Sieben Felsenburgen im Pfälzerwald (Wasgau & Nordvogesen)

Es war Jürgen Zöllner, seines Zeichens ehem. Minister in Rheinland-Pfalz, der einst die südliche Pfalz und das angrenzende Elsaß als „steinreich“ bezeichnete . Und in der Tat sind die bewaldeten Hügel des Haardts, des Wasgaus und der Nordvogesen nicht nur bekannt für die beeindruckenden Felsenburgen im Pfälzerwald. Viel mehr ist es ein weiterer Landstrich in Europa, der jedes Wandererherz berührt. Denn wer im Spätherbst im Gold der sinkenden Sonne auf dem höchsten Punkt der Wegelnburg steht, seinen Blick über die bewaldete Hügellandschaft darunter schweifen lässt, der wird verstehen was ich damit meine.

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Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Schönau
  • Distanz: 21 km
  • Reine Gehzeit: 5:30 h
  • Höhenmeter: ↑ 780 m • ↓ 780 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Burg Fleckenstein • in Schönau

Etappen & Gehzeiten

  • Burg Wasigenstein (1:15 h)
  • Burg Frönsburg (2:30 h)
  • Burg Fleckenstein (3:30 h)
  • Burg Wegelnburg (4:25 h)
  • Schönau (5:30 h)

Sehenswürdigkeiten

Burg Blumenstein • Burg Wasigenstein • Burg Frönsburg • Burg Fleckenstein • Burg Loewenstein • Burg Hohenburg • Burg Wegelnburg

Start an der Longhorn Ranch

Eigentlich, ist der beste Start- und Zielpunkt, der Parkplatz in Schönau. Wir, das sind diesmal Hans und ich, starten die Tour von unserem Basecamp, der Longhorn Ranch in Schönau/Gebüg. Wir sind zu Gast bei Hank und Petra, die hier ein Ort für Menschen, Hunde und Pferde geschaffen haben, an dem man sich sofort wohl und zuhause fühlt. Den ersten Abend verbringen wir mit einer lustigen Gruppe Wanderern, die am nächsten Tag in das Dahner Felsenland weiterziehen.

Wir wollen von der Ranch einmal rund herum. Allerdings rät uns Hank, das Auto in Schönau abzustellen. Das letzte Stück nach Gebüg sei zur Zeit nur über die Straße erreichbar. Wanderwege wären gesperrt, wegen Unwetterschäden. Er begleiten mich dann auch schnell in der Früh nach Schönau, um mich nach dem Auto parken zur Ranch zurück zu fahren. Petra versorgt uns vorher noch ordentlich mit einem Ranch-Frühstück. Beste Voraussetzungen würde ich sagen!

Zu den Felsenburgen im Pfälzerwald

Der Pfälzerwald und die Nordvogesen sind kein plattes Land. Dazu kommt noch, dass jede einzelne dieser Felsenburgen wie ein kleiner Gipfel ist. Steile und sehr enge Treppen, die in den roten Fels gehauen wurden, führen bis auf die Felskornen. Dort hat man nicht nur eine wundervolle Aussicht über die Umgebung. Es wartet dann auch mal ein Turm, der bestiegen werden will. Fast habe ich den Eindruck, ich mache hier eine Bergtour. Zumindest, wenn man sich dann die Höhenmeter betrachtet.

Es ist früh am Tag und der Tau ist noch überall zu sehen. Von Gebüg aus geht es recht gemütlich in einem weiten Bogen zu der ersten der sieben Felsenburgen: die Ruine Blumenstein.  Die kann man auch gut von Schönau erreichen. Sie thront auf einem sehr schmalen und 80 Meter langem Felsband und wurde um 1260 erbaut. Wie viele andere Felsenburgen in der Gegend auch, wurde sie  um 1525 im Bauernkrieg zerstört. Wir bekommen schon mal einen ersten Eindruck vom heutigen Tag: Felsklippen aus rotem Stein, die wir erklimmen müssen um die Burgen darauf zu erkunden. Ebenfalls aus rotem Stein. Das ist so charakteristisch für die Felsenburgen im südlichen Pfälzerwald.

