Von Friedenfels nach Falkenberg – Goldsteig Etappe 2

Werbehinweis: Dieser Beitrag zu Falkenberg wurde vom Tourismusverband Ostbayern e.V. unterstützt. Die Beitragsinhalte sind davon nicht beeinflusst.

Die Etappe 2 auf dem Goldsteig beginnt in Friedenfels an der Schlossbrauerei und führt bis nach Falkenberg. Zunächst geht es zum idyllischen Teich an der Haferdeckmühle. Dann weiter auf dem Qualitätswanderweg nach Muckenthal und danach in die historische Kornthaner Teichlandschaft in der Tirschenreuther Teichpfanne. Mein Tipp für diese idyllische und weitläufige Weiherlandschaft: Nehmt Mückenspray mit! Nachdem der letzte Weiher umrundet ist, geht es auch gleich unter der A93 hindurch, nach Seidlersreuth. Von dort ist es nicht mehr weit nach Falkenberg, dem Etappenziel. Dort warten gute Küche, echter Zoigl und ein wunderschönes oberpfälzer Dorf, mit imposanter Burganlage, auf uns. Der Weg durch die Teichlandschaft nimmt ca. die Hälfte der Etappe in Anspruch. Unterwegs gibt es kaum eine Einkehrmöglichkeit. Dafür ist am Ende der Teichlandschaft der ein oder andere Badeteich dabei. Also: Badehose einpacken. Bestimmt ein krönender Abschluß ist eine Burgführung in Burg Falkenberg.

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Tourensteckbrief

Etappen & Gehzeiten

  • Muckental (1:00 h)
  • Beginn Kornthaner Teichlandschaft (1:30 h)
  • Ende Kornthaner Teichlandschaft (3:45 h)
  • Wanderschuh-Totem Seidlersreuth (4:00 h)
  • Burg Falkenberg (4:30 h)

Sehenswürdigkeiten

Schlossbrauerei Friedenfels • Kornthaner Teichlandschaft • Burg Falkenberg

Der Habichtskauz im Steinwald

Blauer Karpfen Friedenfels. | Goldsteig Falkenberg Etappe 2

Der Blaue Karpfen in Friedenfels: Dahinter weht die Goldsteig-Fahne.

Nach einem gemütlichen Abend auf der Terrasse und nach einer erholsamen Nacht im Hotel der Schlossschänke Friedenfels, geht es zurück auf den Goldsteig! Auf der zweiten Etappe des Goldsteigs wird uns heute Torben vom Wandervideoblog begleiten. Der war so früh schon recht fleißig und hat sein Bike am Etappenziel in Falkenberg abgestellt. Ist dann nach Friedenfels gefahren und trifft genau jetzt auf uns. Sein Plan: Hike and Bike. So kommt er am Ende von Falkenberg zurück zu seinem Auto.

Und wir sind auch schon unterwegs, werfen einen Blick auf die Schlossbrauerei und einen zweiten über den Schlosspark zum Schloss Friedenfels. Hans V. Notthafft von Weißenstein ließ um 1550 ein erstes Schloss Friedenfels errichten. Das Erscheinungsbild des heutigen Schlosses stammt aus der Zeit um 1800.

Wir lassen Friedenfels und den nahen Steinwald hinter uns und wandern am Blauen Karpfen vorbei und weiter über den Nothafftweg Richtung Osten. Ich freu mich indes schon sehr auf die Burg Falkenberg, die sehr bemerkenswertes bieten soll. Der Steinwald: Im Sommer 2017 wurden hier Habichtskauze ausgewildert. Der Habichtskauz ist ein Eulenvogel mit einem markanten Gesichtsschleier und sehr kontrastreichem Gefieder. Männchen können bis zu 60 Zentimeter groß und bis zu einem Kilogramm schwer werden. Seine Flügelspannweite kann bis zu 125 cm betragen. Wow!

