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Rettet den Alpenplan: JA zum Erhalt unsere Alpen und unserer Zukunft

Die Alpen

Die Alpen sind das höchste Gebirge Europas, das sich mit seiner Ausdehnung von bis zu 1.200 km Länge und bis zu 250 km Breite in das Herz Europas erstreckt. Eine Fläche von über  190.000 km². Der höchste Gipfel der Alpen ist der Mont Blanc. Es gibt 128 4.000er-Gipfel. Der höchste Gipfel in Deutschland ist die Zugspitze mit 2.962 m. Beeindruckende Zahlen, nüchterne Zahlen. Wie entstanden die Alpen eigentlich? Einst erstreckte sich ein Küstenmeer – das Thetys-Meer – dort, wo heute viele hohe Gipfel aufragen. Das war vor ca. 200 Millionen Jahren. Zu Beginn siedelten sich in diesem Meer Algen, Korallen und Muscheln an, die Kalk ablagerten. Schon so früh in der Erdgeschichte bestach der heutige Alpenraum durch Artenvielfalt. Die Entstehung der Alpen selbst begann vor 100 bis 20 Millionen Jahren. Durch die Kontinentalverschiebung drückte die afrikansiche auf die europäische Kontinentalplatte. Gestein wurde mit einer so gewaltigen Kraft gefaltet und empor gedrückt, dass sich vor ca. 30 Millionen Jahren ein Gebirge von bis zu 30 km Höhe auftürmte – die alpidische Hebung.

Heute sind die Gipfel der Alpen zwar nicht mehr so schwindelerregende hoch, aber sie zeigen sich mehr den je mit einer Vielfalt an Pflanzen, Tieren und geologischen Formationen. 30.000 Tierarten bieten die Alpen Lebensraum: Bären, Gämsen, Geier, Luchse, Murmeltiere, Salamander, Steinadler, Steinböcke und viele andere Wild- und Vogelarten. 13.000 Pflanzenarten sind in den Alpen beheimatet. Pflanzen, die zum Teil an keinem anderen Ort dieser Welt vorkommen. Die Alpen bilden heute den größten Wasserspeicher Europas. Die Bergwälder der Alpen sind wesentlich Bestandteil zur Erhaltung der Klimastabilität und der Luftreinigung. Sie bedeuten Erosionsschutz. Die Alpen gehören zu den 238 wichtigsten Ökoregionen weltweit! Die Alpen zählen auch weltweit zu den größten Tourismusregionen: Jährlich hat es rund 120 Millionen Feriengäste bei ca. 500 Millionen Übernachtungen. Dabei sind die Tagesausflügler im Alpenraum noch gar nicht berücksichtigt. Vor allem der Wintertourismus ist für viele Regionen im Alpenraum eine Belastung. Bebaung, künstliche Beschneiung und das Verkehrsaufkommen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Diese Belastungen treffen unmittelbare die Natur, sind weit weg von dem Gedanken der Nachhaltigkeit im Energieverbrauch und verursachen immense Kosten. Beispielsweise kostet die künstliche Beschneiung pro Hektar durchschnittlich 136.000 € im Jahr und führt zu einem stark steigenden Energie- und Wasserverbrauch.

Beitragsbild Virgentalrunde Hohe Tauern

Gipfelpanorama und Naturwunder: Auf dem Rostocker Eck – Venediger Gruppe

Der Alpenplan

Die Gefahren für unsere Alpen gehen vom Mensch aus: Der steigende Verkehr, die Zersiedelung und der Klimawandel sind wesentliche und Mensch gemachte Faktoren, die nicht nur unsere Alpen bedrohen. Weltweit schmilzt das Eis: Wir verzeichnen einen Rückgang des Permafrosts – der Kit, der unsere Berge zusammenhält – Gletscher ziehen sich heute schneller zurück: Seit 1980 sind bereits 20 bis 30 Prozent des Eisvolumens unwiederbringlich getaut. Tiere und Pflanzen, die kalte Temparaturen zum Leben benötigen, sind vom Aussterben bedroht. Man geht heute davon aus, dass sich der Vegetationsgürtel um 400 bis 700 Meter nach oben bewegen könnte. Der Weltklimabericht der UN geht auch deshalb davon aus, dass bis zu ein Drittel der globalen Artenvielfalt bedroht ist.

Den Alpen droht der Rückgang ihrer Artenvielfalt.

Der Alpenplan wurde 1972 in Kraft gesetzt. Er soll eben diese Mensch-Faktoren – Zersiedelung, Verkehr und Tourismus – für unsere Alpen in ein verträgliches Gleichgewicht bringen. Es gilt wirtschaftliche Interessen mit Naturschutz in Einklang zu bringen. Dazu wurden drei Zonen eingerichtet mit unterschiedlich abgestufter Schutzkategorien:

Schneeschuhtour-Osterfelderkopf-1052

Am Alpspitz Restaurant, gegenüber die Alpspitze: Dezentes Wintersportgebiet.

