Das Burgenregister

Burg Rettenberg (Vorderburg)

Die Burg Rettenberg – heute Vorderburg genannt – steht nicht bei Rettenberg, wie der Name vielleicht vermuten lässt. Die Burg thront in ca. 1.035 m Höhe auf einem Fels auf dem Rottachberg, nahe dem gleichnamigen Ort Vorderburg. Sie gehört zu den ältesten Burgen im Allgäu und weist eine eigentümliche Bauweise auf. Leider ist jedoch kaum mehr etwas von der ehemaligen Burganlage erhalten.

LAGE & INFORMATIONEN

Info-Tafel

BESCHREIBUNG

Anlage

Burg Rettenberg scheint aus einem kompakten Gebäudetrakt bestanden zu haben. Es konnte bisher kein Bergfried nachgewiesen werden. Lediglich ein Zwinger an der Südseite der kleinen Anlage, hier führt die Zufahrt an die Burg, war vermutlich als Wehrelement der Burg vorangestellt. Die Burg Rettenberg besteht aus einem Hauptgebäude, das wohl vom Zwinger an der Südostseite der Anlage zugänglich war. Das Zentrum der Burganlage bildet ein großer Saal, mit einer Abmessung von ca. 10 x 20 Metern. Um dieses Kernstück gruppierten sich einst wohl Kammern und Wirtschaftsräume. Kapelle, Amts- und Wohnräume mussten in einem zweiten Stockwerk untergebracht gewesen sein, die über eine Wendeltreppe erreichbar waren. Stallungen waren im inneren der Einfahrt angesiedelt.

Heute sichtbar sind Mauerreste an der Südwestseite der Burg Rettenberg. Während das Gelände des Burgfelsens zu den anderen Seiten hin steil bis fast senkrecht abfällt, ist die Südwestseite die zugänglichste und damit am wenigsten geschützte Seite. Daher ist das Mauerwerk auf dieser Seite mit ca. 2 m Dicke, besonders stark errichtet. Möglicherweise erfüllt die Südwestmauer, die ggf. fensterlos war, die Funktion einer Schildmauer. Im Nordwesten ist das Mauerwerk nur noch zur Hälfte erhalten und weist eine Abbruchkante auf.

Das Burgareal ist terassenförmig aufgeteilt. Zur Ostseite hin fällt das Gelände ab. Aufgrund der sehr hohen Lage, ist es wahrscheinlich, dass die Burg Rettenberg die Wasserversorgung durch eine Zisterne gewährleisten musste. Reste eines Brunnens konnten nicht gefunden werden und sind unwahrscheinlich in diesem Gelände. Das Mauerwerk lässt sich allerdings heute noch gut lesen: Die Außenseite besteht aus behauenen Nagelfluhquadern. Im Inneren ist Roll- und Bruchstein vorzufinden. Dazwischen ist das Füllwerk an den Bruchstellen erkennbar. Auch erkennbar ist an der Innenseite die Bauweise des Fischgrätenmauerwerks.

Historie
Burg Rettenberg - Südwestmauerrest

Blick auf den großen Mauerrest der Südwestseite – innen

Burg Rettenberg ist die Stammburg der Herren von Rettenberg. Ihre Entstehung ist in das 11. Jahrhundert datiert. Die Herren von Rettenberg sind ein einflussreiches und begütertes Geschlecht und erbauten u.a. die Burg Eisenberg, Burg Vilsegg und Burg Nesselburg. Sie sind treue Stauferanhänger. 1130 wird erstmals ein Rettenberger urkundlich erwähnt. Es handelt sich um eine Schenkungsurkunde mit dem Kloster St. Ulrich als Begünstigte, welches er bezeugt. Mitte des 12. Jahrhunderts splittet sich das Geschlecht der Rettenberger auf. Es kommt der Zweig der Trauchburger hinzu. 1213 ist Heinrich von Rettenberg beim Reichstag in Konstanz zugegen. Abgehalten wird dieser vom Staufer Kaiser Friedrich II. Ihm folgt Heinrich von Rettenberg schließlich 1228 auf dessen Kreuzzug.

Gegen 1310 stiften Albrecht und Hug von Rettenberg Jahrtage in der Pfarrkirche von Vorderburg. Im Jahr 1318 dient der Sohn des Hug von Rettenberg dem König Friedrich dem Schönen im Kampf gegen König Ludwig den Bayern, im römisch-deutschen Thronstreit, mit 10 vollgerüsteten ritterbürtigen Männern und ca. 30 Kriegsknechten und Knappen. 1337 geben die Herren von Rettenberg die Burg Rettenberg und den Ort Wertach an das Hochstift Augsburg ab. 1350 erbt die Elisabeth, die Tochter des verstorbenen Heinrich von Rettenberg, der keinen männlichen Nachkommen hat, die Burg. Ein Jahr später verkauft sie die Burg Rettenberg an den Bischof von Augsburg.

Zwischen 1385 und 1400 verpfändet das Hochstift Augsburg die Burg Rettenberg mit weiteren Burgen und Gütern für 6.000 ungarische und böhmische Goldgulden an Hans von Ellerbach. Vor 1400 löst das Hochstift die Pfandschaft aber wieder ein. So bleibt die Burg Rettenberg beim Hochstift Augsburg, das 1425 den Blutbann im Ort Rettenberg erhält und damit das Recht, Stock und Galgen zu errichten. Außerdem erhielt Rettenberg vor der Burg (Vorderburg!) das Marktrecht. Während des Bauernkrieges 1525 kam die Burg nicht zu Schaden. 1534 war die Burg Rettenberg an Dachwerk, Gemäuer und Einfahrt stark beschädigt, so dass sie im gleichen Jahr instand gesetzt wird.

Im September 1562 brennt die Burg Rettenberg beinahe völlig aus, während die betrunkene Köchin Küchle backt und erst das Schmalz, dann das Schindeldach in Flammen aufgeht. Die Wiederaufbaukosten sind dem Hochstift zu teuer, so begnügt man sich mit den nötigsten Reparaturen. Bis in das 18. Jahrhundert sitzt ein Pfleger auf der Burg Rettenberg. Um 1785 besteht die Burg nur noch aus einem eingestürzten Turm und zwei Hauptmauern. 1802 geht die Burgruine an das Land Bayern und verfällt weiter.

LITERATUR

  • Burgen im Allgäu – Band 1
    ISBN: 3-88006-115-7
  • Burgen und Ruinen im Allgäu
    ISBN: 3-8062-1602-9

BILDER

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Alex ist Münchner, Wahl-Landsberger und bloggt auf Luftschubser.de. Mit Vorliebe beschreibt er seine Touren und deren historische und kulturelle Hintergründe. Bereits seit 2003 schreibt er schon über Burgen - sein Steckenpferd - im Netz und führt das nun in seinem Blog fort. Das Bergsteigen, Wandern, die Natur, die Burgen als steinerne Zeitzeugen und der Austausch - unterwegs - mit anderen Menschen sind nicht nur Hobby, das ist seine Lebenseinstellung.

Website: https://luftschubser.de

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