Durch den Steinwald – Fränkischer Gebirgsweg Etappe 8

Nach der Anreise mit dem Zug nach Wiesau, geht es erst mal zur ersten Unterkunft, dem Gasthof „Zum Hackelstein“. Von dort führt uns der Fränkische Gebirgsweg durch den Steinwald, einem Ausläufer des Fichtelgebirgeszur Burgruine Weißenstein, weiter zur Dreifaltigkeistkapelle und auf die Platte.

In einem langen Abstieg wandern wir nach Pullenreuth und von dort, entlang des Höllbaches, Richtung Ebnath, bevor wir schließlich den anspruchsvollen Anstieg auf den Kösseine in Angriff nehmen. Etappenziel: das Kösseinehaus.

Sehenswürdigkeiten

Burg Weißenstein

Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Bahnhof Wiesau / Zum Hackelstein / Kösseinehaus
  • Distanz: 35 km
  • Reine Gehzeit: 8:15 h
  • Höhenmeter: ↑ 1.200 m • ↓ 785 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Zum Hackelstein • in Pullenreuth • Kösseinehaus

Etappen & Gehzeiten

  • Tag 1 Zubringer →
    • Gasthof Zum Hackelstein (1:15 h)
  • Tag 2 →
    • Ruine Weißenstein (1:30 h)
    • Platte & Oberpfalzturm (3:30 h)
    • Pullenreuth (4:45 h)
    • Kösseinehaus & Turm (8:15 h)

Auftakt Fränkischer Gebirgsweg im Regen

Schon die Zugfahrt ist spannend: Eine Verspätung läßt uns bangen, ob wir den Anschlusszug bekommen. Da bleibt noch Zeit für einen Kaffee im Regensburger Bahnhof und der Gedanke: Fränkischer Gebirgsweg, du bist noch so weit! Dann sitzen wir endlich im Zug nach Wiesau. Ein älterer Herr zieht gemütlich eine Dose Paderborner Pils aus seiner Tasche. Es zischt kurz, es gluckert und der Mann gibt ein zufriedenes Schnaufen von sich. Wir blicken schmunzelnd aus dem Fenster und beobachten die Landschaft, die an uns vorbeisaust: die Oberpfalz, wolkenverhangen. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen können: Dies würde die regenreichste, panoramaloseste, aber eindrucksvollste Tour werden, die wir bisher unternommen haben. Was ich nicht noch nicht weiß: Nach diesem Abenteuer werde ich zukünftig mit Einlagen in den Schuhen weiter durch Leben laufen müssen …

In Wiesau angekommen, sind wir schon wirklich heiß auf den Fränkischen Gebirgsweg. Von dem werden wir aber an diesem Tag nicht mehr viel mitbekommen. Wir bahnen uns den Weg vom Bahnhof Wiesau über den Marktplatz, an der Erzengel Michael Kirche vorüber, bis hinauf zur Kreuzbergkirche auf dem Kreuzberg. Wiesau ist umgeben von etlichen Weihern und Bächen. Es liegt ca. 5 km östlich von Fuchsmühl und damit vom Fränkischen Gebirgsweg. Wiesau wurde bereits 1289 das erste mal urkundlich erwähnt. Am Kreuzberg verlassen wir den Ort und gehen auf einem geteerten Sträßchen weiter,  das uns parallel zur Staatsstraße über einen Kamm nach Fuchsmühl führt. Der Himmel ist inzwischen mit dunklen Wolken bedeckt – Regenwolken. In Fuchsmühl angekommen beginnt es dann auch zu nieseln. Wir bahnen uns zügig den Weg durch den Ort, biegen vor der Kirche nach rechts in die Steinwaldstraße und gehen das erste mal auf dem Fränkischen Gebirgsweg: im Regen. Bis zu unserem Tagesziel, dem Gasthaus Zum Hackelstein, ist es aber zum Glück nicht mehr weit. Wir erreichen unsere Unterkunft bei Dämmerung und beschließen den ersten Tag auf dem Fränkischen Gebirgsweg im Fichtelgebirge zwar leicht begossen wir Pudel, aber nach einer heißen Dusche mit fränkischem Bier und Schnitzel Wiener Art wie von Muttern.

Am Gasthaus "Zum Hackelstein". | Steinwald - Fränkischer Gebirgsweg

Am Gasthaus “Zum Hackelstein”.