Diese Ruine hat einen weiten Vorplatz, mit einem Felsbecken und in den Fels geschlagene Räume. Die Burg wurde Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt und teilt sich in Alt- und Neuwasigenstein. Markant ist auf jeden Fall die Schildmauer aus Buckelquadern, der neuen Burg, die wie ein Turm aussieht. Dort sieht man auch in jedem Quader ein Loch. Das liegt in der Bauweise begründet. Mittelalterliche Steinzangen wurden dort eingesetzt und per Flaschenzug hiefte man die großen Brocken dann in die Höhe.

Auf dem höchsten Punkt der neuen Burg Wasigenstein. | Felsenburgen im Pfälzerwald

Auf dem höchsten Punkt der neuen Burg Wasigenstein.

Wir halten uns eine zeitlang auf der Burg auf. Erklimmen steile Steintreppen und ich lese ein wenig aus dem Burgenführer vor, den ich natürlich im Gepäck habe. Danach laufen wir durch den Wald und unser nächstes Ziel ist die Frönsburg. Unterwegs kreuzen wir lilafarbene Linien am Waldboden. Ich behaupte, das wäre das kirchliche violett und wir müssten uns vor dem Inquisitor in Sicherheit bringen. Das machen wir auch gleich: auf dem Zigeunerfels. Es wird angenommen, dass dieser Fels ein Vorwerk der Burg Wasigenstein war. Es gibt noch Spuren von Balkenlöcher zu entdecken. Aber so richtig weiß das wohl keiner, was hier so getrieben wurde.

Nehmen wir mal an, der Zigeunerfels war eine Befestigung, dann wäre es ja sogar eine 8-Burgen-Tour im Pfälzerwald! Weiter geht’s zur nächsten Ruine. Das ist die Ruine Frönsburg. Oben auf dem höchsten Punkt der Anlage, treffen wir auf eine Gruppe Frauen. Hans in seiner unvergleichlich offenen und lockeren Art, hat natürlich gleich wieder einen Spruch parat und das Gegacker kann man dann sicher über die Hügel der Umgebung hören. Die Frönsburg ist aber schon am Fuße des Felsens sehr imposant. Ich lasse es erst mal sacken. Sehr beeindruckend, was der Mensch in den roten Fels getrieben hat: Räume, Nischen für Fallgatter und anderes. Sie zählt zu den gewaltigsten Felsenburgen im Pfälzerwald.

Dnach geht es in einem Gewaltmarsch durch den Pfälzerwald, immer weiter hinab in eine Tal, über einen Bach und wieder bergan. Meine rechte Wade zwickt ein wenig. Hans stürmt den Burgberg hinauf, als ob er die Anlage noch binnen dieser Stunde einnehmen wollte: die Ruine Fleckenstein. Das ist heute die einzige Felsenburg, bei der man den Eintritt bezahlen muss, will man sie erkunden. Aber entweder sahen Hans und ich so niedergekämpft aus, oder wir hatten einfach Glück. Ein Gruppe Mitglieder einer Musikkapelle aus Ebersberg bei München besuchte soeben die Ruine. Wir kamen ins Gespräch und die nette Mannschaft nahm uns kurzer Hand einfach mit hinein als Gruppenmitglieder. Der Bürgermeister der Gemeinde Lembach führt uns dann alle durch die Anlage und erzählte viel aus deren Geschichte. Wahrlich, eine beeindruckende Burgruine!