Den wahrscheinlich letzten freilebenden Habichtskauz dieser Gegend, hatte man im Böhmerwald gesehen. Das war 1926, als man ihn über den Haufen geschossen hatte. Danach konnte man lange von einer relativ Habichtskauz freien Zone Europa sprechen. Eine kleine Habichtskauzpopulation in Deutschland ist heute bisher nur im Bayrischen Wald bekannt. Im Steinwald hat man nun sogar drei neue Auswilderungsvoliere errichtet, um das Projekt des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. (VLAB) zur Auswilderung des Habichtkauzes weiter auszubauen. Mehr zu diesem Projekt und wie Du vielleicht Habichtskauzpate werden kannst, erfährst Du auf der Projektseite des VLAB.

Im Land der 1.000 Teiche

Nach gut 1,5 Kilometern erreichen wir den Weiher an der Haferdeckmühle. Am Westufer ragt ein bemerkenswerter Granitfels in den Haferdeckweiher hinein. Ein schöner Aussichtspunkt. Am Südufer des Weihers lassen wir uns auf einer Bank nieder und genießen das Weiheridyll. Ein kleiner Vorgeschmackt auf die Teichlandschaft, die uns noch erwartet. Wieder unterwegs, führt uns der Weg in einem weiten Bogen um den Leinberg herum und direkt auf Muckenthal zu. Auf einer schmalen Teerstraße geht es nun über offenes Gelände, das teilweise als Agrarfläche genutzt wird. Ein typisch landwirtschaftliches Bild bietet sich uns. Zumindest, bis wir in den nächsten Wald eintauchen und damit auch in die Kornthaner Teichlandschaft. Kurz vor Falkenberg wird dieses Landschaftsbild wiederkehren. Dazwischen gibt es dann nur noch Teiche und Weiher.

Der Landkreis Tirschenreuth kann mit Recht das Land der 1.000 Teiche genannt werden. Die Teichlandschaft geht auf das Kloster Waldsassen zurück: Während es hier bereits im Mittelalter – seit dem 12. Jahrhundert – ca. 10.000 Teiche gegeben haben soll, in denen Fischzucht betrieben wurde, legte man ab 1800 viele dieser Teiche trocken, da der Preis für Fisch verfiel. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging man wieder dazu über, die Fischzucht erneut zu intensivieren. Heute zählt der Landkreis Tirschenreuth ca. 4.700 Teiche. Auf einer Fläche von rund 2.500 ha wird zu 95% Karpfen gezüchtet. Der Rest wird der Forellenzucht zugeschrieben. Die Kornthaner Teichlandschaft zählt heute zu den bedeutendsten und schönsten Biotopen.

Goldsteig-Wanderwege-Deutschland-Bayern-Panorama

Idyllischer Wegverlauf durch die Teichlandschaft: Hier der Goldsteig am Burkhardsteich.

Das sieht und spürt man auch, wenn man den Goldsteig entlang, durch diese wundervolle und lebendige Landschaft wandert. Sogar Schwarzstorch und Eisvogel fühlen sich hier in dieser ausgedehnten Wasserlandschaft heimisch. Wir sehen allerdings keinen von beiden. Dafür einige Schwanenfamilien, die ganz geruhsam ihre Bahnen über die Weiher ziehen. Das färbt ab und wir legen automatisch einen gemütlicheren Schritt an den Tag. Nehmen dabei einfach mehr von unserer Umgebung wahr. Der Goldsteig schlängelt sich über die Teichdämme und am Waldsaum entlang. Friedvolles und erholsames Wandern, das scheinbar nie aufhören soll. Wir merken allmählich, wie unglaublich weitläufig diese Teichlandschaft tatsächlich ist.

Burg Falkenberg und die Falkenberger

Der Abschnitt durch die Kornthaner Teichlandschaft nimmt gut die Hälfte der heutigen Etappe des Goldsteigs in Anspruch. Während wir die erste Hälfte auf offenem Gelände, zwischen den Weihern wandern, führt uns die zweite Hälfte überwiegend durch bewaldetes Gebiet und entlang der Teiche. Grade hier: Nehmt Mückenschutz mit! Wir verlasse die Teichlandschaft durch den ein oder anderen Mückenschwarm. Als wir schließlich dem Goldsteig unter der Autobahn A 93 hindurch folgen, haben wir die Teichlandschaft endgültig hinter uns gelassen und halten auf Seidlersreuth zu. Falkenberg und die Burg Falkenberg sind nun nur noch ein kurzes Stück entfernt. Links und rechts von uns wächst der Rapps. Wie wundervoll gelb das im Frühjahr zur Rappsblüte leuchten muss? Wir können inszwischen die Dächer von Seidlersreuth erkennen. Ein idyllisches kleines Dorf, das wir über den Goldsteig an einem Künstlerhaus verlassen. Allerlei Skulpturen und Arrangements stehen und liegen hier herum.

