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Nibelungensteig – die Königstour im Odenwald

Der Nibelungensteig im Odenwald ist mit einem rostroten N auf weißem Quadrat markiert. Er ist einer der noch jungen Wanderwege der Region und wurde seit 2007 konzipiert und durchgehend markiert. Bereits 2008 erhielt er die Zertifizierung zum „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“!

Seine Länge beträgt ca. 130 km. Die Route durchquert den gesamten Odenwald von West nach Ost, vom Weinstädtchen Zwingenberg an der Bergstraße bis Freudenberg am Main. Es müssen mehr als 4.200 Höhenmeter im Auf- und Abstieg erwandert werden: Über die Gipfel des UNESCO Global Geoparks Bergstraße-Odenwald.

Grundsätzlich ist die gesamte Strecke in sieben Abschnitte eingeteilt; mehr vom Wanderweg hast Du, wenn Du  Dir neun oder gar zehn Tage Zeit lässt. Mehr noch als vor einigen Jahren gilt im Odenwald und somit auch auf dem Nibelungensteig die Faustregel, dass Du Deine Unterkünfte in der Region, in jeder Stadt, oder noch besser, Altstadt, zeitig reservieren solltest. Im östlichen Odenwald sind die Unterkünfte recht dünn gesät.

Wer will, kann sich bei der Tourist-Information Nibelungenland, mit Sitz in Lorsch – ca. 12 km von Zwingenberg entfernt – vor der Tour einen Wanderpass zusenden lassen, unterwegs fleißig Stempel sammeln und sich dann hinterher eine Urkunde sowie eine Wandernadel verleihen lassen.

In diesem Artikel wirst Du alle wichtigen Informationen zum Nibelungensteig finden, um die Strecke und die Wanderwege vielleicht bald selbst zu gehen. Ich teile mit Dir meine Erfahrungen, die ich auf meinen vielen Touren über den Wanderweg im Odenwald gesammelt habe.

Eine Info zur Variante des Qualitätswegs findest Du hier aber nicht. Näheres zur Strecke, zu Sehenswürdigkeiten und Infos zu jeder Stadt und spannenden Altstadt an welche diese Strecke entlang führt, gibt es bei der Tourist-Info GmbH.

Nibelungensteig Karte

Steckbrief: 131 km • 4.750 HM • 4.775 HM • ca. 33 Stunden  ||  Schwierigkeit: Mittel  ||  Anforderung: Gute Kondition und Trittsicherheit.
[Hinweis: Info zu Daten, Karte & GPX Track ohne Wege Variante]

Bilder von unterwegs

Nibelungensteig Odenwald

Wissen Sie“, sagte mir vor einigen Jahren ein Hotelier in Gras-Ellenbach im Odenwald, „bei uns läuft das so: Unsere Gäste kommen als Kinder hierher, mit ihren Großeltern, und Jahrzehnte später kommen sie wieder – mit ihren eigenen Enkeln.“

Da ist was dran. Ich sehe es an mir selbst, abgesehen von den Enkeln, die ich nicht habe. Ich komme aus Mannheim und für Wochenendausflüge lag der Odenwald fast vor der Haustür. Genauer: der vordere Odenwald, denn bis Weinheim oder Heidelberg konnte man (und kann man heute auch noch) mit der Straßenbahn hinübergondeln, während es bis Miltenberg am Main schon eine ganz schön weite Fahrt war. Allerdings – so wirklich aufregend waren Wanderungen im Odenwald für mich bald nicht mehr.

Nibelungensteig - Wandermarkierung
Offizielle Wandermarkierung des Wanderwegs.
Nibelungensteig - Melibokus
Etappe 1: Aufstieg auf den gut 517 Meter hohen Berg Melibokus.

