Burg Hohenneuffen – Kreis Reutlingen

Burg Hohenneuffen – Burg und Festung von sehr großer Bedeutung

Die Burg Hohenneuffen, ehemals eine bärenstarke Festung, war über viele Jahrhunderte bewundert, gehaßt und auch gefürchtet. Hohenneuffen zählt noch heute zu den bedeutendsten und größten Wehrbauten in Burg- und Festungsform. Die massiven Mauerwerke und die exponierte und alles überragende Lage der Burg, haben den Menschen im Mittelalter und den Burgenforschern von heute stark beeindruckt und beflügelt. So sollen angeblich die Anfänge der Burg Hohenneuffen bereits in der Römerzeit liegen, glaubt man dem ein oder anderen Forschungsergebnissen. Aber ist das wirklich wahr?

Lage & Infos Burg Hohenneuffen

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Beschreibung

Erste Bauphase

Burg Hohenneuffen gliedert sich in vier wesentliche Bauabschnitte. Dabei entsteht während der ersten Bauphase die mittelalterliche Burg. Ihre Ausdehnung beschränkt sich dabei auf das Gipfelplateau des Berges mit einer Fläche von rund 3.300 m². Heute noch sichtbar davon ist ein Rest der polygonalen Schildmauer im Ostbereich der Kernburg. Die Moderne hat im Burgareal einen Kiosk und eine Gaststätte mit Wirtsgarten an der Südmauer eingerichtet.

Zugang zur ehemaligen Burg des Mittelalters erfolgt über die Ostseite, direkt angrenzend zur Schildmauer. Die zweite Bauphase auf Burg Hohenneuffen erweiterte die Anlage um die äußere Ringmauer mit einem neuen Torturm, den sogenannten Allewindeturm mit markanter Form in einem langgezogenem Halbrund. Burg Hohenneuffen galt von da an als Landesburg der Grafen von Württemberg.

Landesfestung

Der Ausbau zur Landesfestung erfährt Burg Hohenneuffen in der langen dritten Bauphase zwischen 1543 und 1735. Die wohl wichtigste Bauphase der Burg, da sich das Bild der Anlage von einer mittelalterlichen Burg zur massiven Festung hin verändert. Vor der Schildmauer der Burg wird ein System aus Mauerwerk und Erwällen angelegt. Drei massige Rundtürme werden errichtet: Der erdgefüllte Schwarze Turm im Westen, der Wachstubenturm im Osten und der Neuffener Turm im Süden.

Der Zugang zur Burg Hohenneuffen erfolgt nach dieser Bauphase über die Nordseite mittels einer Brücke, die auf acht Steinpfeiler gestützt den unteren Hof überspannte und am Schwarzen Turm mündete. Eine wohl einmalige Architektur für eine Festung. Der Aufgang und auch der untere Hof erhalten massive Sicherungsbauten: Rondelle und die Ludwigs-Bastion.

Weiter Bauphasen

In der ehemaligen Kernburg wird Wohnbauten erweitert, ein neues Gebäude wird im Vorhof errichtet und der Pulverturm mit seinem rautenförmigen Grundriss wird im Osten der Burg Hohenneuffen vorgelagert. Die vierte und letzte Bauphase auf Burg Hohenneuffen findet zwischen 1735 und 1742 statt. Die inzwischen zur Festungsanlage gewachsene Burg wird zusätzlich erweitert und nach französischen und ungarischen Vorbildern modernisiert.

Der Zugang zur Anlage wird erneut verlegt und führt fortan entlang der nördlichen Bergflanke an das östliche Ende bis zum Schwarzen Turm. Es werden weitere Bastionen, Gräben, Gänge und Erdwälle auf dem vorgelagertem Areal östlich der Anlage angelegt. Die Friedrich-Bastion, ein gedrungener Tunnelbau, wird errichtet. Sie beherrscht die Auffahrt zum Vorhof im Norden der Kernanlage. Dort folgt ein Tor mit Zugbrücke.

Die Ludwig-Bastion, der Friedrich-Bastion nachgelagert, wird umgebaut. Die Maßnahmen des 18. Jahrhunderts werden nie vervollständigt und gelten als unvollständig abgeschlossen.

Historie

Entstehung

Bereits im Altertum bis 1 v. Chr. soll der Burgberg der Burg Hohenneuffen keltisch besiedelt gewesen sein. Ein Ableger des Heidegraben-Oppidums soll dort gelegen haben. Spuren des Oppidums finden sich heute noch in Form eines rekonstruierten keltischen Zangetors bei Erkenbrechtsweiler. Auch datiert man die ältesten Bestandteile der Burg Hohenneuffen auf das 6. Jahrhundert. Belegt ist allerdings erst die Gründung der Burg Hohenneuffen unter Mangold von Sulmetingen-Neuffen im Zeitraum 1100 – 1120.

