Auf dieser einfachen und aussichtsreichen Wanderung vom Riegsee zur Aidlinger Höhe im Blauen Land macht, wandeln wir quasi auf den Spuren der Indogermanen. Nach der sog. Anatolien-Hypothese, hat sich die indogermanische Sprachentwicklung vor ca. 8.000 Jahren langsam von Anatolien nach Europa ausgebreitet. Wer sind denn dann die Bayern? Germanen, Kelten, ja. Aber welchen Ursprungs? Wie weit liegen denn unsere Wurzeln zurück? Und wo? Grund genug, auf dieser Wanderung nach historischen Spuren auf dieser Tour Ausschau zu halten.

Herunterladen

Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Parkplatz am Gästehaus in Riegsee
  • Distanz: 10 km
  • Reine Gehzeit: 2:30 h
  • Höhenmeter: ↑ 220 m • ↓ 220 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    Gasthof Post in Aidling

Etappen & Gehzeiten

  • Mesnerhauskapelle (0:30 h)
  • Aidlinger Höhe (1:00 h)
  • Parkplatz in Riegsee (2:30 h)

Sehenswürdigkeiten

Mesnerhauskapelle • Rokokokirche in Aidling

Von der Urnenfeld- und Bierkultur am Riegsee im Blauen Land

Die ältesten Bayern sind als baio-warioz bekannt. Abstammend von dem Keltenstamm der Boier. Der Ursprung der Boier liegt in Böhmen: boio-hemum. Was soviel heißt wie Heim der Boier. Man fand am Riegsee die sog. Riegseeschwerter. Grabbeilagen aus der Zeit der Urnenfeldkultur (Bronzezeit), also ein Nachweis, dass sogar schon lange vor den hier ansässigen Kelten gesiedelt wurde. Auch in Böhmen und Unterfranken wurden Schwerter, denen am Riegsee im Blauen Land gleich, entdeckt. Der Name Riegsee leitet sich aus dem germanischen Ruodgis ab. Das bedeutet soviel wie See des Ruodgis. Jede Menge Historie, was?

Wir starten unsere Tour über die Aidlinger Höhe im Ort Riegsee. Von dort führt uns der Weg am See vorbei, durch das sog. Blaue Land, hinauf zur Mesnerhauskapelle. Ich fotografiere fleißig. Das Wetter ist einfach perfekt. Und meine Begleitung studiert derweil die Infotafel neben der Kapelle. Und da sind sie wieder die Spuren der Germanen. An der Stelle, an der heute die Feldkapelle steht, befand sich früher eine Kultstätte der Frühlingsgöttin Ostara. Warum wird uns schnell klar: Der Platz ist ideal, um die Sonne und die weite des Alpenvorlandes zu genießen. Ein, zwei, Schokoriegel später geht es weiter in Richtung Aidlinger Höhe. Das nächste Dorf auf unserem Weg trägt auch den Namen Aidling. Ein verschlafenes Nest, dass die typisch bayerische Landidylle hier im Blauen Land spiegelt. Wir kommen an dem Geburtshaus von Ludwig Brey vorüber. Ludwig Brey war Anfang des 19. Jahrhunderts ein bekannter Brauherr der Münchner Löwenbräu Brauerei. Was sich nicht alles am Riegsee so findet.

Ich selbst bin ja kein Fan des Löwenbräu Biers. Gut, das Dunkle Bier vielleicht. Der Volksmund sagt ja heutzutage Lätschnbräu. Das kommt von lätschert. Wenn etwas lätschert ist, meint der Bayer damit, dass es langweilig oder lasch ist. “As Helle is sauber lätschert, des Dunkle konnst scho dringa!”, würde ich jetzt oberhalb des Riegsees salopp im Dialekt zum Besten geben.

Die verschwundene Burg auf der Aidlinger Höhe

Aber hier gibt’s jetzt eh kein Bier. Und wir müssen noch die Aidlinger Höhe erklimmen. Also geht es erstmal aus Aidling raus und den nördlichen Hang hinauf – weg vom Riegsee. Viele Höhenmeter sind das heute nicht. Alpenvorland eben. Allerdings bleiben wir immer wieder stehen, um den Blick über den Riegsee und das Blaue Land zu genießen. Dahinter macht sich das Wettersteingebirge auf und daneben die Ammergauer Alpen. Während wir so den Ausblick genießen, treten zwei Einheimische aus der Haustür. Wir sind im “Grüß Gott Land”. Also grüßen wir uns und Gott auch so. Wir lassen ihnen den Vortritt. Aber wenn ich gewusst hätte, dass die uns gleich die einzige Bank auf der Aidlinger Höhe vor der Nase wegschnappen, dann hätte ich die nicht so freundlich angegrinst. Tja, doof gelaufen. Also stehen wir erstmal rum, als wir auf dem “Gipfel” ankommen. Was aber noch cooler ist, als der weite Blick über das Alpenvorland: Hier stand auf der Nordseite früher eine Burg.

Die Aidlinger Höhe liegt vor uns. | Aidlinger Höhe - Riegsee und das Blaue Land

Die Aidlinger Höhe liegt vor uns.

Gut, heute sieht man gar nichts mehr davon. Nur der Burgstall ist noch zu entdecken – im Dickicht … wenn man ganz genau hinsieht. Im 13. Jahrhundert residierten hier die Grafen von Lichtenegg und die Herren von Iffeldorf. Die Burg Lichtenegg/Lichteneck ist bereits im 15. Jahrhundert eine Ruine. Unser Rückweg führt uns Richtung Süden von der Aidlinger Höhe runter und dann wieder durch Aidling. Wir gehen an der Dorfkirche vorbei: Rokoko aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Und damit keine Wehrkirche. Naja, Burgenforscher sind eben immer auf der Lauer. Sie ist sehr gut gepflegt und wirklich nicht zu übersehen.

Ein Alpaka kommt selten allein

In einem weiten Bogen geht es östlich um den Riegsee herum. Die Zielgerade führt uns dann über eine leichte Anhöhe im Blauen Land, mit Blick auf die Alpenkette. Bald sind wieder am Parkplatz in Riegsee angekommen. Wir machen aber vorher noch einen Abstecher auf ein Feld. Von hier ist der Blick ins Wettersteingebirge, zu den Ammergauer Alpen, hervorragend. Im Osten sehen wir die verschneite Benediktenwand, den Rabenkopf und den Jochberg. Hinter uns können wir die sanfte Erhebung der Aidlinger Höhe erkennen. Und schließlich vor uns auch eine Herde Alpakas. Alpakas? Ganz genau und zwar direkt unter dem bekannten Duett Herzogstand und Heimgarten. Früher gab’s hier mal Kühe, denke ich mir im Stillen.

Um es abzukürzen: Diese Tour ist ein kleines Schmakerl! Nadine von KulturNatur bezeichnet es als Haus und Hof Runde. Ich sage dazu nur: So schön kann Bayern sein. Das ist einer meiner persönlichen, kleinen Wohlfühltouren. Die man auch immer wieder variieren kann, wie Nadine beweist. Ist doch klar, warum die Indogermanen sich hierher verirrt.

Bilder zur Tour

, , , , , ,
Wundervoller Ausblick vom Carolafelsen. | Wandern und klettern im Elbsandsteingebirge
Wandern und klettern im Elbsandsteingebirge
Blick nach Süden Richtung Ammergauer Alpen. | Rothenrainer Moor
Von Königsdorf nach Fischbach – Im Rothenrainer Moor

Ähnliche Beiträge

Menü