Das Naturschutzgebiet Platte – Fränkischer Gebirgsweg Etappe 9

Auf dieser Etappe wandern wir vom Kösseine – dem Kösseinehaus – durch den Tröstauer Forst, vorüber an den gewaltigen Felsformationen des Habersteins, des Burgsteinfelsens und bis zum Felsenlabyrinth Luisenburg. Unser Ziel ist das Naturschutzgebiet Platte und das Naturwaldreservat Fichtelseemoor am Fichtelsee. Das Natuschutzgebiet Platte ist über 4 Hektar groß und wurde vom Bayrischen Landesamt für Umwelt als wertvolles Geotop (Nummer: 479R025) ausgewiesen.

Erstmals wurde die Platte um 1393 urkunflich als “die plancken” ewähnt und war zu dieser Zeit Eigentum des Burggrafen von Nürnberg. Weitläufige Blockhalden und kantige Granitfelsformationen zeichnen das Geotop aus. Die Platte selbst ist ein 885 Meter hoher Gipfel – der dritt höchste im Fichtelgebirge – des Schneebergmassivs. Der Ausblick von dort oben über den Tröstauer Forst und hinab in das Sechsämterland, ist fabelhaft.

Sehenswürdigkeiten

Haberstein • Girgelhöhle • Naturschutzgebiet Platte

Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Kösseinehaus / Fichtelberg
  • Distanz: 25 km
  • Reine Gehzeit: 6:30 h
  • Höhenmeter: ↑ 740 m • ↓ 900  m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Silberhaus • Seehaus • Gasthof Markhof

Etappen & Gehzeiten

  • Aussichtspunkt Haberstein (0:40 h)
  • Burgsteinfelsen (1:00 h)
  • Nageler See (3:30 h)
  • Girgelhöhle (4:10 h)
  • NSG Platte (5:05 h)
  • Seehaus (5:45 h)
  • Fichtelberg Gasthof Markhof (6:30 h)

Die Stadt der stummen Riesen

Die heutige Etappe auf dem Fränkischen Gebirgsweg im Fichtelgebirge beginnt mit dem Abstieg von der Kösseine. Ziel ist das Naturschutzgebiet Platte und der Fichtelsee. Wir verlassen dazu die Auffahrtsstraße an einem reich bestückten Wegweiserbaum unterhalb des Kösseinehauses Richtung Norden. Der Wald verschluckt uns schnell und wir wandern über Stock und Stein stetig bergab. Übernacht hat es geregnet und alles ist recht nass. Die Nadelbäume lassen ihre Zweige ein wenig entmutigt hängen. Sie stehen da wie stumme Riesen und wir laufen zwischen ihnen hindurch. Das ist eine ganz besondere Stimmung heute Morgen: Es ist sehr still um uns herum. Die Natur scheint heute ausruhen zu wollen. Der Himmel ist bedeckt und so kommt es mir bisweilen ein wenig zwielichtig vor, im Wald: Eine besondere Atmosphäre. Nichts bewegt sich, nichts regt sich. Nur Christian und ich rutschen und stolpern über den steinigen Pfad voran. Wir überqueren nach gut einem Kilometer eine Forststraße, tauchen wieder in den Wald ein und stehen bald am Kleinen Haberstein. Einen Steinwurf entfernt liegt der Große Haberstein. Vorsichtig erklimmen wir den Burschen und blicken über die benachbarten Baumwipfel in eine Nebelwand.

Auf dem Gipfel des Habersteins: Mystische Morgenstimmung im Herbst. | Fränkischer Gebirgsweg

Auf dem Gipfel des Habersteins: Mystische Morgenstimmung im Herbst.

