Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal – Rheinsteig Rundtour

Unsere Rundtour heute ist vor allem auch eine Tour in einem UNESCO Welterbe: Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal. Das war die Etappen am Rheinsteig nach Kestert und die nach Kamp-Bornhofen davor auch schon. Aber ein Welterbe will schon kilometerreich erwandert sein. Das nennt man Wertschätzung, Interesse und Leidenschaft. Die Aufnahme von Kulturlandschaften in die Liste der UNESCO Welterbe wurde erst 1992 möglich. Dabei werden Landschaften, die vom Mensch künstlersich gestaltet wurden, einen unverwechselbaren Charakter haben und die einen besonderen spirituellen, künstlerischen und geschichtlichen Wert besitzen, in die engere Wahl genommen. Der Rheinsteig führt uns genau durch eine solche Landschaft: die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal.

Tourensteckbrief

  • Charakter:
    Wandern (T1)
  • Anforderung:
    Kondition
  • Start/Ziel:
    Parkplatz am Kirchplatz Kamp-Bornhofen
  • Distanz: 16,5 km
  • Reine Gehzeit: 4:35 h
  • Höhenmeter: ↑ 680 m • ↓ 680 m
  • Einkehr/Übernachtung:
    In Kamp-Bornhofen

Etappen & Gehzeiten

  • Marienkapelle (1:30 h)
  • Schloss Liebeneck (2:30 h)
  • Grillstation Florianshütte (2:45 h)
  • Aussichtsbank über den „Feindlichen Brüdern“ (4:00 h)
  • Bahnhof Kampf-Bornhofen (4:30 h)

Sehenswürdigkeiten

Marienkapelle • Schloss Liebeneck

Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

Der kulturelle Reichtum der Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal ist einzigartig. Bereits 1977 wurde erstmals vorgeschlagen, das Obere Mittelrheintal als Welterbestätte auszuweisen. Erst im Dezember 2000 wurde von den Landesregierungen Hessen und Rheinland-Pfalz ein formeller Antrag gestellt, die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, das zwischen Bingen und Koblenz auf 67 Kilometer verläuft, in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen. Im Juni 2002 erfolgte die Aufnahme in diese Liste und im September 2003 wurde die Anerkennungsurkunde in Oberwesel überreicht: Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal.

Was bedeutet das für das Mittelrheintal? Der Rhein ist zuerst einmal eine Bundeswasserstraße. Eine der am stärksten befahrenen Bundeswasserstraßen weltweit noch dazu. Flankiert von der B 9 linksrheinisch, der B 42 rechtsrheinisch und jeweils einer Bahnlinie, verläuft das Mittelrheintal als ein starkes Verkehrsband auf dem nicht nur Warenverkehr betrieben wird, sondern auch der Tourismus ins Mittelrheintal findet. Der Tourismus wurde vor allem durch den Rheinsteig rechtsrheinisch und dem Rheinburgenweg linksrheinisch merklich belebt. Ermöglichen die Wanderwege doch vor allem ein naturnahes Erlebnis der Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal. Neben dem Zuwachs an Tourismus bringt der Titel des Welterbes auch finanzielle Fördermittel für Kultur und Natur.

Schönes Rheinpanorama: Die Schleife von Kamp-Bornhofen bis Boppard. | Oberes Mittelrheintal

Schönes Rheinpanorama: Die Schleife von Kamp-Bornhofen bis Boppard.

Allerdings gibt es auch einige Themen, die der Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal Kopfzerbrechen bereiten, denn einem Welterbe stehen Seilbahnen wie die bei Koblenz, Sommerrodelbahnen wie es eine an der Loreley gibt oder gar Brücken, so wie sie bei St. Goarshausen gebaut werden soll, nicht so gut zu Gesicht. Abstimmungsmarathon mit der UNESCO und politischen Interessensvertretern sind die Folge. Das Welterbekomitee sieht besonders die Seilbahn und die Sommerrodelbahn kritisch. So wird der Verkehr über den Rhein bei Koblenz via Gondeln bis 2026 geduldet. Die Rodelbahn an der Loreley gefährdet den Status des Welterbes und muss demnach demontiert werden. Beschlossen in 2013 durch das Welterbekomitee. Zugestimmt aber hatte das Komitee der Mittelrheintalbrücke – bereits 2010. Nur hier waren sich 2011 die koalierenden Parteien einig, dieses Projekt der Vergessenheit anheimfallen zu lassen. Dem Rhein ist’s egal. Schade nur für die Bevölkerung in der Gegend.