Ungleich spannender war da doch, wenn ich mich in der Mannheimer Umgebung umsah, der Pfälzerwald mit seinen endlosen Wäldern, seinen spannenden Pfaden, seinen Sandsteinfelsen im Süden – und es gab doch noch so viele, so unglaublich viele weitere spannende, soll heißen, spektakuläre Wanderreviere zu entdecken. Der Odenwald? Na, ja …

Bis man anfing, überall zertifizierte Qualitätswege aus dem Boden zu stampfen. Der allgegenwärtige Drang nach Zertifikaten, nach Vergleichbarkeit … So entstand auch der Nibelungensteig im Odenwald. Natürlich kannte ich schon als Kind die unglaubliche Geschichte vom jungen Recken Siegfried, der mit übermenschlichen Kräften, aber, wie ich mir erst später eingestehen wollte, auch mit einer gehörigen Portion Naivität ausgestattet war. Und natürlich war ich früher ungezählte Male am Siegfriedbrunnen bei Grasellenbach gewesen, wo sich angeblich der ruchlose Mord abgespielt haben soll!

Wonach Siegfried, mit dem Speer im Rücken, den bösen, finsteren, eiskalten Meuchelmörder Hagen von Tronje noch halbtot geschlagen haben soll – fast schon ein medizinisches Wunder. Und wonach Siegfrieds Leichnam in einer Nacht nach Worms gebracht worden sein soll, auf grottenschlechten, womöglich bodenlos morastigen, unbeleuchteten Straßen ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber all das Unlogische kümmerte weder den kleinen Thomas damals noch zu allen Zeiten die Gras-Ellenbacher, die die Geschichte der Nibelungen vermarkteten und immer noch vermarkten. Bis hin zum Drachenbluteis, das in einem Café angeboten wird. (Fragt mich bitte nicht, wie das schmeckt – ich habe es noch nicht probiert!) Und nun auch noch ein Nibelungensteig! Natürlich erkundete ich gleich, wo der verlief. Sieh an, er berührte viele Punkte, die ich von früher her kannte! Die würde ich doch nach all den Jahrzehnten gerne mal wieder sehen! Also los!

Um es vorwegzunehmen: Den Nibelungensteig bin ich inzwischen, bis auf ein kleines Teilstück, schon zweimal gegangen und werde ihn, so Gott und Corona wollen, auch noch ein drittes Mal gehen. Und das liegt auch, aber bei weitem nicht nur an der guten Odenwälder Küche und den herzlichen Gastgebern, mit denen man so leicht ins Gespräch kommt. Die Odenwälder sind – und zwar über die Grenzen der Bundesländer hinaus – ein kontaktfreudiges Völkchen.

Der 135 km lange Nibelungensteig von Zwingenberg an der Bergstraße bis nach Freudenberg am Main erfreut sich wachsender Beliebtheit. Natürlich wird er vermarktet, man kann Wandern ohne Gepäck buchen und Stempel für eine Wandernadel und die Aufnahme in die virtuelle „Ruhmeshalle“ der Nibelungensteig-Begeher sammeln (Näheres siehe nibelungenland.net). Man kann aber auch alles selbst organisieren.

Organisieren sollte man allerdings vor allem im Voraus seine Unterkünfte. Denn die sind zwar (noch) ausreichend, aber nicht überreichlich, viele Gastwirte im Odenwald sind in die Jahre gekommen und finden kaum einmal Nachfolger für ihre Betriebe – die sattsam bekannte Geschichte vom Sterben der Landgasthöfe in Regionen mit miserablem Handynetz und schneckenlahmem Internet. Wer nicht im Freien übernachten möchte, läuft Gefahr, abends vor verschlossenen Türen bzw. ohne Dach überm Kopf dazustehen, wenn er nicht Vorsorge getroffen hat.

Und noch ein Tipp: Zumindest an Wochenenden ist es ratsam, in Restaurants im Vorderen, also westlichen Odenwald, soll heißen, auf den ersten zwei, drei Wanderetappen des Nibelungensteigs, im Voraus seinen Tisch zu reservieren.

Die Nibelungensteig Wanderetappen

Von Zwingenberg bis Lindenfels

Der Nibelungensteig ist mit einem rostroten N markiert, die Zuwege mit einem dunkelgrünen N (was für Farbenblinde leider ganz schlecht zu unterscheiden ist). Start ist in Zwingenberg, einem kaum bekannten malerischen Weinstädtchen an der hessischen Bergstraße, deren Weine sich vor denen aus bekannteren Gebieten keineswegs zu verstecken brauchen – und zudem preiswerter sind. Das N, so sagte mir eine Wirtin, stehe nicht nur für „Nibelungensteig“, sondern auch für „nuff – nunner“, also „hinauf – hinunter“.