Der Große Haberstein ist eine kolossale Granitfelsburg, deren Gipfel 848 Meter hoch liegt. In einer Urkunde von 1393, in der es um eine Grenzbeschreibung geht, wird der Haberstein erstmals erwähnt. Der Kleine wie der Große Haberstein präsentieren sich in dem typischen Bild der Matratzenverwitterung des Granitgesteins. Diese Matratzen- oder auch Wollsackverwitterung entsteht, wenn geschichtete Steinblöcke an die Oberfläche gelangen und damit der Witterung ausgesetzt werden. Ein Verwitterungsprozess setzt ein, der an den Berührungspunkten der Schichten und in deren Klüften das Gestein zersetzt. Dabei spielen Regenwasser, Frost und Wind eine bedeutende Rolle. Bei fortschreitender Verwitterung werden die Klüfte der Schichten akzentuiert und insbesondere auch die Kanten abgerundet. Das Ergebnis sind zum Teil bedeutende Felsburgen, die ein Bild von aufeinander gestapelten Wollsäcken oder Matratzen abgeben. So auch beim Kleinen und Großen Haberstein. Wenn man aber erstmal auf dem Großen Haberstein steht – der seit 1879 über Holztreppen begehbar ist -, bekommt man ein Gefühl dafür, wieviel Geduld (viele Millionen Jahre) die Natur aufbringen kann, wenn sie formt und gestaltet. Die Felsenburgen des Fichtelgebirges sind absolut beeindruckend. Besonders erwähnenswert ist auch der nahe Burgsteinfels: Ein Naturdenkmal, das bereits Goethe im Juli 1785 skizzierte. Wir erklimmen bei strömendem Regen diese Granitfelsburg. Kurz darauf auch den Kaiser-Wilhlem-Fels. Dieser Granitfels wurde zur Hundertjahrfeier des Geburtstags von Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1897 begehbar gemacht und mit einer Aussichtsplattform ausgestattet. Das Besondere an diesem Fels ist jedoch der kleine Felstunnel unter dem Granitblock: Da muss man einfach hindurch schlüpfen.

Besonders gut lässt sich diese Verwitterungsarbeit auch im Luisenburg-Felsenlabyrinth bestauenen. Dort hatte schon Goethe 1820 erkannt, dass nicht Erdbeben und Stürme die Granitblöcke wild würfelnd im Wald verteilt hatten, sondern dass die säuberlich gerundeten Formen der einzelnen Blöcke durch das Wirken der Natur über lange Zeit vonstatten gegangen sein müsse. Denn es war die sog. Wollsackverwitterung im tropischen und feuchtwarmen Klima des Tertiärs (vor 65 – 2,5 Mio. Jahre), die den Granitfelsburgen und -findlingen im Fichtelgebirge ihre Formen gab. Gleichwohl stumme Riesen, die allerdings viel erzählen können, wenn man ihnen nur aufmerksam genug begegnet. Das Fichtelgebirge ist die Stadt der stummen Riesen! Am Wegpunkt der Luisenburg angekommen nehmen wir uns kurz Zeit, das Areal der Luisenburger-Festpiele zu erkunden. Hier werden im ältesten Freilichttheater Deutschlands schon seit 1665 Theaterfestspiele abgehalten. Unmittelbar daneben erstreckt sich das Luisenburg-Felsenlabyrinth. Der Eintritt ist natürlich mit einem kleinen Entgelt verknüpft. Wir sehen davon ab, die ca. zwei Stunden, die man durch das Granitblocklabyrinth wandeln kann, zu investieren. Das machen wir heute lieber im Naturschutzgebiet Platte. Es regnet, es ist kalt und es liegt noch eine ordentliche Strecke vor uns. Allerdings kann ich nur empfehlen: Nehmt Euch etwas Zeit und besucht dieses Naturwunder – bei trockenem Wetter!

Aussichtspunkt am Kaiser-Wilhelm-Felsen. | Fränkischer Gebirgsweg - Naturschutzgebiet Platte

Aussichtspunkt am Kaiser-Wilhelm-Felsen.

Der Nageler See

Wir lassen das Luisenburg-Felsenlabyrinth hinter uns und setzen unseren Weg Richtung Naturschutzgebiet Platte fort. Der Regen kommt und geht. Seit einiger Zeit macht auch mein rechter Fuß Zicken. Schon bei den Habersteinen hatte ich Schmerzen am Fußballen und am Außenrist. Ich dachte mir eigentlich, dass es sich schon entspannen würde, wenn ich nur gleichmäßig vor mich hingehen würde. Selbst die erhoffte Verbesserung aufgrund der Entlastung durch meine Wanderstöcke trat nicht ein. Naja, hilft ja nichts sagt der Bayer da. Wir wandern durch den verregneten Tröstauer Forst und Christian lenkt mich ein wenig mit einem Plausch davon ab. Nach ca. einem Kilometer treffen wir auf eine Kreuzung zweier Forststraßen und gehen erst mal Richtung Westen. Die Piste führt uns sehr lange in gerader Linie bergab, immer weiter. Nach einiger Zeit wird uns bewusst, dass wir schon länger keine Wegmarkierung des Fränkischen Gebirgswegs gesehen haben. Der Fränkische Gebirgsweg ist sehr gut ausgeschildert. Es kann gar nicht sein, dass man über einen längeren Zeitraum keine Markierung zu Gesicht bekommt! Wenn dem aber doch so ist, dann läuft etwas falsch. Diese Erfahrung haben wir bereits am Vortag gemacht. Wir bleiben stehen, prüfen die Karte und das GPS-Gerät. Ja, wir sind falsch: Verdammt! Ich blicke zurück, bergauf. Und mir wird ganz anders, wenn ich daran denke, mit meinem Fuß diese lange Meile wieder bergauf gehen zu müssen.