Der Sohn Mangolds, Egino, nennt sich 1122 „von Neuffen“. Ein Hinweis auf den Sitz Neuffen, wohl auch auf die Burg Hohenneuffen. Dieser Egino ist der letzte männliche Nachkomme des Mangold und stirbt 1150. Damit endet auch die Herrschaft auf Burg Hohenneuffen. Bertold II. übernimmt 1160 die Burg. Er gilt als möglicher Bruder des Mangold. Er baut Burg Hohenneuffen 1170 um. Die polygonale Schildmauer wird diesem Bauabschnitt zugesprochen. 1198 nennt sich Bertold II. dann „von Neuffen“.

Neuffen auf dem Kreuzzug

1228 begleitet Heinrich von Neuffen den Kaiser Friedrich II. auf dessen Kreuzzug nach Jerusalem – der 5. Kreuzzug. Dieser gipfelt am 18. März 1229 in der Krönung Friedrichs II. als König von Jerusalem – eine Krönung ohne Weihe, da Friedrich II. gebannt ist. 1230 wird im Tal unterhalb der Burg Hohenneuffen die Stadt Neuffen die Burgherren von Hohenneuffen gegründet. Um 1290 stirbt der Adel von Neuffen im Mannesstamm aus. Die Burg Hohenneuffen geht an Konrad von Weinsberg durch Heirat.

Der verkauft die Burg Hohenneuffen, die Stadt Neuffen und die daran gebundene Herrschaft bereits 1301 für 7.000 Pfund Heller an den Graf Eberhard I. von Württemberg. 1312 belagert die Reichsstadt Esslingen die Stadt Neuffen und nimmt sie auch ein. Gibt sie schließlich aber 1316 wieder zurück an Württemberg. 1442 kommt die Stadt Neuffen bei der Teilung Württembergs zu Osthälfte unter Graf Eberhard d. Jüngeren. Schon 1449 wird die Burg Hohenneuffen im Städtekrieg durch die Truppen von Schwäbisch Gmünd belagert.

Das Grauen auf der Burg

Die Burgbesatzung kann bei einem Ausfall 65 Gegner gefangen nehmen und erschlägt 34 weitere. Die württembergischen Landesteile werden 1482 wiedervereinigt und damit verliert die Stadt Neuffen an Bedeutung. Im 16. Jahrhundert wird unter der Herrschaft von Herzog Ulrich von Württemberg die Burg Hohenneuffen regelrecht zur Schreckenskammer.

Der Abt Georg Fischer von Zwiefalten landet im Kerker der Burg nachdem er ein vom Herzog verlangtes Darlehen nicht auszahlen will. Auch der Burgvogt der Hohenneuffen, Bälz, richtet an den Herzog Beschuldigungen. Dafür landet dieser ebenfalls im Kerker und wird zu Tode gefoltert. Conrad Breuning, Mitglied des Landtages, wird auf Hohenneuffen inhaftiert, gefoltert indem man ihm Arme und Füße ins Feuer hält und schließlich in Stuttgart hingerichtet.

Burg Hohenneuffen und die Kriege

1519 übergibt Herzog Ulrich die Burg uneingenommen während des Reichskrieges des Schwäbischen Bundes gegen ihn an den Bund. Im Bauernkrieg 1525 wird Burg Hohenneuffen vergeblich belagert. Burg Hohenneuffen wird zwischen 1534 und 1553 ausgebaut. 1618 wird die Burgbesatzung verstärkt, als der Dreißigjährige Krieg ausbricht.

1621 sind es bereits 100 Mann. 1634 wird die Burg im September durch kaiserliche Truppen belagert. Nach 14 Monaten Belagerung, übergibt man die Burg an die kaiserlichen Truppen im November 1635. Stadt und Festung wird bereits 1636 an Württemberg zurückgegeben.

1735 wird der Ausbau zur zeitgemäßen Festungsanlage beauftragt. 1742 werden diese Arbeiten aber eingestellt. Der Landtag beschließt 1795 Hohenneuffen als wirksame Festung aufzugeben. 1801 wird Burg Hohenneuffen zum Abbruch freigegeben.

Burg Hohenneuffen dient im Zweiten Weltkrieg 1945 als Fliegerwache und wird durch die Artilleriebeschuß der US-Streitkräfte beschädigt. Zwischen 1966/67 wird die Burgruine Hohenneuffen instand gesetzt. Es wird eine befahrbare Betonbrücke errichte

Bilder Festung Hohenneuffen

Literatur

  • Burgenführer Schwäbische Alb – Band 4 – ISBN: 3-924489-58-0
  • Burgen des deutschen Mittelalters – Grundriss-Lexikon – ISBN: 3-86047-219-4
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