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Vom Riegsee zur Aidlinger Höhe

Wenn man eine Tour vom Riegsee – ein See im bayerischen Alpenvorland – zur Aidlinger Höhe macht, dann wandelt man quasi auf den Spuren der Indogermanen. Nach der sog. Anatolien-Hypothese, hat sich die indogermanische Sprachentwicklung vor ca. 8.000 Jahren langsam von Anatolien nach Europa ausgebreitet. Unzählige Volksstämme waren in Anatolien beheimatet. Zum Beispiel die Hatti / Hethiter. Oder die Byzantiener, Seldschuken und die Osmanen. Und später auch Armenier, Griechen und Kurden.

Wer sind nun die Bayern? Germanen, Kelten, ja. Aber welchen Ursprungs? Wie weit liegen denn meine Wurzeln zurück? Und wo? Grund genug, auf dieser Wanderung nach historischen Spuren auf dieser Tour Ausschau zu halten.

Die Tour im Überblick

Tourensteckbrief:

  • Charakter: Wandern (T1)
  • Anforderungen: Kondition
  • Start/Ziel: Parkplatz  Gästehaus Riegsee
  • Distanz: 10 km • Gehzeit: 2,5 h
  • Höhenmeter: 220 m •  220 m

Etappen:

  • Mesnerhauskapelle
  • Aidlinger Höhe
  • Parkplatz in Riegsee
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Die Kelten am Riegsee

Die ältesten Bayern sind als baio-warioz bekannt. Abstammend von dem Keltenstamm der Boier. Der Ursprung der Boier liegt in Böhmen: boio-hemum. Was soviel heisst wie Heim der Boier. Man fand am Riegsee die sog. Riegseeschwerter. Grabbeilagen der Kelten aus der Zeit der Urnenfeldkultur (Bronzezeit), also ein Nachweis, dass sogar schon lange vor den hier ansässigen Kelten gesiedelt wurde. Auch in Böhmen und Unterfranken wurden Schwerter, denen am Riegsee gleich, entdeckt. Der Name Riegsee leitet sich aus dem germanischen Ruodgis ab. Das bedeutet soviel wie See des Ruodgis. Jede Menge Historie, was?DSC06727

Wir starten unsere Tour im Ort Riegsee. Von dort führt uns der Weg am See vorbei, hinauf zur Mesnerhauskapelle. Ich fotografiere fleißig. Das Wetter ist einfach perfekt. Und meine Begleitung studiert derweil die Infotafel neben der Kapelle. Und da sind sie wieder die Spuren der Germanen. An der Stelle, an der heute die Feldkapelle steht, befand sich früher eine Kultstätte der Frühlingsgöttin Ostara. Warum wird uns schnell klar: Der Platz ist ideal, um die Sonne und die weite des Alpenvorlandes zu genießen.

Von den Kelten zum Bier

DSC06833Ein, zwei, Schokoriegel später geht es weiter nach Aidling. Das nächste Dorf auf unserem Weg. Ein verschlafenes Nest, dass die typisch bayerische Landidylle spiegelt. Wir kommen an dem Geburtshaus von Ludwig Brey vorüber. Ich war direkt überrascht! Ludwig Brey war Anfang des 19. Jahrhunderts ein bekannter Brauherr der Münchner Löwenbräu Brauerei. Was sich nicht alles am Riegsee so findet.

Ich selbst bin ja kein Fan des Löwenbräu Biers. Gut, das Dunkle Bier vielleicht. Der Volksmund sagt ja heutzutage Lätschnbräu. Das kommt von lätschert. Wenn etwas lätschert ist, meint der Bayer damit, dass es langweilig oder lasch ist. „As Helle is sauber lätschert, des Dunkle konnst scho saffa!“, würde ich jetzt salopp im Dialekt zum Besten geben.

Wo eine besetzte Bank ist, da ist auch eine Burg

Aber hier gibt’s jetzt eh kein Bier. Und wir müssen noch die Aidlinger Höhe erklimmen. Also geht es erstmal aus Aidling raus und den nördlichen Hang hinauf. Viele Höhenmeter sind das heute nicht. Alpenvorland eben. Allerdings bleiben wir immer wieder stehen, um den Blick über den Riegsee zu genießen. Dahinter macht sich das Wettersteingebirge auf und daneben die Ammergauer Alpen.