Spuren im Steinwald

Nach einem guten Frühstück packen wir zusammen und machen uns auf den Weg. Bis nach Pullenreuth werden wir durch den Steinwald wandern. Der liegt zwischen dem Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald und wurde erstmals um 1568 als „Steinwaldt“ in einer Urkunde erwähnt. Der Fränkische Gebirgsweg führt von Fuchsmühl über den Hackelstein. Der ist Naturdenkmal, Kletterfels und eine von vielen Granitfelsgruppen, die dem Steinwald seinen Namen geben. Wir wandern allerdings am Hackelstein vorbei. Warum? Weil wir uns einfach verratschen und die stellenweise zahlreichen Wegweiser etwas außer Acht lassen. Als wir schließlich zurück auf dem Fränkischen Gebirgsweg kommen, halten wir auf die Burgruine Weißenstein zu. Der Weg dorthin führt über Froststraßen durch stimmungsvollen Herbstwald. Nachdem wir die Staatsstraße 2121 überqueren geht es bald weiter über steinige Waldpfade. Der Wald präsentiert sich richtig atmosphärisch bei dem wolkenverhangenen und nebligen Wetter. Kurz vor der Burgruine treffen wir auf den Kiebitzstein. Dieser Granitfels fällt aufgrund seines Torbogen ähnlichen und mannshohen Durchschlupfs auf. Da muss man einfach mal drunter gestanden haben – oder oben drauf. Die Burgruine Weißenstein liegt nur 100 Meter weiter den Hang hinauf. Sie thront auf einer spektakulären Granitfelsformation, die aussieht wie gescheibte Felstürme. Die Burg selbst wurde um 1279 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Der Ausblick vom begehbaren Bergfried muss sagenhaft sein. Oben angelangt können wir aber kein Panorama bestaunen, da die Sicht durch dichten Nebel nur bis zur nächsten Baumreihe reicht. Dafür genießen wird die mystische Atmosphäre, die die sanierte Burgruine umgibt.

Der Fränkische Gebirgsweg führt uns weg von der Ruine über sanfte Forstwege zur Dreifaltigkeitskapelle im Steinwald, die im Jahr 1974 an der Stelle einer früheren Vorgängerkapelle errichtet und eingeweiht wurde. Als wir in dem nebligen Herbstwald auf den Kapellenplatz zugehen, hören wir automatisch auf uns zu unterhalten und bestaunen ein wenig andächtig das fast mystische Bild, das sich uns bietet. Dann stehen wir in dem kleinen Bau. Der überdachte Vorraum der offenen Kapelle soll auch als Unterstand für Besucher und Wanderer dienen. Vor der Kapelle verteilen sich viele „Steinmandl“. An einer Steinmater findet sich ebenfalls eine Ansammlung von Steinen. Sühnesteine: kleine und große. Bis vor einigen Jahrzehnten trug man diese hier herauf, im Glauben, die Sündenstrafen erlassen zu bekommen. Das wissen zumindest heut noch die alten Leute der Gegend zu berichten. Als wir uns wieder lösen und weitergehen, unterhalten wir uns noch ein wenig über die vielen Steine vor der Kapelle. Und plötzlich kommen wir schon an der Wolfsgrube vorüber. Ein Jägerdenkmal mit mittelalterlicher Historie. Archäologische Grabungen brachten interessante Funde ans Tageslicht: Köderschüsseln/-schalen, die am Grunde der Wolfsfalle aufgestellt wurden. Eine Rekonstruktion und weitere spannende Informationen bietet eine Info-Tafel daneben. Von der Wolfsgrube zum höchsten Punkt des Steinwaldes sind es keine zwei Kilometer: die Platte mit 946 m. Also sputen wir uns entlang des Fränkischen Gebirgsweges, um bald den Oberpfälzerturm, der auf der Platte steht, zu erklimmen. Dort angekommen richten wir unseren Blick zur Turmspitze hinauf: Nebel. Also entscheiden wir uns, den Aufstieg zur Turmspitze gegen eine kleine Brotzeit am benachbarten Unterstand zu tauschen. Den leichten Nieselregen ignorieren wir dabei gelassen.

Im Steinwald auf dem Weg zur Platte. | Steinwald - Fränkischer Gebirgsweg

Im Steinwald auf dem Weg zur Platte.

Mit Marzipan geht’s viel besser!