Das bekommen wir gleich nach dem Start zu spüren, denn aus der Rheinebene haben wir erst einmal 400 Höhenmeter auf den Melibokus, das weithin sichtbare Wahrzeichen der nördlichen Bergstraße, aufzusteigen – zum Glück nicht übermäßig steil. Zudem werden wir oben mit einem phänomenalen Blick auf die Rheinebene und die angrenzenden Mittelgebirge belohnt. Auch der Rhein-Main-Raum mit Frankfurt, dem Taunus und dem Flughafen ist gut zu überblicken. Danach geht es an die 250 Höhenmeter bergab, nur damit wir sie uns gleich anschließend wieder erarbeiten müssen.

Dafür warten auf dem Felsberg zwei Attraktionen besonderer Art: das afrikanische Restaurant „Ada’s Buka“, dessen Inneres fast schon ein völkerkundliches Museum ist (auf der Karte finden sich neben Odenwälder Hausmannskost und Antilopenbratwürsten auch Gerichte aus Nigeria, der Heimat der Chefin) und gleich danach das sagenhafte Felsenmeer. Sagenhaft, weil es, so eine Sage, aufgrund eines Streits zweier Riesen entstanden sein soll, die sich mit Felsblöcken bombardierten – das Ergebnis sehen wir heute. Und wir können es zuweilen sogar hören, denn unter den Felsblöcken soll der unterlegene Riese begraben sein, und wer ganz still ist, kann noch heute sein Atmen hören.

Nibelungensteig - Felsenmeer
Etappe 1: Ein Meer aus Felsbrocken: das Felsenmeer. Entstanden ist es vor 340 Millionen Jahren.
Nibelungensteig - Lindenfels mit Burg
Etappe 1: Lindenfels, auch Perle des Odenwalds genannt. Romantische Kurstadt mit Burganlage und dem deutschen Drachenmuseum.

Aber erstens ist es zumindest an Wochenenden nicht so ganz still, denn das Felsenmeer gleicht an schönen Wochenenden einem Ameisenhaufen: Überall kribbelt und krabbelt es. Und zweitens behaupten humorlose Zeitgenossen, dass das vermeintliche Atmen vielmehr das Rauschen eines Bachs ist, der am Fuß des Felsenmeers zutage tritt, passenderweise am ersten „Siegfriedsbrunnen“ unserer Tour.

Einer der Hauptanziehungspunkte des Felsenmeers ist die 10 m lange sogenannte Römersäule, die ursprünglich für den Trierer Dom vorgesehen war, dann aber fast fertig liegen blieb – ob wegen eines drohenden Germaneneinfalls oder deshalb, weil man feststellte, dass sich ihr Material als Säule doch nicht eignete, das weiß man nicht so ganz genau. Oft verbringt man die erste Nacht im Dorf Reichenbach am Fuß des Felsenmeers. Am zweiten Tag wird es schon ungleich stiller, auch weniger spektakulär. 

Wir wandern durch das kleine Dorf Knoden, wo es – wie uns eine Infotafel berichtet – zumindest früher nicht ganz geheuer war: Die Einwohner sollen sich auf die Kunst des Bannens verstanden haben und so manchem bösen Zeitgenossen üble, zuweilen lebensgefährliche Streiche gespielt haben, und man sollte sich mit den heutigen Knodenern besser nicht anlegen. Weiter geht die Wanderung zum Lindenfelser Ortsteil Schlierbach mit seinem einzigartigen Stickelbretter-Friedhof und prächtigen alten Fachwerkhäusern. Nach einem sehr steilen Anstieg (im Verlauf einer Nibelungensteigtour werden wir uns an derartige Steilstücke schon noch gewöhnen) gelangen wir schließlich zu Städtchen und Burgruine Lindenfels selbst.

Von Lindenfels bis Grasellenbach

Wer dort nicht schon nächtigen möchte, kann gut noch weitergehen, gelangt auf immer einsamere Wege und findet im etwas abseits der Route gelegenen Gasthof Ostertal ein gutes und preisgünstiges Quartier (wie überhaupt das Preisniveau im Odenwald eher etwas unter dem Durchschnitt liegt).