Burg Falkenberg Westseite. | Goldsteig Falkenberg Etappe 2

Impossant thront Burg Falkenberg auf einer Granitfelsformation. Unterhalb führt ein Aufzug durch den Felsschacht hinauf auf die Burgebene.

Kaum haben wir Seidlersreuth verlassen, sticht mir schon der Burgturm von Burg Falkenberg ins Auge! Ich bekomme einen regelrechten Adrenalinschub. Wir müssen nur noch die letzten 2,5 Kilometer bis zur Marktgemeinde Falkenberg runterreißen, bis ich diesem Musterbeispiel einer Burg endlich nahe kommen kann. Der Goldsteig leitet uns von Norden nach Falkenberg hinein. Durch ein Wohngebiet und schließlich durch enge Gässchen, direkt zur Waldnaab hin. Der Ausblick auf die Burg Falkenberg ist vom Ufer des kleinen Flusses absolut fabelhaft! Die Burg thront regelrecht hoch über dem gut 950 Seelendorf Markt Falkenberg. Und zwar auf einem der bemerkenswertesten Geotope Bayerns: Eine rund 320 Millionen Jahre alte Granitfelsformation mit der hier typischen Wollsackverwitterung, wie man sie besonders oft und gut im nahen Fichtelgebirge findet. Die Burg stammt aus dem 12. Jahrhundert. Belegt ist zumindest die Erwähnung eines “Pilegrin de Valkenberch”.1648, im Dreißigjährigen Krieg, wird die Burg von schwedischen Truppen belagert und eingenommen. 1693 gilt die Burg bereits als verfallen.

1935 erwirbt Graf von der Schulenburg die Ruine und lässt sie 1937 wieder in einen bewohnbaren Zustand ausbauen. Der Graf ist zwischen 1934 und 1941 Botschafter des Hitlerregimes in Moskau, schloss sich aber dem Widerstand des 20. Julis 1944 an und wurde nach dem Scheitern des Attentats auf den Reichsführer, im selben Jahr hingerichtet. Bis 2009 blieb die Burg Falkenberg in Besitz der Familie Schulenburg, bis die Gemeinde Falkenberg die Burg kauft und umfangreich sanieren lässt. Ein tolles Projekt, dass die Marktgemeinde hier auf die Beine gestellt hat. Denn mit vereinten Kräften kann die Gemeinde den Kaufpreis von über 600.000 € ohne fremde Hilfe aufbringen und stemmt die fabelhaft gelungene Sanierung. Die Ausschreibung zur Sanierung, mit einem Volumen von rund 8 Millionen Euro, wird zum Glück zu über 80 % von Kommune, Freistaat, der Bundesrepublik und vielen Verbänden und Spendern finanziert. Den Rest müssen die Falkenberger selbst aufbringen.

Warum nimmt eine so kleine Gemeinde ein solch umfangreiches Projekt auf sich? Weil die Falkenberger Zivilcourage besitzen! Denn die Burg Falkenberg war Anfang der 2000er nur noch eingeschränkt bewohnbar. Die Burg steht zum Verkauf und schon rückt sie damit in den Fokus rechtsgesinnter Interessenten. Um nun zu verhindern, dass Markt Falkenberg schlimmstenfalls zu einer Pilgerstätte für Neonazis wird, fällen die Falkenberger einen beherzten Entschluss: Die Gemeinde muss die Burg kaufen! Heute beherbergt die musterhaft sanierte Burg ein Museum, ein Hotel mit sagenhaften Zimmer und weitem Ausblick, Tagungsstätte, Veranstaltungsräume für Feiern und Hochzeiten und die wohl sensationellste Toilettenarchitektur in einem alten Gewölbekeller, wie der Bürgermeister selbst bei seiner Burgführung sagen wird.