Es liegen noch knapp zwei Drittel der Tagesetappe vor uns. Aber bisher war der Fränkische Gebirgsweg so spannend, dass wir ein wenig mehr Zeit investiert haben als geplant. Wir beginnen den Abstieg von der Platte über einen Pfad nach Südwesten. Im weiteren Verlauf wechseln sich Forststraßen und Waldpfade ab und an einer dieser Mündungen steht eine Bank an einem Baum. Sie befindet sich unter einem Schutzdach, das wie ein aufgeklappter Schirm die Bank und alles um den Baumstamm herum überspannt: tolle Idee für einen Unterstand und wirklich süß! Kurz vor Pullenreuth treffen wir dann erneut auf ein Schützhütte. Ihr Dach ist aus saftigem Moos und trägt sogar junge Nadelbäume. Die Inneneinrichtung aus groben Holzmöbeln: Bank, Stühle und Tisch. Ja und dann geht es langsam aus dem Steinwald hinaus. Wir treffen auf den im Wanderführer beschriebenen Wanderparkplatz am Waldrand und ignorieren erfolgreich den Hinweis zum Abzweig des Fränkischen Gebirgswegs. Warum? Genau: Wir haben zuviel gequatscht! Bis wir das aber merken, sind wir schon ein gutes Stück die Teerstraße hinab marschiert. Das Ergebnis: Wir schlagen den Weg nach Arnoldsreuth ein, um so wieder zurück auf den Fränkischen Gebirgsweg zu kommen. Damit verpassen wir aber die Glasschleif, eine Siedlung zur Glasschleiferei am Rande des Steinwaldes aus dem 18. Jahrhundert. Schnitzer No. 2 an diesem Tag. Das ärgert uns sehr und damit kommt die erste Tafel Marzipanschokolade zum Einsatz!

Der Wald liegt hinter uns und die Sonne kommt doch noch raus: kurz vor Ebnath. | Steinwald - Fränkischer Gebirgsweg

Der Wald liegt hinter uns und die Sonne kommt doch noch raus: kurz vor Ebnath.

Der Marzipanschokoladen-Aspekt:
Christian und ich lieben Marzipanschokolade. Auf jeder Tour ist eine dabei. Diesmal haben wir uns für jede Etappe auf dem Fränkischen Gebirgsweg eine Tafel eingepackt, für den Fall, dass die Motivation, die Stimmung absacken sollte. Ausgemacht ist, wenn es mal nicht mehr geht machen wir Pause und gönnen uns ein zwei Happen Glück. Das hilft immer! Und grade ist es soweit. Nach der halben Tafel geht es auch wieder besser. Der Ärger ist verflogen, wir überqueren den Höllbach und durchqueren Pullenreuth. Der Ort am Fränkischen Gebirgsweg im Fichtelgebirge wird zwar erstmals 1244 in einer Urkunde erwähnt, seine Gründung soll aber bis in das 11. Jahrhundert zurück gehen. Pullenreuth lag im Mittelalter an einer wichtigen Handelsstraße zwischen Nürnberg und Prag. Heute führt die Staatsstraße 2177 an dem Ort vorüber und parallel eine Bahntrasse. Beides überqueren wir und verschwinden bald wieder im Wald, östlich von Neusorg. Es geht entlang des Höllbaches. Zuerst über einen Waldpfad, an dem wir eine Frau mit Sohn und einem Stoffbeutel voll mit Schwammerl (Pilzen) antreffen. Christian ist unser Schwammerlexperte und fachsimpelt mit der Frau. Ihre Fundorte gibt sie natürlich nicht preis. Wir fragen aber auch nicht danach. Wir sind uns aber einig, dass man das nicht macht und auch, dass man nie alle Schwammerl einsammelt. Indem man ein paar unbehelligt zurück lässt, stellt man sicher, dass im nächsten Jahr an der Stelle wieder genügen Schwammerl wachsen. Der Schwammerlsucher-Codex würde ich als Laie zusammenfassen. Zudem ist mir Schwammerl-Lehrling aufgefallen, dass es extrem viele Fliegenpilze entlang des Fränkischen Gebirgswegs gibt. In allen Größen und Formen, in satten Farben. Grad wie die Farben der Wandermarkierung: Rot und Weiß. Wir folgen dem Verlauf des Höllbachtals, umrunden den 635 m hohen Auknock und verlassen den Wald bei Schwarzenreuth. Im Freien wandert es sich bisweilen auch unbeschwerter. Und so halten wir auf Ebnath zu, mit einem spektakulären Horizont vor uns.

