Der Spitzstein in den Chiemgauer Alpen

Einen einsamen und ruhigen Spitzstein gibt es quasi nicht. Der Spitzstein – 1.594 m – in den Chiemgauer Alpen zählt zu den beliebtesten Klassikern in der Region. Sommer wie Winter erklimmen ihn Gipfelstürmer und Pulverschneejunkies. Wenn ihr den Spitzstein gerne in Ruhe besteigen wollt, dann ist eine Tour unter der Woche oder im späten Winter genau das Richtige: Gipfelbrotzeit eingepacken und ab auf die A 8 Richtung Salzburg. Nach der Abfahrt Frasdorf passiert ihr die Burg Hohenaschau und kommt danach bald in Sachrang an: Auf geht’s!

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Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Bergwandern (T2)
  • Anforderung:
    Kondition, Trittsicherheit
  • Start/Ziel:
    Parkplatz an der Kirche in Sachrang
  • Distanz: 10 km
  • Reine Gehzeit: 4:00 h
  • Höhenmeter: ↑ 920 m • ↓ 920 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Spitzsteinhaus, Altkaseralm

Etappen & Gehzeiten

  • Spitzsteinhaus (1:30 h)
  • Gipfel Spitzstein (2:30 h)
  • Altkaseralm (3:00 h)
  • Mesneralm (3:30 h)
  • Wanderparkplatz(4:00 h)

Brennende Schienbeine und blumige Aussichten

Meine heutige Tour in den Chiemgauer Alpen starte ich an der St. Michael Kirche in Sachrang. Dort gibt es ein paar Stellplätze. Unter der Woche ist die Gefahr klein, dass ich den Parkplatz während einer kirchlichen Veranstaltung blockiere. Mein Weg führt mich durch den Ort und schließlich hinauf nach Mitterleiten. Unterwegs habe ich so meine Probleme: Meine Schienbeine brennen höllisch. Vielleicht war ich einfach zu schnell am Anfang? Es wird Schienbeinkantensyndrom genannt. Ein Symptom, dass infolge hoher Beanspruchung der Muskulatur während des Sports auftritt. Hmmm naja, ich geh eigentlich ganz normal. Die Medizin sagt, dass es dafür verschiedene Ursachen geben kann: Gewichtszunahme, Probleme mit dem Schuhwerk, Untrainiertheit oder entzündete Muskulatur. Aha, naja also ich hab vielleicht ein zwei Kilo zugelegt … Aber ich habe auch schon einige Touren in 2014 auf dem Konto. Das kann doch nicht sein?! Ich werde ich einfach die Schuhe neu binden. Vielleicht hilft das? Auf die Idee komme ich  aber erst auf einer Anhöhe hinter Mitterleiten. Eine der zwei Damen, die gerade an mir vorübergehen meint, ich würde Blümchen fotografieren. Der zweite Schuh ist aber schon gebunden und ich gehen nun mit den Damen, die auf dem Weg zur Stoanaalm sind, ein Stück mit. Sie schwärmen mir vom Topfenstrudl vor, der sie erwartet und wir unterhalten uns angeregt über kulinarische Feinheiten im Urlaub. Ich glaube, ich werde Food-Blogger.

Bei all der Plauderei merke ich erst gar nicht, wie sich mein Schienbeinkantensyndrom zu langweilen beginnt und verschwindet. Super, jetzt kann es also unbeschwert auf den Spitzstein gehen. Ich bedanke mich bei den Ladies, dass sie mich ein Stück mitgenommen haben und biege dann Richtung Spitzstein ab. Es geht am Waldrand entlang, schnurstracks gerade aus und steil bergauf. Die Steinmoosalm liegt auf 1.150 m und unweit des ersten Grenzssteins, den ich entdecke. Die Tour verläuft jetzt quasi auf der Grenzlinie zu Österreich. Ein Stück später treffe ich auf eine einzelne Dame – ich glaube heute ist Ladies-Day – die sehr flink den Berg hinauf steigt. Mit ihr unterhalte ich mich dann auch prompt. Über Blumen. Sie weist mich auf die Krokusblüte am Heuberg hin und auf ein paar andere Gipfel mit besonderer Blumenpracht. Ich kann ihr nur den Tipp zu einen Gipfel geben, an dessen Hang man im Sommer jede Menge Edelweiß finden kann: Die Schochenspitze in den Tannheimer Bergen. Dann geht sie weiter und ist mir bald weit voraus. Ich trotte weiter. I woas a ned: Heid lafft’s oafoch ned so. Wie war das mit untrainiert und Kantensyndrom? Egal, ich werde den Spitzstein erklimmen, das steht fest! Und damit passiere ich das Spitzsteinhaus und lass auch die Altkaseralm hinter mir. Stapfe weiter, den immer gleichmäßig steilen Pfad hinauf. Solange bis ich mir einen Müsliriegel lang Pause gönne. Der Blick in die Nachbarschaft der Chiemgauer Alpen, ins Kaisergebirge und in die Zillertaler und Stubaier Alpen ist von hier schon mal spitze.

Im Aufstieg zum Spitzsteinhaus geht es an einer Privathütte vorbei. | Spitzstein - Chiemgauer Alpen

Im Aufstieg zum Spitzsteinhaus geht es an einer Privathütte vorbei.