Der folgende Abschnitt konfrontiert uns mit einem deutlichen Gesteinswechsel: Während der Vordere Odenwald aus kristallinen Gesteinen und Porphyr aufgebaut ist, bewegen wir uns jetzt auf rötlichem Sandsteinboden, weswegen statt des bisher vorherrschenden Laubwaldes Nadelwald dominiert. Belebter wird’s wieder kurz vor Gras-Ellenbach, im Gaßbachtal, einem beliebten Revier für Spaziergänger. Als ich vor einigen Jahren wieder dort unterwegs war, wunderte ich mich über den prächtigen Baumbestand – so große und imposante Bäume hatte ich von früher her doch gar nicht im Gedächtnis! Na, ja, die Bäume hatten seit meinem letzten Besuch auch ein halbes Jahrhundert Zeit zum Wachsen …

Nibelungensteig - Blick auf Lindenfels
Etappe 2: Blick zurück auf Lindenfels.

Der recht touristische Ort Grasellenbach ist natürlich Geschmackssache; wer sich dort nicht wohlfühlt, kann gleich weitergehen und den steilen Anstieg zum bekanntesten der annähernd zehn Siegfriedsbrunnen in Deutschland in Angriff nehmen (sogar unter dem Erbeskopf im neuen Nationalpark Hunsrück gibt es einen). Gleich nach diesem wird es wieder ruhig. Auf Waldwegen, auf denen man kaum eine Menschenseele trifft, wandern wir, vorbei am Hochmoor „Rotes Wasser“, nach Güttersbach, wo wir uns an heißen Tagen gegenüber des sehr wandererfreundlichen Gasthofs Zum goldenen Löwen in einem geradezu putzigen Freibad erfrischen können.

Von Grasellenbach bis Erbach-Bullau

Nibelungensteig - Herbstliches Güttersbach
Etappe 3: Blick auf Güttersbach im morgenlichen Herbstnebel.

In Hüttenthal, eine knappe Gehstunde nach Güttersbach, müssen wir uns entscheiden. Die Wegvariante über Erbach kostet einen zusätzlichen Tag, zudem kommt sie im ersten Teil nicht ganz an die Schönheit der Hauptroute heran. Aber dafür ist die Kreisstadt Erbach mit ihrem spätbarocken Schloss, schon einem kleinen „Odenwald-Versailles“, ein wahres Juwel. Wussten Sie, dass Erbach die Hochburg der Elfenbeinschnitzerei schlechthin war und noch ist?

Wobei man heute selbstredend nicht mehr mit Elfenbein arbeitet, sondern Substanzen verwendet, die dem Elfenbein täuschend ähnlich sind. Das Deutsche Elfenbeinmuseum zeigt eine Sammlung von Erbacher Exponaten verschiedener Epochen und Stilrichtungen. Teile des Schlosses sind dagegen nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Von Erbach gelangen wir dann in einem kaum mittellangen Tagesabschnitt auf immer einsameren Wegen nach Erbach-Bullau. Zuweilen – so etwa gegen Ende dieses Abschnitts, im Eutergrund – erleben wir Landschaftsbilder, die stark an den Nordschwarzwald erinnern.

Die direkte Route von Güttersbach und Hüttenthal nach Erbach-Bullau ist etwas für Wanderer, die sich in Geduld üben wollen. Mehrmals müssen wir dort nicht sehr attraktive Wegabschnitte hinter uns bringen, aber immer dann, wenn Ungeduld und Unmut gar zu laut werden wollen, wird uns ein Highlight geboten. Beispielsweise führt dir Route zum Marbach-Stausee, das größte stehende Gewässer des Odenwaldes, ein kleines Paradies trotz der Bundesstraße in Hörweite. Oder das Himbächel-Viadukt, im späten 19. Jahrhundert das größte Eisenbahn-Bauwerk von Hessen. Oder das Ebersberger Felsenmeer. Oder der weltabgeschiedene Weiler Gebhardshütte.

Von Erbach-Bullau bis Hesselbach

Eine Eigenart des Hinteren Odenwaldes besteht darin, dass viele Dörfer auf Hochplateaus liegen. Am Nibelungensteig sind das neben Bullau noch Hesselbach, Preunschen und Beuchen. Dazwischen müssen wir immer wieder in tief eingeschnittene Täler ab- und aus diesen wieder aufsteigen, zuweilen auf sehr steilen Pfaden.