Wir entscheiden uns, einen Querweg weiter unten zu nehmen, der uns auf eine Forststraße führen wird, die später wieder auf den Fränkischen Gebirgsweg trifft. Gesagt getan. Und so kommen wir an dem Spritzbrunnen vorbei. Ulkig: Im Rund der Brunnenmauer steht ein unförmiges Granitei, aus dem ein dünner Wasserstrahl heraussprudelt. Angeblich soll diese Fontäne bis zu fünf Meter hoch spritzen. Ausschließlich durch natürlichen Wasserdruck. Selbst im Winter ist der Brunnen in Betrieb und es sollen sich recht bizarre Eisgebilde am und um den Brunnen formen. Wir stapfen über die Matschpiste an dem Brunnen vorüber. Der Forstbetrieb hier hat die Straße in eine Matschlinie verwandelt. Der Regen setzt wieder ein und mir scheint, dass dieser Weg endlos ist. Zeit für die erste Rippe Marzipan! Wir entdecken eine Bank unter einen Baum und setzen uns ins vermeindlich Trockene. Ich strecke meinen Fuß von mir und stopfe mir Marzipanschokolade in den Mund. Mein Stimmung ist gerade echt am Boden: Nichts klappt heute! Mieses Wetter, wir verfransen uns wieder mal und mein Fuß schmerzt unangenehm. Vor uns liegen noch ca. 20 Kilometer: Na Prost Mahlzeit, wenn das so weitergeht.

Kurzer Abstecher zum Nageler See. | Fränkischer Gebirgsweg

Kurzer Abstecher zum Nageler See.

Nach der Pause geht es mir ein wenig besser und wir setzen unseren Weg fort, treffen auch gleich auf den Fränkischen Gebirgsweg – endlich – und machen uns an den Abstieg nach Nagel. Als wir aus dem Wald östlich von Reichenbach raustreten, ist das ein wenig wie aufatmen. So schön der Tröstauer Forst im Fichtelgebirge auch ist, aber an einem solch trüben Tag ist es auch ein wenig erleichternd, unter freiem Himmel zu gehen. Der Regen prasselt zwar unaufhörlich auf unsere Köpfe während wir Reichenbach erreichen und durchqueren, trotzdem kommen uns wieder die ersten lockeren Sprüche über die Lippen. An einer Baumgruppe treffen wir auf eine der Info-Tafeln des Rundwanderwegs und Naturlehrpfads “Das Teutsche Paradeiß”. Der geht auf den Pfarrer Johann Will zurück, der in seinem Buch „Das Teutsche Paradeiß in dem vortrefflichen Fichtelberg“ das Fichtelgebirge mit dem Paradies vergleicht. Unterwegs hebt sich dann unsere Stimmung, als der Regen langsam nachlässt und wir den Nageler See erreichen. Als ob es ein kleiner “Waffenstillstand” zwischen Petrus und uns wäre, hört es auf zu regnen als wir am Ufer des Sees stehen und das schöne Spiegelbild auf uns wirken lassen. Der Nageler See ist ein künstlich angelegter Stausee mit einer Größe von sechs Hektar. Er geht aus einem Mühlweiher des Jahres 1694 hervor. Jedenfalls wurde der Mühlweiher in einer Besitzurkunde des Ritterguts Fahrenbach (Tröstau) in diesem Jahr genannt. Sogar bis 1926 wurde hier eine Mühle per Wasserkraft betrieben. Der heutige Nageler See ist geschütztes Naturdenkmal. Von dem Ufer des Sees geht es nun nach Norden, dem Naturschutzgebiet Platte entgegen.