Einmal Sonne, einmal Schnitzel … bitte!

Als wir so im Freien dahin wandern, den Horizont aus Wolkenmauern, gleißenden Sonnenstrahlen und lachsfarbenen Sonnenrissen über einem Hangwald in der Fernen bestaunen, bemerken wir plötzlich den Gipfel des Kösseine. Wir bemerken auch, dass wir uns genau in der entgegengesetzte Richtung von ihm entfernen. Das gibt’s doch nicht! Ist das der falsche Abzweig No. 3 heute? Aber halt nein, der Fränkische Gebirgsweg will uns wohl necken? Er führt hier einfach nach Ebnath und an der Kapelle Herz Jesu vorbei, um dann wieder in Richtung Kösseine abzubiegen. Hinter uns liegen 29 km, vor uns noch gut sechs Kilometer zum Kösseinehaus. Dabei müssen wir noch gute 600 Höhenmeter überwinden. Da sind wir grade nicht erpicht auf solche Späßchen. Also auf geht’s! Wir halten auf den Kösseine zu und da strahlt uns das erste mal an diesem Tag die Sonne aus voller Kraft ins Gesicht. Ein zwei Minuten halten wir regungslos inne und saugen das Licht und die Kraft in uns auf. Einfach herrlich: Die Sonne, die Stille. Da fällt mir ein, dass wir bisher kaum jemanden begegnet sind: Der Pilzsucherin und im Steinwald einem einzelnen Wanderer. Aber ein paar Schritte weiter, betrachten uns sechs oder sieben Augenpaare unter ihren zotteligen Ponnies: Highland Cattles. Sie gelten als robust und langlebig, diese schottischen Hochlandrinder. Sie wurden erstmals 1975 in Deutschland eingeführt.

Atmosphärische Abenstimmung auf dem Kösseineturm. | Steinwald - Fränkischer Gebirgsweg

Atmosphärische Abenstimmung auf dem Kösseineturm.

Wir umrunden ein Stück ihre Weide und gehen dann hinab zu einem Waldsaum. Kaum laufen wir ein paar Schritte im Wald, beginnt auch schon der finale Anstieg auf die Kösseine. Dieser Bergstock aus Granitfels liegt im Fichtelgebirge am Fränkischen Gebirgsweg und misst an seinem höchsten Punkt 939 Meter. Das Gipfelareal besteht zu Teilen aus unter Naturschutz stehenden Granitblockhalden. Durch die Kösseine verläuft die europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Erstmals wird die Kösseine in einer Urkunde von 1283 als Chozin erwähnt. Der folgende Anstieg fordert noch mal unsere Motivationskünste, denn nach gut 30 Kilometern möchte man nicht unbedingt einen Gipfel erklimmen. Nach mehr als der halben Strecke erreichen wir den Hirschbrunnen. Dort stehen Bänke und eine Schutzhütte. Wir setzen uns, verputzen die restliche Marzipanschokolade und führen unseren Weg über Waldpfade fort. Diese kreuzen die Forststraße um vor dem Kösseinehaus schließlich wieder in ihr zu münden. Bei Sonnenuntergang erreichen wir den Gipfel. Die letzten Steinstufen sind bereits leicht mit Eis überzogen. So kalt ist es hier oben bereits Anfang Oktober am Abend. Wir schleppen uns auf den Kösseineturm und genießen das Farbspiel des fortgeschrittenen Sonnenuntergangs. Und wir sind stolz! Auf uns und diese Tagesetappe. Aus dem Rother Wanderführer sind das die Etappe 8 und die Hälfte der Etappe 9. Ein wenig Luxus: Wir sind heute die einzigen (Übernachtungs-)Gäste, also gehört uns die Etagendusche alleine! So erfrischt neigt sich der zweite Tag auf dem Fränkischen Gebirgsweg im Fichtelgebirge für uns mit eindrucksvollen Bildern im Kopf. Unsere Gastgeber sind sehr freundlich und entgegenkommend und bei fränkischem Bier und Schnitzel Wiener Art wie von Muttern beschließen wir den Tag mit den mystischen Bildern aus dem Steinwald vor Augen.

Bilder zur Tour

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Kurzer Abstecher zum Nageler See. | Fränkischer Gebirgsweg
Das Naturschutzgebiet Platte – Fränkischer Gebirgsweg Etappe 9

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