Zumindest auf der Wanderung nach Hesselbach ist das jedoch zu verschmerzen, denn nach dem Durchwandern eines ganz einsamen Wald- und Wiesentales kommen wir zuerst am kleinen Quellheiligtum von Schöllenbach vorbei (übrigens verläuft mitten durch den Ort die Grenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg, weswegen das Dorf geteilt ist), dürfen dann auf einem besonders schönen, nur anfangs steilen Hangpfad auf das nächste Plateau aufsteigen und haben dann noch eine gut 5 km lange Rundwanderung mit ganz geringen Höhenunterschieden vor uns.

Nibelungensteig - Dorfkirche Hesselbach
Etappe 4: Bis 160 n. Chr. gab es hier eine römische Garnison zur Bewachung des Limes.

Ihr höchster Punkt ist der Dreiländerstein auf 542 m Höhe, wo die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und, jawohl, auch schon Bayern zusammentreffen. Schließlich wartet am Abend der Landgasthof „Grüner Baum“ der Familie Grünvogel in Hesselbach mit gehobener, sehr kreativ zubereiteter schwäbischer Hausmannskost auf uns. Wenn das keine rosigen oder vielmehr grünen Aussichten sind!

Von Hesselbach bis Amorbach

Nibelungensteig - Burgruine Wildenburg
Etappe 5: Am Wegesrand: die spektakuläre Burgruine Wildenstein.

Die folgende, ziemlich lange Wanderung hat so viel zu bieten, dass man sie am besten unterteilt. Knapp 25 km sind natürlich an einem Tag machbar, auch wenn sich 660 Höhenmeter im Auf- und sogar gut 1000 Höhenmeter im Abstieg zusammenläppern, oft auf ausgesprochen steilen Wegen. Und man will doch den kleinen Abstecher zum Schloss Waldleiningen einbauen, ein kleines Stück Schottland im Odenwald, auch wenn es eine Fachklinik für psychosomatische Erkrankungen beherbergt und daher nur von außen besichtigt werden kann.

Dann ist eine kleine Rast an der Kirche des einstigen Dorfes Breitenbach sozusagen Pflicht. In Preunschen kommen wir direkt am Wattenbacher Haus vorbei, das um 1475 erbaut wurde und als das älteste erhaltene Bauernhaus des gesamten Odenwaldes angesehen wird. Heute beherbergt es ein sehenswertes Wald-Museum. Keine halbe Stunde weiter wartet mit der riesigen Burgruine Wildenberg – ihr Grundriss beträgt das Dreifache einer gewöhnlichen mittelalterlichen Burg – das Vorbild für die Gralsburg aus dem mittelhochdeutschen Versepos „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach, der einige Zeit auf der Burg verbrachte und dort auch an seinem Werk schrieb.

In Beuchen bietet die Freizeithütte durstigen Wanderern neben einer vollständig ausgestatteten Küche (mit Kaffeemaschine!) für ganz wenig Geld gekühlte Getränke. Die Zittenfelder Quelle ist nicht nur irgendein Siegfriedsbrunnen (bereits der dritte auf unserer Wanderung), sondern der landschaftlich wohl schönste überhaupt. Schließlich bietet der Weg von dort zum Tagesziel eine wahre Traumwanderung – sofern man nicht einfach nur am Ende seiner Kräfte ist.

Ja, und dann Amorbach! Es nennt sich Barockstadt und das mit vollem Recht. Von den prachtvollen Bauten dort seien hier nur die beiden barocken Kirchen (die evangelische mit ihrer weithin berühmten Stumm-Orgel befindet sich allerdings im Besitz der immer noch in ihrem Palast wohnenden oder residierenden Grafen von Leiningen und kann nur im Rahmen einer Führung oder zu Gottesdiensten besucht werden) sowie das sogenannte Templerhaus aus dem Jahr 1290, der zweitälteste Fachwerkbau Deutschlands, genannt. Das Städtchen ist einen halben Tag wert.