Noch drei Felsenburgen vor uns. So langsam sind meine Knochen allerdings müde. Nach Fleckenstein machen wir eine Ehrenrunde, weil ich uns in die falsche Richtung lotse. Wäre ja nicht so tragisch. Aber wenn man erst bergab geht, merkt, dass es falsch ist und dann wieder den Berg hinaufgehen muss, dann … aber es hilft ja nichts! Wir sind ja flink und frohen Mutes, pressen uns ein Grinsen heraus und es geht weiter. Nach ein paar weiteren Höhenmetern gelangen wir an die Ruine Loewenstein. Jetzt ist es an Hans, als erster die Felsenburg zu erstürmen. Ich merke beim hochklettern, dass ich keinen Bock mehr habe, diese elenden Burgfelsen hinauf zu steigen. Aber Hans lässt nicht locker: “Jetzt haben wir schon so viele erklommen, da wirst Du ja wohl auch den Rest noch schaffen?”. Da hat er recht! Also rauf und einmal mehr blicken wir über bewaldete Hügel und wir sehen die Ruine Fleckenstein. Der Blick nach vorne zeigt uns dann unser letzte Ziel. Also flux runtergestiegen und weiter;: Es warten nur noch zwei Felsenburgen.

Und wirklich nur einen Steinwurf entfernt treffen wir auf die Ruine Hohenburg. Die ist aber nicht die letzte Ruine für heute. Die Hohenburg wurde im 13. Jahrhundert erbaut und leider schon Anfang des 16. Jahrhunderts zerstört. Auf ihrem Felsplateau wartet ein runde Panoramatafel auf uns. Und das erste mal können wir unserer Umgebung genauer unter die Lupe nehmen. Allerdings steht die Sonne schon tief und wir haben noch ein Stück vor uns. Aber bevor wir weiter gehen, bleiben wir eine zeitlang an das Geländer gelehnt und blicken einfach nur in die Ferne.

Auf der Löwenburg. | Felsenburgen im Pfälzerwald

Auf der Löwenburg.

Rückweg ab der Wegelnburg

Und nun kommt sie also endlich: die letzte Felsenburg. Wir erreichen die Ruine Wegelnburg. Und ganz ehrlich: Diese Ruine beeindruckt, fasziniert und berührt mich am meisten. Ich habe das Gefühl, dass sie die Form eines Schiffes hat. Ich stehe am höchsten Punkt und blicke nach Nordosten. Die Sonne sinkt immer tiefer und taucht die sanfte Hügellandschaft des Pfälzerwaldes in ein goldenes Licht. Die Schatten sind lang und außer uns ist niemand mehr unterwegs. Wenn ich mich an einem nicht satt sehen kann, dann an dem Ausblick von einer hochgelegenen Ruine über das weite Land, dass sich unter ihr ausbreitet. So ging es mir auch auf der Ruine des Montségur in Südfrankreich.

Da kann ich mich nur schwer lösen. Diese Weite, dieser Frieden um mich herum, ist es, die mich immer wieder hinaus in die Natur zieht. Aber Hans hat ja recht. Wir müssen los, sonst stolpern wir noch im Dunkel durch den Wald zurück nach Schönau. Und wirklich, es ist unter dem dichten Laubwerk schon ziemlich duster geworden. Mit den letzten Lichtstrahlen erreichen wir den Ort und im Laternenschein das Auto. Als wir zurück sind, uns den Staub vom Leib gewaschen haben, sitzen wir zufrieden vor der Ranch und zischen ein alkoholfreies Weißbier. Und das zischt wirklich ordentlich! Was für eine Wohltat. Und die Fußsohlen glühen auch nicht mehr so.

Abendstimmung: Blick von der Wegelnburg über den Pfälzerwald. | Felsenburgen im Pfälzerwald

Abendstimmung: Blick von der Wegelnburg über den Pfälzerwald.

Wenn ihr ein Fazit hören möchtet?  Macht diese Tour selbst! Ich spar mir nach soviel Text noch lange Reden. Macht diese Tour zu den Felsenburgen im Pfälzerwld und entdeckt den Zauber dieses Landstrichs und die ganze Faszination selbst. Wenn es dann noch im goldenen Herbst sein sollte, werdet ihr sehen, dass ihr alles richtig gemacht habt. Ihr werdet es keinesfalls bereuen.

Bilder zur Tour

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