im Umgang mit LVS-Geräten. Danach geht es zurück ins Tal per Gondel. Gegen vier verabschieden wir uns von Alex, der uns eine wirklich tolle Tour ermöglicht hat. Jetzt wollen wir mehr! Den guten Tipp zur Lektüre des Am-Berg Verlags, geben wir auch gerne weiter. Und wer weiß, vielleicht lassen wir uns auch mal von Alexander Baier bei der Verwirklichung eines Bergtraumes helfen?

Alle Bilder zur Tour

Schlagwörter:

Alex ist Münchner, Wahl-Landsberger und bloggt auf Luftschubser.de. Mit Vorliebe beschreibt er seine Touren und deren historische und kulturelle Hintergründe. Bereits seit 2003 schreibt er schon über Burgen - sein Steckenpferd - im Netz und führt das nun in seinem Blog fort. Das Bergsteigen, Wandern, die Natur, die Burgen als steinerne Zeitzeugen und der Austausch - unterwegs - mit anderen Menschen sind nicht nur Hobby, das ist seine Lebenseinstellung.

Website: https://luftschubser.de

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