Nibelungensteig - Frühling im Odenwald
Etappe 5: So schön ist der Frühling im Odenwald bei Amorbach!

Vorschlag: Übernachten Sie in Beuchen, spazieren Sie am nächsten Tag nur die 7 km nach Amorbach und schauen Sie sich dort in aller Ruhe um, es lohnt sich über die Maßen!

Von Amorbach bis Miltenberg

Nibelungensteig - Amorbach
Etappe 5: Auf dem Marktplatz in Amorbach mit der Pfarrkirche St. Gangolf.

Spätestens an dieser Stelle wird mancher schon vom Lesen atemlos werden und fragen: Ja, es sind doch noch zwei Wanderetappen bis Freudenberg – so kann es doch nicht ständig weitergehen! Zumal der Nibelungensteig so allmählich wieder dichter besiedeltes Gebiet durchquert. Da muss es doch geradezu zwangsläufig zu einem Nachlassen kommen!

Kommt es aber nicht. Denn die Tour nach Miltenberg führt zwar durch zwei Dörfer, die aber so abgelegen sind, dass man sich dort in eine frühere Zeit versetzt fühlt. Dass es in Miltenberg schließlich mit der Ruhe vorbei ist, dass sich zuweilen zahllose Touristen, viele sogar aus Übersee, in der Fußgängerzone drängen – schauen Sie sich doch selbst dieses Fachwerkstädtchen am Main an, dann verstehen Sie es!

Da die heutige Wanderung recht kurz ist, können wir uns alle Zeit der Welt lassen. Wem es in Miltenberg zu lebhaft zugeht, der spaziert noch auf dem ebenen Radweg, der am Mainufer entlang führt, bis Bürgstadt und übernachtet dort.

Von Miltenberg nach Freudenberg

Zumal es von Bürgstadt bis Freudenberg nur noch eine Halbtagestour ist. Noch einmal sind etliche Hundert Höhenmeter zu meistern, aber unterwegs erwartet uns die Bauruine der Centgrafenkapelle, die das Andenken eines – aus heutiger Sicht kann man das nur so ausdrücken – religiösen Fanatikers aus der Zeit der Hexenprozesse wachhält, und weiter oben finden wir zwei Heunesteine, also liegen gelassene Säulen-Rohlinge, vergleichbar der Römersäule im Felsenmeer, nur nicht so weit gediehen.

Wenig später passieren wir ein rekonstruiertes Tor zu einer keltischen Festung. Schließlich legen wir noch einen kleinen Stopp auf der Burgruine Freudenberg ein, bevor wir über einen Treppenweg zum offiziellen Ende des Nibelungensteigs am prächtigen Rathaus des Städtchens gelangen.

Gleich gegenüber, vor dem Tourismusbüro, wo wir uns den letzten Stempel für unseren Wanderpass abholen können, finden wir eine Bushaltestelle, und wer keinen allzu weiten Heimweg hat, ist von dort schnell am Bahnhof Miltenberg bzw. von dort mit dem Regionalexpress in Aschaffenburg.

Dort spätestens wird sicher jeder seinen Gedanken nachhängen und noch einmal ins Schwärmen geraten: Was für ein herrlicher Weg! Noch dazu in einem Gebiet, wo man das vielleicht gar nicht erwartet hat!

Nibelungensteig - Säulenreste bei Bürgstadt
Etappe 7: Kurz hinter Bürgstadt: rätselhafte Säulenreste im Wald.

Nibelungensteig Wanderführer

Nibelungensteig - Wanderführer Odenwald
Der Wanderführer Odenwald von Thomas Striebig mit Stereckenbeschreibungen, -karten und GPX Tracks zum Nibelungensteig.

Der Wanderführer von Thomas Striebig behandelt vier Wanderwege im Odenwald. Einer davon ist der Nibelungensteig. Auf rund 150 Seiten wird das, man könnte schon fast sagen Wanderreisen, in bewährter Struktur der Rother Wanderführer beschrieben.

Bei Thomas Striebig führt der Qualitätsweg sogar über neun statt der üblichen sieben Abschnitte durch die Region Odenwald. Dies hat für Genuss-Wanderer den großen Vorteil, dass die langen und schwierigen Abschnitte ihre Schärfe verlieren und Du entspannter wandern kannst.

