Bergtour

Dreigipfeltour Brunnenkopf, Klammspitze und Feigenkopf

Das König Ludwig II. ein hoffnungslos romantischer Alpinist war, ist glaub ich bekannt? Egal, denn eines ist sicher: Er hatte atemberaubende Berge und Pfade direkt vor seiner Haustür in den Ammergauer Alpen. Die von uns erprobte Drei-Gipfel-Tour startet direkt am Wanderparkplatz am Schloss Linderhof. Die Klammspitze gibt es dabei gleich im Doppelpack: Die kleine Klammspitze ist mit 1.882 m, quasi der kleine Bruder der großen Klammspitze, die 1.924 m in die Höhe ragt und einige Überraschungen auf dem Weg bereit hält.

Die Tour im Überblick

Tourensteckbrief:

  • Charakter: Anspruchsvolles Bergwandern (T3)
  • Anforderungen: Gute Kondition, Orientierung, Trittsicherheit, Alpine Erfahrung
  • Start/Ziel: Wanderparkplatz Schloss Linderhof
  • Distanz: 19 km • Gehzeit: 6,5 h
  • Höhenmeter: 1.250 m • 1.250 m
  • Einkehr: Brunnenkopfhäuser od. Schloss Linderhof

Etappen:

  • Brunnenkopfhäuser
  • Gipfel Brunnenkopf
  • Gipfel Klammspitze
  • Gipfel Feigenkopf
  • Bäckenalmsattel
  • Schloss Linderhof
Download

Die Klammspitze ist nicht genug

Klammspitze-Brunnenkopf-Ammergauer-Alpen-15

Der Gipfel des Brunnenkopfs

Warum nur einen Gipfel, wenn wir bei einer Rundtour gleich drei mitnehmen können? Dachten wir uns noch bevor wir den Wetterbericht für die Ammergauer Alpen abrufen. 30 Grad purer Sonnenschein sind angesagt. Aus besagtem Anlass fahren wir pünktlich um 6:00 Uhr in der Früh mit dem Auto Richtung Garmisch. Vorteil dieser Uhrzeit ist, dass die Autobahn außnahmsweise frei ist. Doch wer tatsächlich denkt, dass wir allein Richtung Gipfel unterwegs sind, der täuscht sich. Am Wanderparkplatz tummeln sich schon einige Bergsportler. Wir gehen bereits eine Weile den ersten steilen Anstieg durch den Wald und das erstes Mal außer Atem sein haben wir überstanden, da überholte uns ein junger Vater schnellen Schrittes – sein Kind auf dem Rücken. Sportlich, sportlich! Er trifft sich mit seiner Frau oben am Brunnenkopfhütte zum Frühstück. Kurze Zeit später überholt uns eine junge Frau in knappen Pants: Auch sehr sportlich. Ihre Mutter geht dafür gemütlich ein Stück hinter uns den Berg hinauf. Beide treffen sich am Brunnenkopfhütte.Nachdem wir dann die Brunnenkopfhütte auch erreichen, kurz die Aussicht genießen, erklimmen wir gleich unseren ersten Gipfel, den Brunnenkopf.

Zum Glück sind wir die ersten, denn viel Platz bietet der Gipfel nämlich nicht. Von dort aus können wir das nächste Tagesziel bereits sehen – die Klammspitze sticht mit ihrer schroffen Felswand majestätisch hervor. Kurz bevor wir unseren Weg fortsetzen, gesellen sich noch die eine Gruppe junger Leute zu uns auf den Gipfel. Nach einem kurzen Plausch mit uns, grübeln sie, ob sie nicht auch weiter zur Klammspitze wandern sollten. Entscheiden sich dann aber dagegen, weil sie zu wenig Wasser dabei haben. Der Pfad zur Klammspitze führt uns über grüne Hangwiesen bis hin zum felsigen Fuss der Wand. Jetzt merken wirganz deutlich: Wir sind in der Mittagshitze unterwegs und sollten noch mal Sonnencreme nachlegen. Der sportliche Vater von heute morgen kommt uns übrigens bereits hier entgegen. Was soll man dazu sagen? Fast unheimlich, ist der die ganze Strecke geflogen? Nicht irritieren lassen, den Gipfel fest im Blick, setzen wir unseren Weg unbeirrt fort.