Kamp-Bornhofen, Osterspai und zurück

Antje und ich treffen uns am Kirchplatz in Kamp-Bornhofen und starten unsere Rundtour am Rheinsteig mit einem Marsch durch die Nebenstraßen Kamp-Bornhofens. Der Ort wurde erstmals als Cambo um 949 erwähnt. Die Klosterkirche, an der wir uns trafen, steht bereits seit 1224. Nur eine von vielen Ortschaften entlang des Rheins mit tausendjähriger Geschichte: Nicht umsonst ist das hier eben das Welterbe Oberes Mittelrheintal! Der Zubringer zum Rheinsteig ist wie erwartet sehr gut ausgewiesen und nach kurzer Zeit sind wir im Wald verschwunden und bereits auf dem Rheinsteig unterwegs – Richtung Filsen. Wie ich das am Vortag bereits erlebt hatte: Die Wegführung ist einfach sehr abwechslungsreich.  Wandern wir zu Beginn auf einem Forstweg und streckenweise durch Tunnel aus Baumstämmen und -Blätterwerk. Als wir aus dem Wald treten, auf einen Feldweg, biegt der Rheinsteig nach links ab und wir finden uns auf einem schmalen Pfad. Der führt uns durch Dickicht und später über die Hochebene mit Blick auf Boppard.

Mit jedem Aussichtspunkt am Rheinsteig, präsentiert sich der Rhein und die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal aus einer anderen Perspektive, mit anderen Motiven und Eindrücken, die uns immer wieder inne halten lassen. Antje saugt nicht nur die Aussicht auf, sie atmet die Luft und vermutlich auch ein wenig das Lebensgefühl des Rheintals tief ein. Sammelt unterwegs ein paar Wald- und Wiesengewächse, erklärt mir was man daraus alles für Tinkturen machen kann und wofür diese gut sind. Bis wir an den Aussichtspavillion vor Filsen kommen. Dort machen wir eine kleines zweites Frühstück, versuchen die Mäuse, die um den Pavillion herumtollen mit Brotkrümeln und Käsebröseln zu ködern. Geben schließlich auf, weil sonst unser Proviant noch zur Neige gehen könnte und gehen weiter zur Marienkapelle.

Zurück am Rheinsteig. | Oberes Mittelrheintal

Zurück am Rheinsteig.

Hier kürzen wir den Rheinsteig ab und treffen bald auf den Grillplatz am Rheinsteig bei Filsen. Davon gibt es immer wieder welche am Rheinsteig. Meist mit Tischen und Bänken, die an einer offenen oder überdachten Grillstelle stehen. Es geht weiter Richtung Osterspai über einen gemütlichen Feldweg und unter weiß-blauem Himmel. Das wir irgendwann auf einem alten und vergessenen Trimm-Dich-Pfad unterwegs sind merke ich erst, als Antje an einem Reck Klimmzüge versucht. Da kann ich natürlich nicht anders: Mann muss das auch können! Dafür kann ich dann aber nicht zum Schloss Liebeneck hingehen, nachdem wir einen schmalen Waldpfad Hang aufwärts marschiert sind: Alles Privat und abgesperrt. Das muss respektiert werden: Leider, denkt da mein Burgenherz. Aber nicht schlimm, denn es gibt sehr viele Burgen hier. Für mich ist das eher das Weltburgenerbe Oberes Mittelrheintal!

