Gratwanderung auf der Brecherspitze am Schliersee

Südlich des Schliersees ragt das Felsmassiv der Brecherspitze mit seinen 1.683 Metern hervor. Bereits vom Fuße des Berges sehe ich den begrünten Bergkessel, der die Vorfreude auf die bevorstehende Gratwanderung nochmals steigert. Denn auch von unten ist der Anblick des grünen Hexenkessels purer Genuss. Übrigens: Die Brecherspitze gehört zum nördlichen Mangfallgebirge, hat von Waldwegen bis zur Gratwanderung einiges zu bieten und ist daher ein absolutes Muss in den Münchener Hausbergen.

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Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Bergwandern (T2)
  • Anforderung:
    Kondition, Trittsicherheit
  • Start/Ziel:
    Bahnhof Fischhausen-Neuhaus
  • Distanz: 12 km
  • Reine Gehzeit: 5:00 h
  • Höhenmeter:  890 m • ↓ 890 m
  • Einkehr/Übernachtung: Anklalm

Etappen & Gehzeiten

  • Anklalm (0:00 h)
  • Gipfel Brecherspitze (0:00 h)
  • Freudenreichkapelle (0:00 h)
  • Anklalm (0:00 h)
  • Bahnhof (0:00 h)

Gipfelsturm auf die Brecherspitze

Die erste Etappe führt uns im Morgengrauen durch dicht bewachsenen Wald und ist dank mäßigem Anstieg ganz gut als Aufwärmprogramm geeignet. Charakteristisch für dieses Wegstück war – nunja, wie formuliere ich das jetzt möglichst ohne Umschweife – die Wegpflasterung. Von Fliegen erobert ruhen hier unzählige Kuhfladen und die lästigen Fluginsekten summen uns ständig um die Nase beim Passieren der Fladen – den ganzen Weg bis zur Ankelalm. Die beste Technik, um die Fliegen zu verscheuen ist übrigens in regelmäßigen Abständen Kies möglichst frühzeitig nach vorn zu werfen. (Anmerkung der Autorin: Alex wollte euch diesen Fliegen-Part nicht verheimlichen, ich eigentlich schon.)

Mir persönlich gefallen ja insbesondere Wegpassagen mit Aussicht. Als sich nach einem guten Drittel der Strecke dann endlich der grasgrüne Kessel vor uns öffnet, komme ich voll auf meine Kosten. Die am Vormittag noch nicht von Berg-Touris bevölkerte Ankelalm begrüßt uns am Eingang des Kessels mit samt den Kühen, die auf der saftigen Wiese in Seelenruhe grasen und sich durch uns nicht stören lassen. Die bevorstehende Gratwanderung bietet zwei absolute Highlights: zum einen natürlich der Gipfel der Brecherspitze auf 1.683 m und auf der gegenüberliegenden Seite die Freudenreichkapelle.

Wir sind dem Aufstieg hinter der Ankelalm linker Hand gefolgt, aus meiner Sicht eine sehr gute Wahl. Der Weg rechter Hand hat zwar den Vorteil, dass man gegen den Strom läuft und somit kaum Follower haben dürfte. Allerdings ist der Anstieg um einiges unbequemer und bietet sich aufgrund seiner steilen Ausrichtung dann doch eher als felsiger Abstieg an. Wir begeben uns also auf den steinigen Aufstieg rechts hinter der Alm und machen kurz vor dem Gipfel eine kurze Powerbar-Pause. Die Aussicht auf den Schliersee und den mittlerweile unterhalb liegenden Alm-Kessel ist phänomenal. Da die Plätze auf dem Gipfel der Brecherspitze knapp zu werden scheinen, überlegen wir uns dann doch recht schnell weiter zu gehen, über den steinigen Steig, der mir Zweifel an meiner Schuhauswahl aufkommen lässt. Ein leichter Trekking-Schuh, der meine Füße kleidet, ist schon fast zuwenig. Aber es geht dann doch, solange die Felsen, die von Latschenkiefern gesäumt sind, trocken sind, ist alles gut.

 

Brecherspitze am Schliersee: Blick in den sog. Hexenkessel und auf den Schliersee mit seiner Insel.

Brecherspitze am Schliersee: Blick in den sog. Hexenkessel und auf den Schliersee mit seiner Insel.

Gut besuchter Gipfel über dem Schliersee

Ich habe nichts gegen Menschenansammlungen. Wer aber seine Gipfelruhe genießen will, ist hier definitiv fehl am Platze! Rüstige, redefreudige Rentner, eine Familie, wir tauften sie liebevoll “Signalkäfer”, da sie den Neon-Trend offenbar für sich entdeckt haben und zwei Freundinnen lassen uns allesamt lautstark an ihren Aufstiegserfahrungen teilhaben. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch noch ganz amüsant, aber nach einer kurzen Weile entschließen wir uns dazu, die Gratwanderung fortzusetzen, noch bevor es die anderen tun. Kleiner Tipp am Rande: Wer ein etwas ruhigeres Gipfelerlebnis haben möchte, sollte früher als sieben losmarschieren. Als wird den ersten Abschnitt des Grats hinter uns gelassen haben, blicken wir nochmals zurück, um uns zu vergewissern, dass die anderen sich noch auf dem Gipfel an ihrer Brotzeit laben. Irgendwie hat die Brecherspitze etwas von einem Ameisenhügel – spitz geformt und mit jeder Menge Gewusel. Auf dem Gipfel geht es inzwischen ordentlich zu. Und es ist war: Neonfarbene Kleidung leuchtet weit. Sehr weit. Was in den Bergen aus Sicherheitsgründen durchaus zu empfehlen ist!

An der Freundenreichkapelle machen wir nochmal eine Panoramapause und blicken bis zum Tegernsee rüber. Hier ist es relativ ruhig. Viele Wanderer biegen wohl vorher ab, um zur Firstalm zu gehen. Die Kapelle ist eine kleines Holzhäuschen mit aufgesetztem Türmchen. Dass über den Grat oft mal ordentliche Windböen streichen, zeigt uns die Verankerung der Kapelle mit Stahlseilen im Boden. Das Innenleben ist wirklich süß. Und man wird durchaus spürbar darauf hingewiesen wenn man nicht Acht gibt, dass es eben eine winzige Kapelle ist: eng und niedrig. Danach geht es für uns über einen schmalen, steilen und felsigen Steig zurück in den Kessel. Die Teleskopstöcke liefern uns dabei wirklich gute Dienste. Trittsicher sollte man auf diesem Abschnitt schon sein.

Den Abschluss macht die Ankelalm

Zum Abschluss jeder guten Tour gehört natürlich auch die Einkehr in eine schöne, romantische Alm. Die Attribute treffen tatsächlich auf die Ankelalm zu, da sie sehr klein und bei unserer Ankunft nicht zu überlaufen ist. Die Sitzbänke sind rustikal aus Holz und bisweilen unbequem. Zwischen unseren Füße steckt ein freilaufende Hahn sein Revier ab, der Käsekuchen ist noch selbstgemacht und nicht aus dem Gefrierfach. Die frische Landluft riecht nach frisch gemähtem Heu und Kühen, die dieses Heu lieben. Es fällt uns wirklich schwer den restlichen Abstieg anzutreten: Hier ist alles so, wie es sein sollte: reine Bergidylle.

Bilder zur Tour

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Benediktenwand: Kleiner Felsdurchlass vor den Achselköpfen.
Vom Brauneck zur Benediktenwand – Gipfeltour mit Hindernissen
Monte Roén: Der Gipfel des Monte Roén mit Metallkreuz.
Vom Mendelpass zum Monte Roén

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