  • Zone A – Errichtung weiterer Erschließungsanlagen grundsätzlich möglich – Abdeckung 35 % des bayrischen Alpenraums.
  • Zone B – Verkehrserschließungen nur unter Berücksichtigung eines strengen Maßstabs möglich – Abdeckung 23 % des bayrischen Alpenraums.
  • Zone C – neue Verkehrserschließungen mit Ausnahme notwendiger landeskultureller Maßnahmen unzulässig – Abdeckung 42 % des bayrischen Alpenraums.

Mit dem Alpenplan hat man sich vor 45 Jahren bewusst gegen den Bau von bestimmten Seilbahnen, gegen die Ausweitung von bestimmten Skigebieten ausgesprochen. Zwar wurden in den letzten Jahren immer wieder Bauprojekte durchgeführt – z.B. Alpspix, Eibseeseilbahn und Höllentalangerhütte im Zugspitzgebiet -, diese wurden jedoch immer konform des Alpenplans konzipiert und durchgeführt. Nun sind Gebiete wie das Riedberger Horn, die Alpspitze, der Brünnstein und der sagenumwobene Watzmann in den Fokus wirtschaftlicher Interessen gerückt. Am 9. November 2017 beschloss der Bayrische Landtag mit einer Mehrheit durch die Stimmen der CSU die Änderung des Landesentwicklungsprogramms (LEP) und damit die Aufweichung des Alpenplans. Dem voran ging ein Bürgerentscheid in den Gemeiden Balderschwang und Obermaiselstein in dem mit  85% und 68,3% für den Bau der Skischaukel am Riedberger Horn gestimmt wurde. Beteiligt waren über 1.000 Wahlberechtigte. Allerdings hatten sich in einer anderen repräsentativen Umfrage auch 91% der Befragten aus ganz Bayern für den Erhalt des bayerischen Alpenplans und gegen Ausnahmen für Erschließungen weitere Skigebiete ausgesprochen. Umweltverbände, darunter der Deutsche Alpenverein, haben bereits vor diesem Beschluss des Landtags angekündigt, gegen die Änderung zu klagen.

Und jetzt? Pro Alpenplan!

Was bedeutet eigentlich diese Entscheidung vom 9. November 2017?
Nach nun über 45 Jahren soll der Alpenplan drastisch aufgeweicht werden. Während von der CSU der Bau einer Skischaukel am Riedberger Horn damit gerechtferigt wird, dass damit für Zukunftschancen auch in ländlichen Regionen gesorgt und der Streit um die Baupläne am Riedberger Horn befriedet würde (Zitat: Markus Söder – Finanz- und Heimatminister), sind die Konsequenzen für die Natur viel weitreichender. Um was es bei dem „Streit um das Riedberger Horn“ eigentlich ging, besser gesagt, um was es der CSU vorrangig geht, deckt ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2016 auf.

Wir geben heute nicht grünes Licht für irgendeine Maximalplanung zur Zerstörung der Alpen, sondern wir eröffnen die Tür für vernünftige Verfahren, die jetzt kommen.

Erwin Huber

 

In der Tat wird damit die Tür für wirtschaftliche Interessen geöffnet! Geht es heute nur um die Bebaung des Riedberger Horns – Schutzzone C – wird es morgen vielleicht doch auch der Alpspitze, dem Brünnstein oder dem Watzmann an den Kragen gehen. Stahl und Beton sind nicht die Sprache eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Naturschutzes. Die Natur kann sich nicht wehren und die ohnehin schon bedrohte Artenvielfalt der Alpen würde durch die Beraubung ihres Lebensraumes einem zusätzlichen Druck ausgesetzt, dem sie nichts entgegen zu setzen hätte. Hier läge die Nachhaltigkeit in der unwiederbringlichen Zerstörung einer Kulturlandschaft – der Natur an sich. Herr Seehofer, Herr Söder, schließen Sie bitte diese Tür wieder!

#bloggerproalpenplan

Die Aktion #BloggerProAlpenplan hat zum Ziel den Erhalt des Alpenplans wie bisher sicherzustellen. Mehr als 100 Outdoorblogger aus Deutschland und anderen Staaten unterstützen diese Aktion, der zwei unserer Outdoor-Blogger diesen Film gewidmet haben:

Wir stehen dafür, dass der Alpenraum bei unserem Sport, unserer Freizeitgestaltung und im Urlaub nicht nur als Sportplatz und Konsumangebot verstanden wird, sondern vor allem als Natur- und Kulturraum, den wir nachhaltig und respektvoll nutzen und bewahren wollen. Wir alle!

Unser Traum ist es, in 30 Jahren auf dem Riedberger Horn stehen und sagen zu können: „Gut, dass damals so unglaublich viele für den Erhalt des Alpenplans gekämpft haben!“.

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Alex ist Münchner, Wahl-Landsberger und bloggt auf Luftschubser.de. Mit Vorliebe beschreibt er seine Touren und deren historische und kulturelle Hintergründe. Bereits seit 2003 schreibt er schon über Burgen - sein Steckenpferd - im Netz und führt das nun in seinem Blog fort. Das Bergsteigen, Wandern, die Natur, die Burgen als steinerne Zeitzeugen und der Austausch - unterwegs - mit anderen Menschen sind nicht nur Hobby, das ist seine Lebenseinstellung.

Website: https://luftschubser.de

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