Auf dem Spitzstein in den Chiemgauer Alpen

Über die Südseite gehe ich weiter auf den Gipfel des Spitzstein zu. Der Weg wird steiniger, ich quere den Hang und er schmelzende Schnee macht alles ein wenig matschig. Weiter oben, im Schutz des Waldes liegt noch wesesntlich mehr von dem prächtigen Weiß. Inzwischen nutze ich meine Teleskopstöcke, damit ich beim Anstieg durch den Schnee genug Halt habe. Das funktioniert prima und nach kurzer Zeit sehe ich das Gipfelkreuz zum ersten mal. Fünf Minuten später bin ich am Gipfel des Spitzsteins angelangt. Gleich ans Gipfelkreuz und abgeklatscht. Das mache ich immer so, sonst war ich nicht oben. Danach kommt der Rundumblick: Gipfelpanorama. Und das ist heute hammermäßig! Die Lofersteinberge im Osten, vis a vis Zahmer und Wilder Kaiser, unter mir das Inntal.Dahinter Die Zillertaler und Stubaier Alpen. Im Westen – zwar diesig, aber nicht weniger stimmungsvoll – der Blick zum Mangfallgebirge mit dem Wendelstein. In der Unmittelbaren Umgebung: Westlich das Kranzhorn und der Heuberg, auf der anderen Seite die Chiemgauer Alpen mit Feichteck, Karkopf und dahinter der Hochries. Sie liegen da wie aufgefädelt. Gegenüber der Geigelstein, weiter hinten die Kampenwand. Direkt neben mir: Eine Gruppe Studenten aus Rosenheim am Gipfelkreuz und dahinter die Kapelle auf dem Spitzstein. Von den Studenten erfahre ich, dass es in München – Schwabing – einen Laden gibt, der quasi die Weißwurst-ToGo anbietet: Ein Laugenstangerl, in die eine Weißwurst gepackt wird. Einer der Jungs tauft sie schlicht Whitedog. Tatsächlich nennt sich das Ganze BavariaDog. Ich hab es noch nicht probiert. Die beste Weißwurst überhaupt in München, bekommt man eh in der Gaststätte Großmarkthalle.

Nachdem die Studenten sich verabschiedet haben, bleibe ich noch eine ganze Weile auf dem Spitzstein. Mit mir sind nur noch zwei andere Bergwanderer hier oben und tanken ordentlich Sonne und Panorama. Aber irgendwann ist es gut. Will ja im Hellen noch runterkommen. Allerdings gönne ich mir auf der Altkaseralm eine Apfelschorle und die Gipfelhalbe. Das tut so gut, ich könnte noch ewig in der Sonne sitzen. Mein Weg führt mich aber weiter. Nicht wieder am Spitzsteinhaus vorbei, sondern ich will über die Mesneralm nach Sachrang zurück. Auf diesem Weg bin ich heute völlig alleine. Nach einem großen Schneefeld geht es in den Wald. Dort ist es echt ein wenig düster und irgendwie auch zu still. An den Bäumen überall übertrieben bunte Markierungen. Soll das der Wanderweg sein oder ist das ein Irrweg. Bisserl gespenstisch ist es ja schon. Kennt ihr den Film Wrong Turn? Was wenn mich der Weg zu so eine verfallene Hütte führt? Zu den mordlüsternen Hinterwäldlern? Wer sagt, dass das immer nur in Amerika passiert? Kann ja auch in den Chiemgauer Alpen sein? Ich pirsch mich gespannt durch den Wald und erwarte nach jeder Biegung so ein skuriles Hexenhäuschen. Aber da kommt keins. Im Gegenteil, ich trete aus dem Wald auf eine Lichtung und da steht die Mesneralm: Puh, zum Glück! Hier bin ichrichtig. Und Fantasie ist halt alles.

Gipfelblick übers Inntal und zum Mangfallgebirge. | Spitzstein - Chiemgauer Alpen

Gipfelblick übers Inntal und zum Mangfallgebirge.

Mein Fazit

Von der Mesneralm ist es nicht mehr weit. Ich flitze quasi bergab durch den Wald. Wieder eine Lichtung und dann wieder durch den Wald. Flitzen macht schon jede Menge Spaß, wenn mir die Wurzeln keine Beine stellen. Die Sonne steht schon tief, als ich aus dem Wald hinaus ins Freie trete. Die letzten paar hundert Meter gehe ich über eine kleine Teerstraße nach Sachrang zurück und sehe schon von weitem die Kirche. Clever: Jetzt finde ich mein Auto sofort. Ja, das war er. Ein Klassiker in den Chiemgauer Alpen: der Spitzstein. Wirklich, auch wenn es heute nicht so rund lief, die Tour war einfach toll. Ich steh total auf diese Mischung aus kleinen Steigen, steinigen Anstiegen und scheinbar verwunschenen Waldpfaden. Hatte ich das Auerhuhn erwähnt, das mir vor die Nase geflogen kam? Hatte sich vor mir erschreckt. Aber es ist schön zu sehen, dass Auerhahn und -huhn in den Chiemgauer Alpen wieder heimisch werden. Der Spitzstein mag ja recht steil im Anstieg sein, dafür belohnt er auch wirklich mit seinem spannenden und bequemen Gipfel. Der bietet nicht nur Platz zu ruhen, sondern auch einer wirklich schöne Gipfelsicht rundherum und auch in das Inntal. Im Sommer werde ich bestimmt noch mal auf den Spitzstein gehen – mal ohne Schnee und mehr Flora und Fauna. Die Chiemgauer Alpen sind halt einfach eine Perle in den Alpen.

Bilder zur Tour

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