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Während wir so den Ausblick genießen, treten zwei Einheimische aus der Haustür. Wir sind im „Grüß Gott Land“. Also grüßen wir uns so. Wenn ich gewusst hätte, dass die uns gleich die einzige Bank auf der Aidlinger Höhe vor der Nase wegschnappen, dann hätte ich die nicht so freundlich angegrinst. Tja, doof gelaufen. Also stehen wir erstmal rum, als wir auf dem „Gipfel“ ankommen. Was aber noch cooler ist, als der weite Blick über das Alpenvorland: Hier stand auf der Nordseite früher eine Burg.

Gut, heute sieht man gar nichts mehr davon. Nur der Burgstall ist noch zu entdecken – im Dickicht. Im 13. Jahrhundert residierten dort die Grafen von Lichtenegg und die Herren von Iffeldorf. Die Burg Lichtenegg/Lichteneck ist bereits im 15. Jahrhundert eine Ruine.

Ich glaub mich tritt ein Alpaka

Unser Rückweg führt uns wieder durch Aidling. Wir gehen an der Dorfkirche vorbei. Rokoko aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Und damit keine Wehrkirche. Naja, Burgenforscher sind eben immer auf der Lauer. Sie ist sehr gut gepflegt und wirklich nicht zu übersehen. Ja, die schlaue Kurdin auch. Ich meinte aber die Kirche! Konzentration Leute, der Artikel ist ja gleich zu Ende.

DSC06991In einem weiten Bogen geht es östlich um den Riegsee herum. Die Zielgerade führt uns dann wieder direkt zum Parkplatz in Riegsee. Wir machen vorher noch einen Abstecher auf ein Feld. Von hier ist der Blick ins Wettersteingebirge, zu den Ammergauer Alpen, hervorragend. Im Osten sehen wir die verschneite Benediktenwand, den Rabenkopf und den Jochberg. Und schließlich eine Herde Alpakas. Alpakas? Ganz genau und zwar direkt unter dem bekannten Duett Herzogstand und Heimgarten. Früher gab’s hier mal Kühe, denke ich mir im Stillen.

Um es abzukürzen: Diese Tour ist ein kleines Schmakerl! Nadine von KulturNatur bezeichnet es als Haus und Hof Runde. Ich sage dazu nur: So schön kann Bayern sein. Das ist einer meiner persönlichen, kleinen Wohlfühltouren. Die man auch immer wieder variieren kann, wie Nadine beweist. Ist doch klar, warum die Indogermanen sich hierher verirrt.

Alle Bilder zur Tour

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Alex ist Münchner, Wahl-Landsberger und bloggt auf Luftschubser.de. Mit Vorliebe beschreibt er seine Touren und deren historische und kulturelle Hintergründe. Bereits seit 2003 schreibt er schon über Burgen - sein Steckenpferd - im Netz und führt das nun in seinem Blog fort. Das Bergsteigen, Wandern, die Natur, die Burgen als steinerne Zeitzeugen und der Austausch - unterwegs - mit anderen Menschen sind nicht nur Hobby, das ist seine Lebenseinstellung.

Website: https://luftschubser.de

4 Kommentare

  1. Pingback: Riesenwindbeutel am Waldesrand | KulturNatur

  2. Nadine Antwort

    Du hast Recht: Eine Wohlfühltour par excellence. Persönliches Highlight für mich war mal eine Runde mit Freunden in einem sehr warmen Herbst: Da hatten wir vom Baden über eine Kirchweih-Gans bis hin zu einer sternenklaren „Nacht“-Wanderung alles dabei. Schöner ist’s sicher nur noch mit Kindheitserinnerungen on top, wie bei Dir.

    1. Alex

      Hallo Alois,
      danke für Deinen Hinweis.
      Die Bronzezeit wird bis ca. 800 v.Chr. datiert, wenn ich das richtig nachgelesen habe. Dann gibt es zumindest eine kleine Schnittmenge zwischen der Hallstatt- und Bronzezeit. Kann man das so sagen?
      Welchen Teil des Artikels müsste ich demnach anpassen/korrigieren?

      Beste Grüße
      Alex

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