Kraxelei zum Feigenkopf

Klammspitze-Brunnenkopf-Ammergauer-Alpen-4

Chillen auf dem Feigenkopf

Wir sind an der Wand vorbei zu einem seitlichen Absatz hochgestiegen. Von hier geht es  auf der anderen Seite der Wand Richtung Gipfel. Auf dem kleinen Plateau treffen wir auf zwei Männer. Die beiden älteren Herren, plappern auch gleich fröhlich mit uns über unsere Herkunft, während sie genüsslich ihre Müsli-Riegel verspeisen. Naja, wer im Hochsommer langärmelig und mit Strohhut auf den Bergen unterwegs ist, der hat das schon öfters gemacht und geht’s gemütlich an. So nah und doch so fern . Ihr kennt das sicher? Wenn man denkt, das Ziel, in diesem Fall der Gipfel, ist zum Greifen nah, dann erlebt man meist noch eine Überraschung. Mental bin ich gar nicht darauf vorbereitet, dass hinter der nächsten Kurve zum Gipfel einige steile Kletterstellen auf uns warten. Es gab zwar gute Tritte und Griffe, aber für einen „Normalo-Bergwandersmann bzw. -frau“ wie mich, ist das eine Herausforderung.

Rechts sehen wir auch noch Teile des einstigen Pfades. Hier bricht wohl der Fels immer wieder ab. Wir klettern also über Felsabsätze dem Gipfel entgegen. Die beiden Herren von eben lassen uns den Vortritt, obwohl sie vermutlich schneller sein könnten als ich. Rüstige Rentner eben. Alex steht schon weiter oben und grinst. Scheint ihm ja mächtig Spaß zu machen, denk ich mir und dann geht’s los: Immer schön einen Tritt nach dem nächsten suchen, schön festhalten und nicht nach unten schauen. Dann noch das letzte Stück mit leichtem Überhang und schon ist man oben. Ist doch ganz einfach. Als ich von oben zurückschaue, wird mir dann doch ein bisserl mulmig. Aber bevor ich länger über das geschaffte Stück sinnieren kann, muss ich den Weg für die rüstigen Herren räumen, die quasi hochfliegen. Auf dem Gipfel gibts die erste Brotzeit und einen sagenhaften Blick ins Allgäu und zum Forgensee rüber. Hinter uns ist so eine Quasseltante damit beschäftigt nochmal Lippenstift nachzulegen, ihren Begleitern schön laut die Story vom toten Hund zu erzählen und gleichzeitig mit dem Handy zu telefonieren. Kosmetik-Studio oder wo sind wir hier hin gekommen.

Der Spitzbube

Auch nach dem Gipfel geht es teils auf einem Grat mit leicht ausgesetzten Stellen, teils an steilen Felswänden weiter. Auch hier heißt es: Konzentration, bloß nicht stolpern oder abrutschen. Sehr abenteuerliche Tour. Wir wandern an einem langen Grat entlang, mal rauf mal runter und immer wieder mit ein bisserl Kraxelei. Ein wirklich spitzbübischer kleiner Mann kreuzt unseren Weg. Alex kann mal wieder nicht an sich halten, also haben wir eine kurze Small-Talk Pause bevor es weiter geht. Das pfiffige Kerlchen – ein Rentner auf Reha im übrigen – treffen wir später wieder. Wir steigen die letzten steilen Meter auf den Feigenkopf hoch und suchen vergeblich ein Gipfelkreuz. Weiter rechts im Gras versteckt ist eine Art Messstein eingelassen. Das ist also der Gipfel denk ich mir und dreh mich zu Alex um. Der liegt allerdings schon der Länge nach im Gras, den Kopf auf dem Rucksack und das Basecap ins Gesicht gezogen. Ich hab jedenfalls Hunger und kram die Tomaten aus dem Rucksack raus. Kurze Zeit später kommt der Rentner in Reha zurück, mit einer wirklich jüngeren Frau im Schlepptau. Pfiffig, wirklich pfiffig. Da muss ich echt in mich hineinschmunzeln. Wir plaudern alles zusammen noch eine Weile und machen uns dann wieder auf den Weg.

Abkühlung

Erwähnte ich die gefühlten und sicher auch gemessenen 30 Grad im Schatten? Wir verlassen den Feigenkopf und steigen ab zum Bäckenalmsattel. Der lange lange Weg zurück zum Parkplatz hat begonnen. Die Sonne brennt und die Füße qualmen bereits gewaltig und wir treffen  auf die Forststraße im Sägertal. Da war die Freude natürlich groß, als wir dann an einem klaren Gebirgsbach vorbeikommen. Wir nutzen die Gunst der Stunde, um unsere dampfenden Füße ins kühle Nass zu halte. Wow, ist das kalt – aber so unendlich erfrischend. Wir können  uns kaum losreißen, denn die untergehende Sonne macht unser halbschattiges Plätzchen zu einem romantischen Ort, den im Moment nur wir beide genießen. Die zweite Abkühlung gabs dann im Restaurant des Schlosses bei Apfelschorle und Weißbier und etwas zu beißen, nachdem wir unseren Kram zuvor im Auto verstaut hatten. Das hatten wir uns echt verdient!

Alle Bilder zur Tour

Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.