Anstieg zum Naturschutzgebiet Platte

Unser Weg führt uns in nördlicher Richtung vom Nageler See weg. Kurz bevor wir wieder in den Wald eintauchen machen wir noch mal Rast an einer Bank am Waldrand und blicken auf ein stimmungsvolles Wolkenspiel über Nagel. Nur die Sonne fehlt. Naja, ein restlicher trockener Tag wäre schon das höchste der Gefühle heute. Uns steht ja noch der Anstieg zum Gipfel der Platte und zum Schneeberg, dem höchsten Gipfel des Fichtelgebirges, bevor. Und da müssen wir echt noch ranklotzen, besonders schnell kommen wir bisher nicht voran. Dafür beginnt nun ein wirklich spannender Abschnitt der heutigen Etappe: Durch den Tröstauer Forst über einen Höhenweg zum Naturschutzgebiet Platte. Der Anstieg führt über einfache Forstwege stetig bergauf. Der Schönheit des Herbstwalds im Fichtelgebirge zeigt sich wieder: Bunte Laubbäume, die auch ohne Sonne mit starken Farben am Wegrand auf uns warten. Und dann treffen wir auf die Girgelhöhle. Sie ist ein geräumiger Hohlraum zwischen großen Granitfelsblöcken, also keine herkömmliche Felshöhle. Sie diente um 1800 herum dem Schmiedmatzengirgel aus Nagel als Unterschlupf. Der musste sich vor den bayerischen Beamten verstecken, nachdem er aus Eifersucht einen Nebenbuhler ermordet hatte. Als er im Schutz der Nacht ein zweites Mal sein Elternhaus in Nagel aufsuchte, wurde er von einem Nachbarn verraten. Die Landjäger setzen den Schmiedmatzengirgel fest und der Nachbar kassierte das Kopfgeld. Eine Woche später wurde der Schmiedmatzengirgel in Kemnath enthauptet.

Eingang zur Girgelhöhle: geräumig und begehbar. | Fränkischer Gebirgsweg - Naturschutzgebiet Platte

Eingang zur Girgelhöhle: geräumig und begehbar.

Die Girgelhöhle ist auf jeden Fall eine Besichtigung wert! Hier treffen wir das erste Mal an diesem Tag auf eine Wandergruppe. Gibt also doch noch ein paar Wander-Nerds außer uns, denke ich mir, als ich die Höhle verlasse und zum Forstweg zurückkehre. Der bringt uns nun über den Höhenweg am Görgelstein zum Silberhaus. Unterwegs treffen wir auf den Prinzenfels: Eine weitere Ansammlung von Granitfelsburgen am Fränkischen Gebirgsweg. Der höchste Felsturm trägt eine Aussichtsplattform. Der Prinzenfels ist ein Naturdenkmal, das genau auf dem 50. Breitengrad liegt. Wir lassen diese Aussichtsplattform aber links liegen und wollen Strecke machen. So gut das eben mit meinem Humpelfuß geht. Aber das geht, wenn ich es ausblende. Im Wald sehen wir immer wieder abgerundete und moosbedeckte Granitfindlinge in verschiedenen Größen. Ich frage mich wie diese bizarr geformten Steinblöcke in den Wald kommen: Haben hier Riesen ihre Schusser (Murmeln) vergessen? Nein: Es handelt sich um Plutonite, die überall im Fichtelgebirge verstreut liegen. Also um magmatisches Gestein, das Millionen Jahre alt ist. Dieses Gestein – Granit ist ein wesentlicher Vertreter der Plutonite – entsteht durch langsames Abkühlen von Gesteinsschmelze (Magmen). Es setzen Hebungsprozesse ein, die diese Gesteinskörper in der Magmakammer nach oben tragen und weiter an die Erdoberfläche bringen. Durch Erosion werden diese Granitblöcke dann freigelegt und die Verwitterung beginnt die Gesteinsblöcke zu formen. Der Wald wächst drüber, auf den Granitblöcken siedeln sich Mose und Bäume an. All das ergibt das teils mystische, teils spannende Bild des Fichtelgebirges: Je nach Witterung, aber immer erlebnisreich und schön!

Auf dem Höhenweg am Görgelstein reißt dann der Himmel auf. Ja, der Wahnsinn: Sonne! Wie Schnell da das Gemüt wieder lächeln kann. Wir passieren bald das Silberhaus im Fichtelgebirge: Gasthof und Unterkunft. Überqueren die hier vorbeilaufende Bundesstraße 303 und tauchen wieder ab in den Wald, um den Anstieg zum Naturschutzgebiet Platte zu beginnen. Von der Girgelhöhle zum Gipfel brauchen wir eine gute Stunde. Je höher man auf die Platte kommt, desto steiniger und verwurzelter wird der Pfad. Oben angekommen haben wir dann einen wirklich traumhaften Ausblick und ein stimmungsvolles Panorama. Wir können sogar im Osten den Kösseinegebirgsstock erkennen. Unter uns im Tal liegt gerade Tröstau in der Sonne. Dahinter in der Ferne ist Wunsiedel erkennbar. Ein wahres Hochgefühl an diesem Tag hier oben auf der Platte. Andererseits haben wir noch über zehn Kilometer vor uns. Christian und ich besprechen die Lage: Knapp 12 Kilometer vor uns, die Uhr zeigt ca. 17:00 Uhr und ich habe immer noch Schmerzen im rechten Fuß. Da heißt es abwägen. Wir beschließen bis zum Seehaus zu gehen und dann zum Fichtelsee abzusteigen – schweren Herzens. D.h., dass wir nicht mehr den Nußhardt, mit seinen 972 Metern zweithöchster Gipfel und den Schneeberg mit 1.051 Metern der höchste Gipfel des Fichtelgebirges, erklimmen werden. Die Zeit haben wir heute nicht mehr. Mit all dem Regen und meinem Fuß haben wir für die bisherigen gut 18 Kilometer länger gebraucht als geplant.