Grillkultur und Burgenromantik

Wir gehen also unverrichteter Dinge weiter. Ich trotte, schlurfe eher so vor mich hin. Etwas geknickt, dass ich das Schloss nicht aus der Nähe sehen konnte. Das ist immer eine kleine Enttäuschung, wenn Burgen oder Schlösser abgeschirmt sind. Nachdem ich ein zwei Bilder aus der Ferne und durch das dichte Blätterwerk schießen konnte, komme ich doch noch ein wenig auf meine Kosten. Und so stört es mich auch nicht, als Antje mich nach vorne schiebt, weil Sie keine Lust mehr hat den Weg für mich von all den Spinneweben zu befreien, die den Weg queren. Das mach ich jetzt und frag mich dabei, wie es die Spinnen immer wieder so präzises schaffen, ihre Spinnfäden genau in Gesichtshöhe durch die Luft wehen zu lassen. Ist denn die Luft weiter unten so schlecht?

Aber damit muss man eben rechnen, wenn man vom Wanderweg abzweigt, um einem Trampelpfad zu folgen, der uns zum nächsten Grillplatz mit Blick auf den Rhein führt. Da kommen wir auch bald an, nachdem wir noch alte und zugewachsene Trimm-Dich-Installationen entdecken. Über Osterspai erwartet uns die Florianshütte: Häuschen und überdachte Grillstelle. Ein paar Jugendliche sind hier am Werk. Grillgut zum Frühstück wie wir herausfinden. Für uns wäre noch was übrig meint einer. Resteessen von der vorabendlichen Geburtstagsfeier. Da gratulieren wir ganz artig und bekommen ein kühles Bier dafür. Wir trinken in aller Ruhe, genießen die Aussicht und ich unterhalte mich mit den Jungs über Metalbands.

Blick von der Wilhelmshöhe auf Burg Sterrenberg. | Oberes Mittelrheintal

Blick von der Wilhelmshöhe auf Burg Sterrenberg.

Auf dem Rückweg geht es von der Florianshütte am Rheinhöhenweg entlang, an der Domäne Marienberg vorbei und weiter zurück zum Rheinsteig. Dort angelangt, treffen wir das Ehepaar, mit dem ich am Vortag bei Uschi’s Wanderstation bei Kaffee und Kuchen zusammen saß. Als wir uns nach einem Plausch wieder verabschieden, nimmt das Paar den Weg nach Filsen und wird damit heute den Rheinsteig komplett machen – nach drei Jahren und unzähligen Wochenenden: Herzlichen Glückwunsch und Hut ab! Wir halten uns unterdes am Rheinsteig entlang und wollen noch zur Wilhelmshöhe, bevor wir nach Bornhofen absteigen und die Tour beenden. Die erreichen wir auch nach einiger Zeit und haben dabei die Allee der “Bäume des Jahres” passiert. Ein Naturlehrpfad, an dessen Wegesrand seit 2002 an jedem 25. April des Jahres, der Baum des Jahres gepflanzt wird. Infotafeln informieren den Wanderer und Wissensdurstigen jeweils darüber.

Abschied vom Rheinsteig

Wir erreichen die Wilhelmshöhe und haben einen traumhaften Blick über die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, so wie ich es gerne sehe: Der Rhein und seine Burgruinen! Wir sitzen oberhalb von Burg Liebenstein und Sterreneck, den feindlichen Brüdern. Nach rund 14 km mein Lieblings-Aussichtspunkt des Tages. Auf der Bank halten wir es in der Sonne sehr gut aus und blicken mal über die Burgen hinab zum Rhein, mal in den Himmel. Lassen ein wenig die Blicke und Gedanken schweifen. Meine schweifen über gut 40 km Rheinsteig in den letzten zwei Tagen. Um ein wenig Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal und da spüre ich wieder diese tiefe Zufriedenheit in mir. Das Gefühl glücklich zu sein. Der Abstieg von der Wilhelmshöhe führt uns am Ende über eine steile Holztreppe auf die Loreley-Burgen-Straße hinab, die uns nach Kamp-Bornhofen zurück bringt. Damit geht für mich ein Wochenende am Rheinsteig zu ende, das ich sehr genossen habe. Wir waren heut zwei von den jährlich über 250.000 Wanderern am Rheinsteig, die ganzjährig auf allen Etappen unterwegs sind. Da fahre ich nicht nur mit vielen Bildern nach Hause.

Bilder zur Tour

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Aussicht Hindenburghöhe auf die "feindlichen Brüder". | Rheinsteig
Die feindlichen Brüder – Rheinsteig Etappe 13

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