Von Königsdorf nach Fischbach – Im Rothenrainer Moor

Das Rothenrainer Moor bei Königsdorf im Tölzer Land zählt zu den FFH-Gebieten in Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Ein FFH-Gebiet fällt unter die Richtlinien 92/43/EWG – die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie – zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Eine Richtlinie aus dem Jahr 1992, der damaligen EU-Mitgliedsstaaten. Erste Richtlinien über das Gebiet des Rothenrainer Moors stammen aus den 1930er Jahren. Das wusste der junge Unteroffizier, der sich im April 1945 in einem Waldstück am Moor aufhielt allerdings nicht. Und es war auch nicht mehr wichtig …

Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Wanderparkplatz bei Königsdorf
  • Distanz: 13 km
  • Reine Gehzeit: 3:30 h
  • Höhenmeter: ↑ 250 m • ↓ 250 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Landgasthofes Fischbach

Etappen & Gehzeiten

  • Der einsame Soldat (0:40 h)
  • Fischbach (1:35 h)
  • Kreut (2:35 h)
  • Waldparkplatz (3:30 h)

Honigsüß

Das Auto lassen wir am Waldrand auf einem kleinen Parkplatz am Seitenstreifen stehen. Am Anfang der Tour treffen wir auf ein Häuschen mit Bienenstöcken. Hier kann man sich gegen ein kleines Entgelt eine oder mehrere Gläser Honig mitnehmen. Die leeren Gläser stellt man dann beim nächsten Besuch wieder zurück. Das funktioniert: Menschen sind tief in ihrem Inneren ehrlich und dieses Angebot beim Bienenhaus gibt es nun auch schon einige Jahre.

Ein herrlicher Maitag: Der Himmel ist bayrisch weiß-blau und die Sonne scheint. Wir lassen den Wald hinter uns und überqueren jetzt auf Stegen einen Streifen Moorlandschaft: den Rothenrainer Filz, wie das Rothenrainer Moor auch genannt wird. Hier hat es am Waldrand im Sommer jede Menge Blaubeeren. Nach einem kleinen Anstieg erreichen wir einen Stadel am Waldrand. An der Rückseite der Scheune liegen Bretter, die eine pirma Bank für eine Rast abgeben. Dieser Platz ist zu jeder Tageszeit traumhaft schön und stimmungsvoll: morgens melancholisch, tagsüber lebendig, abends romantisch.

Der einsame Soldat bei Rothenrain

Nach dem Stadel, ein Stück den Berg hinauf, kurz nach einer Rechtskurve, kann man links zwischen den Sträuchern im Wald ein Birkenkreuz mit einem Stahlhelm darauf entdecken.
Ein sehr junger Unteroffizier der Wehrmacht war hier in der Nähe bei Rothenrain mit seinen Kameraden untergekommen: Paul Michael. Er stammte aus Braunschweig. Die jungen Soldaten hatten sich hier gegen Ende April 1945 vor den nahenden amerikanischen Truppen versteckt. Zu dieser Zeit war der Krieg verloren, aber nicht beendet. Wohl in der Nacht des ersten Mai hatte sich der junge Unteroffizier von seinen Kameraden getrennt und war in das Waldstück gelaufen, unweit des heutigen Stadels. Aus Angst und Verzweiflung darüber, in amerikanische Gefangenschaft zu geraten und was ihn dort erwarten würde, nahm sich der junge Mann schließlich in dem Wald das Leben.

Tatsächlich ist der Unteroffizier dort im Wald begraben, nah am Rothenrainer Moor. Die Witwe des Soldaten besuchte das Grab ihres Mannes jedes Jahr, bis sie selbst verstarb. Ein 90-jähriger Bauer aus Rothenrain pflegt das Grab heute noch. Er weiß viel zu berichten. Zu der Geschichte des einsamen Soldaten und leider auch über Grabschänder.

Zielgerade nach Fischbach. | Rothenrainer Moor

Zielgerade nach Fischbach.

Fischbach und das Rothenrainer Moor

Auf dem Weg nach Fischbach, passieren wir den Hof Wolfsöd und wandern dann den Hügel hinunter in ein kleines Tal, durch einen Wald, der uns mit einem weißen Teppich aus Brunnenkresse begrüßt. Über einen Feldweg halten wir jetzt auf Fischbach zu. Ein schönes Bild: Manchmal braucht es nicht mehr, als eine Kirche, einen Hof und ein Wirtshaus. Über Wirtshäuser und Gastronomie schreibe ich ja grds. nicht. Wenn, dann informiere ich mich gerne bei Wallygusto. Allerdings der Landgasthof Fischbach bietet dem Wanderer wirklich alles was das Herz begehrt: Gute Brotzeit, gutes Essen, satte Kuchenstücke, Unterkünfte und Platz für Kinder. Die Gegend und der Gasthof sind für Familienausflüge perfekt. Und für hungrige Wanderer ebenfalls.

Nachdem wir unsere gestärkt haben, geht es zurück. Bei Wolfsöd wählen wir einen andere Route über den Rothenrainer Filz. Zwischen ein paar Birken hindurch, gelangen wir auf das offene Moor: das Rothenrainer Moor. Ich spüre förmlich, wie der Boden unter meinen Füßen nachgibt. Ein wenig ungewohnt ist das schon. Allerdings lenkt der Blick auf den Herzogstand und den Heimgarten ab. Und schließlich finden wir sogar einige Enzianblüten auf dem Filz.

Wir verlassen das Rothenrainer Moor. Müssen noch über eine Anhöhe und an einem Hof vorüber, dann zurück in den Wald, in dem wir das Auto abgestellt haben. Aber das Gewitter, dass sich in der Ferne angekündigt hat, erwischt uns doch noch ein wenig. Es streift uns zum Glück nur. Wir bekommen nur das Grollen und den Regen ab. Wir kommen schließlich trocken am Auto an. Das Gewitter ist bereits vorübergezogen. Auf der Heimfahrt grüble ich noch ein wenig über die Soldatengeschichte und die Stimmung im Rothenrainer Moor. Gibt’s den nichts, das diesen Fluch der Hose brechen könnte?

Bilder zur Tour

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