Tolles Panorama: Blick über das Sechsämterland. | Fränkischer Gebirgsweg - Naturschutzgebiet Platte

Tolles Panorama: Blick über das Sechsämterland.

Aus, Ende, Amen

Wir stärken uns noch einmal auf der Platte, lassen ein letztes Mal den Blick über den Horizont schweifen und machen uns dann an den Abstieg zum Seehaus. Abstieg ist gut: Wir steigen vom Naturschutzgebiet Platte ab und müssen dann noch mal die knapp 100 Höhenmeter hinauf zum Seehaus in Angriff nehmen. Ich war noch nie so froh, meine Wanderstöcke dabei zu haben. Damit geht es gut, schon den ganzen Tag entlasten sie meinen lädierten Fuß. Ohne hätte ich wohl kapituliert, wäre die Etappe an diesem Tag nicht zu Ende gegangen und hätte den Anstieg zum Seehaus im Fichtelgebirge nicht auf mich genommen. Wir erreichen das Seehaus nach weiteren 2,5 Kilometern. Inzwischen zieht die Wolken wieder ordentlich zu. Das sieht nach Regen aus … mal wieder. Wir gönnen uns jetzt aber eine Einkehr im Seehaus. Zum Fichtelsee und unserem Tagesziel ist es nicht mehr weit, da können wir noch eine halbe Stunde bei einem leckern Bier sitzen: Balsam für den Körper und die Seele, denke ich mir und nehme einen ersten Schluck. Mein Gott, die Franken können einfach gutes Bier brauen!

Leicht beschwingt aber mit müden Knochen steigen wir nun zum Fichtelsee ab. Die Müdigkeit setzt nun deutlich ein, der Fuß zwickt wieder ordentlich und ich habe wirklich keine Lust mehr! Christian redet mir gut zu, bringt mich den Berg runter. Wir umrunden den Fichtelsee, als die Abenddämmerung einsetzt. Die Muse, den Fichtelsee in Ruhe zu bewundern, fehlt uns am Ende des Tages. Der Fichtelsee ist ebenfalls ein künstlich angelegter Stauweiher von gut zehn Hektar Größe. Wie auch schon der Nageler See, hatte auch der Fichtelsee einen Vorgänger: Den Seeweiher, der bereits um 1607 erwähnt wurde und als Wasserversorgung für ein Eisenhammerwerk angelegt war. Heute ist der Fichtelsee ein Naturfreibad und liegt am Naturwaldreservat Fichtelseemoor, einem sehr bedeutendem Hochmoor in Oberfranken. Dafür haben wir nur jetzt grade keinen Kopf – leider. Wir wollen nur endlich am Gasthof Markhof in Fichtelberg ankommen und eine heiße Dusche nehmen.

Angekommen am Fichtelsee. Der Abend dämmert auch schon langsam. | Fränkischer Gebirgsweg - Naturschutzgebiet Platte

Angekommen am Fichtelsee. Der Abend dämmert auch schon langsam.

Und das machen wir schließlich auch, nach einer gefühlten Ewigkeit. Die Wirtin hat uns schon erwartet, zeigt uns unser geräumiges Zimmer und gibt uns schon mal die Speisekarte mit nach oben. Nach der heißen Dusche, die unsere Lebensgeister wieder ein wenig geweckt hat, gehen wir nach unten in den Gastraum. Wir lassen den heutigen Tag noch mal revue passieren. Klar, wir haben uns verfranst, unser Tagespensum nicht erfüllen können. Zwei spektakuläre und wichtige Wegpunkte im Fichtelgebirge haben wir auslassen müssen – das ist wirklich schade und ärgert mich. Aber das Erlebnis der märchenhaften und stimmungsvollen Landschaft und der Ausblick über das Naturschutzgebiet Platte überwiegt. Am Tisch, mit leckerem fränkischem Bier und einem Schnitzel Wiener Art, vergesse ich auch mal meinen Fuß. Und so beschließen wir den dritten Tag am Fränkischen Gebirgsweg im Fichtelgebirge: geschafft, satt und zufrieden.

Bilder zur Tour

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