Natürlich enthält auch dieser Wanderführer alle wichtigen Informationen zu Anforderungen der Wanderwege, sowie zu den wichtigen Infos wie Anreise, Unterkünfte, Webbeschaffenheit und -beschreibung.

  • Titel: Odenwald – 4 Mehrtagestouren mit Nibelungensteig
  • Autor: Thomas Striebig
  • Verlag: Rother Bergverlag
  • 1. Auflage 2020
  • Inhalt: 248 Seiten mit 123 Farbabbildungen 35 Höhenprofile, 45 Wanderkärtchen im Maßstab 1:75.000, zwei Übersichtskarten, alle GPX Tracks zum Download
  • ISBN: 978-3-7633-4544-1
  • Preis: 14,90 Euro

Außer dem Nibelungensteig stellt der Wanderführer noch den Alemannenweg, den Burgensteig Bergstraße und den Main-Stromberg-Weg vor.

Tipps zur Tourenplanung

Für eine Tour auf dem Nibelungensteig, oder für die Wanderung über alle Wegabschnitte, kann ich Dir hier ein paar Infos und Tipps geben, die Dir hoffentlich im Vorfeld und unterwegs hilfreich sind:

  • Tourist-Information NibelungenLand:
    Auf der Webseite des Tourismus-Büros NibelungenLand findest Du alle wichtigen Informationen zur Region. Die Tourist-Information gehört zur Wirtschaftsförderung Bergstraße GmbH. Die GmbH bietet neben Service, Info zu Sehenswürdigkeiten und Wanderreisen, auch Info zur Strecke der Wanderweg Varianten im Nibelungenland an. Du findest auch zu jeder sehenswerten Stadt und Altstadt Info und Service Angebote auf der Seite der GmbH.
  • Broschüren und Wanderkarten:
    Neben dem bereits erwähnten umfangreichen Rother Wanderführer, gibt es die folgenden Empfehlungen zu Literatur und Wanderkarten der zuständigen Tourist-Information.
  • Informationen & Services zur Planung:
    Die hilfreiche Service-Seite des NibelungenLandes hält alle notwendigen Informationen zur Planung Deiner Wanderung bereit. Infos zu An- und Abreise, Verpflegung und Unterkünften, häufig gestellte Fragen, zum Wanderpass und vor allen Dingen kannst Du dort die aktuellsten Mitteilungen zum Wanderweg in Erfahrung bringen.
  • Gehzeitenberechnung und Ausrüstung:
    Die Tour entlang des Qualitätsweges ist eine Mittelgebirgswanderung. Die Tour führt durch unterschiedliches Gelände, dass unterschiedliche Anforderung an Geist und Körper stellt. Eine eigenverantwortliche und gründliche Planung ist daher Voraussetzung. Die richtige Ausrüstung und Bekleidung ist eine Notwendigkeit: z.B.: Teleskopstöcke, Wanderkarte, Verpflegung, Wetter- u. Kälteschutz, Sonnenschutz und vor allem feste Wanderschuhe – um nur ein paar Beispiele zu nennen – gehören dazu. Wichtig: Haltet Euch und Eure Füße immer trocken und warm! Sehr hilfreich: Der Gehzeiten-Rechner auf Luftschubser.de. Damit kannst Du die reinen Gehzeiten individuell auf Dich angepasst berechnen lassen!
  • Apps & Internet:
    Die Tourist-Information des NibelungenLands hat eine Sammlung der wichtigsten Apps und Internet-Seiten für Dich bereits zusammen gefasst!
  • Burgen der Region:
    Wenn Du wissen willst, welche Burgen am Wegesrand bzw. in der Umgebung des Wanderwegs liegen, kannst Du Dir im Burgenatlas von alleburgen.de ein genaueres Bild machen. Der Nibelungensteig für durch folgende Landkreise: Bergstraße, Odenwaldkreis, Miltenberg.
  • Eindrücke auf YouTube:
    Björn hat die Tour ist auf dem Qualitätsweg in 2020 gewandert. Er hat tolle Eindrücke auf YouTube festgehalten. Viel Saß beim Appetit holen!
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Das Altmühltal und der Altmühltal Panoramaweg

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