Der echte Zoigl

Das alles erfahren wir, nachdem wir verschwitzt am Ende der zweiten Etappe die Burg erklommen haben und vor dem Bürgermeister von Falkenberg, samt der Gruppe der Burgführung, stehen. Er lädt uns sogleich ein, die Führung mit zu machen. Das machen wir: Denn einmal ist sie sehr sehr interessant und außerdem ist es so herrlich kühl in den Burgmauern. Wir lernen an dem Abend noch einige andere Bürger von Markt Falkenberg kennen: Thomas zum Beispiel, ein junger Bursche, der sich auf dem Fronleichnams Dorffest gleich zu uns auf einen Ratsch setzt. Da ist Torben bereits mit seinem Bike auf dem Weg zurück nach Friedenfels. Später besuchen uns noch spontan Tom und Sabine und es wird nicht nur ein toller Abend mit Bloggerkollegen, sondern wir lernen auch noch ein paar Falkenberger kennen, die uns über den echten Zoigl aufklären!

Echter selbstgebrauter Zoigl. | Goldsteig Falkenberg Etappe 2

Echte oberpfälzer Handarbeit: Ein selbstgebrauter Zoigl – Danke Hartmut, es war ausgezeichnet!!!

Da ist zum Beispiel Hartmut, seines Zeichens Schornsteinfeger, der in seiner Berufstracht vor uns am Biertisch sitzt. Er erzählt uns von seinen Braukünsten und vom Zoigl im allgemeinen. Den echten Zoigl gibt es nur in der Oberpfalz, sagt Hartmut: Wird er nicht in der Oberpfalz ausgeschenkt, ist es kein echter Zoigl! Der Zoigl ist ein untergäriges und unfiltriertes Bier, das die Oberpfälzer von jeher für den Eigenbedarf gebraut haben. Nach 10 Tagen Gärungszeit wird das Bier abgefüllt und in den kühlen Kellern gelagert. Das Braurecht wurde den Falkenbergern 1467 verliehen. Heute gibt es in Falkenberg gut 115 Hausbraurechte. Davon waren 2017 noch 26 aktiv. Einer davon ist Hartmut. Der Zoigl und seine Tradition leben heute durch die vielen Hausbrauer der Oberpfalz. Rund 160 Hausbraurechte bestehen noch um Windischeschenbach, Neuhaus, Mitterteich, Eslarn und Falkenberg. Sie werden allerdings nicht alle aktiv wahrgenommen.

Doch wenn, dann wird in den Kommunbrauereien fleißig Zoigl gebraut und in den kleinen urigen Zoiglstuben ausgeschenkt – so auch in Falkenberg. In der Regel nur ein paar Tage, bis der Vorrat eben aufgebraucht ist. Und damit man sich das kleine Geschäft und vor allem die gemeinsame Freude nicht streitig macht, hat auch immer nur eine Zoiglstube im Ort auf und die Woche drauf die nächste, usw. Der Begriff Zoigl stammt ursprünglich von dem Wort Zeiger. Immer wenn eine Zoiglstuben frisches Bier ausschenkte, wurde der sechszackige Stern, der Zoiglstern, der Bierzeiger, außen am Gasthaus angebracht. Aus dem Bierzeigl wurde bald der Bierzoigl und aus dem Zeiger der Zoigl. Hartmut braut zwar regelmäßig, aber schenkt nicht aus. Für den Eigenbedarf – Familie und Freunde – eben.

Und obgleich das Brauverfahren immer gleich abläuft, jeder Zoigl hat seinen ganz eigenen Geschmack, denn jeder Brauer hat auch sein eigenes Geheimrezept. Hartmut verrät uns seines nicht. Dafür verschwindet er kurz von unserem Biertisch, der schon seit zwei Stunden im Gemeindehaus steht, weil es draußen regnet. Nach einigen Minuten taucht er dann wieder auf, der Hartmut, mit vier Bügelflaschen in den Händen. Die stellt er vor uns auf den Biertisch und schenkt Christian und mir jeweils zwei Flaschen seines Selbstgebrauten. Wir sind sprachlos und begeistert! Und wir freuen uns riesig über soviel Gastfreundschaft in Markt Falkenberg – eine tolle Gemeinde!

Bilder zur Etappe

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